Klaus Fuereder: Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Vermarktung von Reiseführer + App?

Freitags um fünf: Was bewegt jetzt die Branche? Michael Lemsters Frage der Woche an mo media-Marketingleiter Klaus Fuereder.

Klaus Fuereder, 1958 geboren in München, ist nach Stationen u.a. bei GU, Microsoft, BavariaFilm,der Süddeutschen Zeitung und Ullstein seit 2010 als Marketing- und Vertriebsspezialist Axel Springer AG tätig und betreut seit 2011 den internationalen Reiseführerverlag mo media, Berlin. Er liebt Berlin mittlerweile mehr als München und ist trotzdem nachhaltig deprimiert von der Niederlagenserie des FC Bayern München.

Klaus Fuereder – jeder Besucher der Buchtage bekam ein Exemplar des Berlin-Städteführers von mo media in die Hand gedrückt. Hatten Sie vor lauter Konferenztrubel Gelegenheit, sich um das Feedback der Branche zu kümmern?

Klaus Fuereder

Klaus Fuereder: Nach allem, was ich mitbekommen habe, waren die Leute recht begeistert und haben die Idee sehr positiv aufgenommen. Aber ich habe noch kein konkretes Feedback, aber einige scheinen schon die Gelegenheit zu nutzen, Buch und App auf ihren Stadtspaziergängen auszunutzen.

Sie nehmen in Anspruch, der erste deutschsprachige Reiseführerverlag mit wirklich crossmedialem Vertriebsansatz zu sein – wo bleibt der Wettbewerb?

Klaus Fuereder: Nach meiner Information sind wir das einzige Unternehmen in Deutschland, das seine Produkte generell mit einer App anbietet, wobei die App den Guide nicht ersetzt, sondern ihn ergänzt. Sie ist das ideale Produkt, wenn man mal nicht mit dem Guide durch die Straßen spaziert, sondern punktuell Adressen und Tipps sucht und sich aktuell informieren will. Der gedruckte Guide wird eher sequentiell genutzt, um die Spaziergänge, die wir vorschlagen, abzuwandern. Die Vernetzung von gedrucktem Guide und App und die Tatsache, dass man im Guide einen Freischaltcode findet, mit dem man sich die App kostenlos herunterladen kann, sind meines Wissens konkurrenzlos.

Ist die App allein käuflich, und was ist der Preis?

Klaus Fuereder: Ja, sie kostet 2,99 €.

Läuft der Buchhandel da nicht Gefahr, dass er im Laden Werbung für die Reihe macht und der Kunde dann bei Apple & Co. kauft?

Klaus Fuereder: Wir konzentrieren uns bei der Vermarktung absolut auf die gedruckte Ausgabe. Die App ist aus unserer Sicht ein rein additives Produkt. Dennoch haben wir bereits deutlich über 10.000 Downloads registriert.

mo media ist ein niederländischer Verlag. So viele gibt es nicht, die in Auslandsmärkten aktiv sind. Welche Strategie hat die Muttergesellschaft?

Klaus Fuereder: Aus Sicht von mo media hat der deutsche Buchmarkt aufgrund seiner Größe und Attraktivität eine überragende Bedeutung. Deswegen hat sich der Verleger René Bego entschlossen, gemeinsam mit mir im deutschen Markt direkt aktiv zu werden, daher haben wir hier in Berlin unser Verlagsbüro eröffnet. Im übrigen Europa macht mo media ausschließlich Lizenzdeals.

Und – geht das Kalkül auf?

Klaus Fuereder: Wir sind media control zufolge unter den 20 Reiseführermarken in Deutschland bereits im vorderen Mittelfeld platziert – und das nach 3 Monaten. Man kann jetzt schon sagen, dass die Käufer das Konzept mit den 6 Spaziergängen, die frische Gestaltung und die crossmediale Kombination sehr gut angenommen haben.

Sie sagen irgendwo, die App schnurre wie ein Kätzchen. Manche Android-Anwender sehen das anders…

Klaus Fuereder: Wir haben bis dato nur ca. 50 Service-Calls registriert, also unter 1%. Bei Android haben wir heute 75% „Five-Star-Ratings“. Im übrigen gibt es so viele Konstellationen Gerät/Betriebssystem/Browser, dass wir das nicht alles optimieren können – unsere Welt ist die App-Welt, und da läuft es.

Die Reihe 100% bietet nur städtische Destinationen. Bleibt das so?

Klaus Fuereder: In dem Konzept der 100%City Guides bleibt das so, weil es maßgeschneidert für Städte-Kurzreisen ist. Es gibt aber eine etwas umfangreichere Regionalreihe unter dem Label 100%, damit planen wir nächstes Jahr auf den Markt zu kommen. Da wird es um Destinationen wie Sizilien, Andalusien, Toskana gehen.

Wie viele Titel werden es insgesamt sein?

Klaus Fuereder: Bei den City-Guides allein werden wir bei ca. 35 enden, wir planen aber wie gesagt neue Projekte und Reihen, die in erster Linie für den deutschen Markt entstehen.

Mit seiner Firma alVoloConsult berät Michael Lemster Verlage, Buchhändler, Dienstleister und E-Commerce-Unternehmen bei Geschäftsentwicklung, Programm, Business- und Datenprozessen. Katalogdaten sind sein Spezialgebiet. Daneben publiziert er in Fach- und Publikumsmedien.

Link-Tipps: www.100travel.de/einloggen (Informationen zum Download der Gratis-App 100%Berlin); facebook@momedia.com; twitter@momedia.com

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