Klaus Altepost zur Einstweiligen Verfügung gegen „Schwarzbuch Waldorf“

Das Schwarzbuch Waldorf von Michael Grandt wird bereits in vielen Feuilletons besprochen, da untersagt das Landgericht Stuttgart dem Gütersloher Verlagshaus durch Einstweilige Verfügung die Verbreitung des Buches, soweit es um das Thema körperliche Strafen gehe [mehr…]. Verleger Klaus Altepost erläutert, wie es nun weitergeht.

Klaus Altepost

buchmarkt.de: Die Pressemitteilung klingt ziemlich juristisch. Was passiert jetzt? Erscheint das Buch oder nicht? Und wenn ja, wann?
Altepost: Wenn eine Einstweilige Verfügung ergangen ist, laufen rechtliche Automatismen ab. Deshalb lassen sich juristisch klingende und auch gemeinte Formulierungen nicht immer vermeiden. Das Buch wird ungehindert ausgeliefert. Bis zu einer Entscheidung über unseren Widerspruch gegen die Einstweilige Verfügung ergänzen wir das Buch um ein Beiblatt, in das wir die gerichtlich geforderten zusätzlichen Hinweise zum Thema körperliche Strafen und Waldorfpädagogik aufnehmen.

Was sind die nächsten Schritte des Verlages? Und was heißt eigentlich dieser Satz aus Ihrer Pressemitteilung: „Der Verlag wird diesen Hinweis beachten, jedoch seine entgegenstehende, der Sprachlogik folgende Auslegung der Reichweite der Verlagswerbung gerichtlich verteidigen“?
Wir liefern wie geplant aus, nun dank des gesteigerten Medieninteresses mit noch größeren Verkaufserwartungen als vorher. Wir bereiten parallel den Widerspruch gegen die Einstweilige Verfügung vor. Wir gehen davon aus, dass es schon nächste Woche zu einer öffentlichen Gerichtsverhandlung vor dem Landgericht Stuttgart kommen wird, bei der die Frage der körperlichen Gewalt in der Waldorfpädagogik eingehend erörtert werden wird.

Der von Ihnen zitierte Satz bezieht sich auf die Verlagswerbung zu der 2. Auflage der überarbeiteten Neuausgabe des Buchs „Strafe in der Selbsterziehung und in der Erziehung des Kindes“ von Erich Gabert/Georg Kniebe. Die frühere Fassung war von Erich Gabert alleine geschrieben worden, er aber befürwortete körperliche Gewalt stärker als dies in der Neuausgabe steht, unser Schwarzbuch erwähnte die Neuausgabe nicht. In der Verlagswerbung unter
http://www.siriusonline.de/verlag/produkte.nsf/Produktansicht/3f3bb0e2d6dce991c12567a90059102e?OpenDocument&ExpandSection=1 heißt es zur 2. Auflage:
„Georg Kniebe hat das Buch – bereits in mehreren Auflagen erschienen und zu einer unverzichtbaren Grundlage für die Waldorfpädagogik geworden – grundlegend aktualisiert und durch eigene Überlegungen ergänzt.“
Wir meinen, dass der Begriff „bereits in mehreren Auflagen erschienen“ bei der Werbung für die 2. Auflage schon wegen der Verwendung des Plurals logisch nur bedeuten kann, dass auch Vorgängerauflagen, also noch weitere als etwa nur die 1. Auflage der Neuausgabe, so eben auch die (nunmehr ja wegen nicht mehr zeitgemäßer Aussagen zur körperlichen Gewalt eher ungeliebte) 10. und letzte Auflage der Vorgängerausgabe nach Meinung des Verlages eine „unverzichtbare Grundlage für die Waldorfpädagogik“ waren. Gegen diese unsere Darstellung der Bewerbung der Vorgängerausgaben hatte Waldorf geklagt und unseres Erachtens zu Unrecht vorläufig obsiegt.

Im Feuilleton gab es auch Kritik am Stil des Buches. Werden Sie die Gelegenheit nutzen, auch da einige Änderungen vorzunehmen?
Wir sehen dazu keinerlei Veranlassung. Der Stil des Buchs entspricht dem eines typischen Schwarzbuchs, das ja seiner Definition nach eine Sammlung von Negativbeispielen aus der Sicht des Autors sein soll. Wir gestehen jedem Rezensenten eigene Auffassungen zu Fragen des Stils zu, respektieren aber vor allem die jeweiligen Auffassungen unserer Autoren, wenn und soweit sie sich – wie vorliegend ganz zweifelsohne – im Rahmen des Verlagsüblichen halten.

Die Fragen stellte Matthias Koeffler

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.