Rainer Dresen – Immer wieder freitags, da kommt die Erinnerung (an den WWF-Fall)

Freitags um fünf: Was bewegt jetzt die Branche? Michael Lemsters Frage der Woche an Random House-Justitiar Rainer Dresen.

Rainer Dresen – Immer wieder freitags, da kommt die Erinnerung (an den WWF-Fall)
Am Freitag letzter Woche wurde eine neue, kuriose Wendung in der Auseinandersetzung des WWF gegen das im Gütersloher Verlagshaus erschienene, seit Monaten umstrittene, aber weiterhin lieferbare Schwarzbuch WWF bekannt: Kurz vor Unterschrift beider Seiten unter eine vergleichsweise Lösung hatte der Verlag die Gespräche ausgesetzt. Diese Woche nun wurde weiter verhandelt, und immer wieder freitags (in Anlehnung an den Schlager von Cindy & Bert) gibt es eine neue Wasserstandsmeldung: Eine Einigung soll es nun bis spätestens 17.August geben, das Landgericht Köln hat den eigentlich für heute anberaumten Verkündungstermin nochmals verschoben [mehr…].

Zu den Hintergründen unsere heutigen „Freitags um fünf-Fragen an den Justitiar des Gütersloher Verlagshauses Rainer Dresen.

Können Sie verstehen, dass sich nicht wenige Beobachter langsam fragen, wann denn der scheinbar unendliche Streit um das „Schwarzbuch WWF“ endlich vorüber ist?

Rainer Dresen

Rainer Dresen: Das kann ich gut verstehen, das fragen wir uns vom Gütersloher Verlagshaus auch seit Wochen. Immerhin, so nahe wie jetzt war es noch nie.

Was ging denn letzte Woche schief?

Rainer Dresen: Der WWF hatte eine Presseinformation formuliert, die sich so las, als ob er der Gewinner der ganzen Auseinandersetzung sei. Vielleicht um möglichst rasch seine Sicht der Dinge verbreiten zu können, hatte er die Presseinformation schon vor Abschluss des Vergleichs an zahlreiche Agenturen und Zeitungen geschickt, allerdings mit der Bitte, darüber erst nach Vergleichsabschluss zu berichten. Die Empfänger haben aber nicht gewartet, bis das endgültige OK des WWF kam. Stattdessen haben die Medienvertreter umgehend beim Verlag nachgefragt, was dieser denn zum geschlossenen Vergleich zu sagen gedenke. Auf dessen verblüffte Nachfrage „Welcher Vergleich? Es ist doch noch gar keiner geschlossen“ wurde dem Verlag die WWF-Erklärung dann von diversen Medien im Wortlaut zugeschickt. Als wir dann dort lesen mussten, dass der WWF nach all den Gesprächen immer noch „falsche Aussagen und Diffamierungen“ in der einvernehmlich abgeänderten Textfassung sieht, diese aber scheinbar großzügig hinnehmen will, haben wir die Unterschriftsleistung bis zur endgültigen Klärung aller offenen Fragen aufgeschoben.

Was ist dann passiert?

Rainer Dresen: Daraufhin setzte zu unserem großen Erstaunen ein erneuter Medienrummel ein, in dessen Verlauf u.a. dpa, dapd, FAS, Süddeutsche und taz anriefen und Hintergründe erfahren wollten. Offenbar polarisiert und interessiert der Fall „Schwarzbuch WWF“ nach wie vor.

Wie geht es denn jetzt weiter?

Rainer Dresen: Wir haben den WWF gebeten, uns doch aufzuzeigen, welche angeblichen Falschaussagen und Diffamierungen die mit dem WWF bereits weitgehend abgeklärte künftige Fassung des Buchs aufweisen soll, die weder das Gericht noch die WWF-Verhandlungskommission bislang benennen konnte. Wir meinen nämlich, es gibt gar keine. Wenn wir über den Verhandlungsstand Einigkeit erzielen und auch noch die Fassungen der jeweiligen Presseinformation konvenieren, sollte es endlich zur Einigung kommen können und eine gerichtliche Entscheidung endgültig entbehrlich sein. Dann können sich alle Beteiligten anderen spannenden Projekten zuwenden.
Ich zumindest habe so langsam genug von all den Pandabären-Stories und will endlich wie alle anderen hier im Verlag „Shades of Grey“ lesen. Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es zwar dort wie im WWF-Fall irgendwie um harte Bandagen, es kommen aber deutlich weniger seltene Tiere drin vor. Und das Wichtigste, man will ja beim Lesen auch mal abschalten können, das Anwaltsaufkommen in diesem Bestseller ist nur auf das Nötigste beschränkt: Der Vater des verhaltensauffälligen Protagonisten ist zwar Advokat, und dass die entdeckungsfreudige junge Hauptdarstellerin vor Betreten das „Spielzimmers“ des dominanzfreudigen Milliardärs erst noch einen Vertrag unterzeichnen muss, konnte sich natürlich nur dessen anwaltlicher Berater ausgedacht haben. Sonst aber ist „Shades of Grey“ anwaltsfreie Zone.

Mit seiner Firma alVoloConsult berät Michael Lemster Verlage, Buchhändler, Dienstleister und E-Commerce-Unternehmen bei Geschäftsentwicklung, Programm, Business- und Datenprozessen. Katalogdaten sind sein Spezialgebiet. Daneben publiziert er in Fach- und Publikumsmedien.

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