Sebastian Stude über die Chancen neuer Drucktechnologien für die Buchbranche

Was 1987 fast nebenher mit dem Tintenstrahldruck für den Bürobetrieb begann, hat sich inzwischen zu einer ausgereiften Produktionsmethode für Drucksachen jeder Art entwickelt, auch – wer hätte das gedacht – für Bücher. Die Fachwelt spricht von der digitalen Inkjet-Technologie, die sich anschickt, in der Qualität mit dem Offsetdruck gleichzuziehen. Im Preis-Leistungsverhältnis überholt sie ihn derzeit. Weit überlegen ist sie ihm an Flexibilität – in der Produktionszeit, im individuellen Auflagenmanagement und in der inhaltlichen und herstellerischen Gestaltung.

Welche Folgerungen ergeben sich daraus für das Verlagswesen? Dazu nimmt Sebastian Stude Stellung. Er ist Leiter der Unternehmensentwicklung der europaweit tätigen CPI-Gruppe, die auf dem Gebiet der Buchproduktion als Pionier vorangeht. Stude erläutert im nachstehenden Interview die neue Technik sowie die strategischen Chancen, die sich durch sie für Verlage und Buchhandlungen eröffnen.

Das Gespräch hat unser langjähriger freier Mitarbeiter Wolfgang Ehrhardt Heinold geführt.

Was unterscheidet den Inkjet- vom herkömmlichen Offsetdruck?

Sebastian Stude

Stude: Quantum steht bei CPI für die Kombination eines Hochgeschwindigkeits-Rolleninkjetdruckers von HP, dem Flexbook als Falz- und Schneidemodul und einer klassischen Bindestraße für die verschiedensten Buchtypen. Die einzelnen Stücke oder auch ganze Auflagen werden ohne Ortswechsel bzw. Transportstrecken in einer einzigen Straße produziert.

Dabei wird die Druckdatei direkt an die Druckmaschine übertragen. Das ermöglicht eine schnelle Produktion, bei der wir Einrichtungs- und Rüstkosten sparen. Weil die feste Druckform entfällt, kann darüber hinaus jedes einzelne Druckstück individuell gestaltet werden.

Bei der Weiterverarbeitung der Bücher arbeiten wir nicht nur mit den üblichen Verleimungstechniken, sondern auch mit der klassischen Fadenheftung. Zudem sind alle Einbandarten möglich, die der Kunde wünscht – von der einfachen Broschur bis zum Ganzleinenband.

Seit wann ist CPI im digitalen Inkjetdruck tätig und wie nehmen Ihre Kunden den neuen Produktionsweg auf ?

Mit weltweit neuartigen Buchherstellungssystemen vom Typ CPI-Quantum werden seit 2011 Bücher im Schwarz-weiß-Digitalrotationsdruck hergestellt. Soeben ist CPI auch zum Farbdruck in dieser Technik übergegangen. Auf einer Roadshow wurde diese Innovation im Herbst 2014 in mehreren deutschen Großstädten vorgestellt. Das Interesse der dazu eingeladenen Verlage war überwältigend.

In Kreisen der Verlagshersteller wird die Qualität des neuen Verfahrens genauestens geprüft. Können Sie wirklich mithalten?

Ja. Der technische Fortschritt der letzten Jahre und die Ingenieurleistung unserer Mitarbeiter haben dazu beigetragen, dass die HP Hochgeschwindigkeits-Inkjettechnologie die Qualität des Offsetdrucks erreicht hat. Interessierte Verlage können sich hiervon bei uns gerne ein Bild machen, zum Beispiel anhand von Musterbüchern.

Man sagt, der Digitaldruck könne in der Qualität der verarbeiteten Papiere mit dem Offsetdruck nicht konkurrieren.

Bei klassischen Digitaldruckverfahren mag das der Fall gewesen sein. Bei der Quantum Technologie setzen wir allerdings dieselben Rollenpapiere ein, wie beim klassischen Offsetdruck. Wir haben dabei in den letzten Jahren immer mehr Erfahrungen gesammelt und können heute sehr gut einschätzen, welche Papiere optimale Ergebnisse im digitalen Inkjetdruck erzielen. Wir beraten unsere Kunden dabei gerne und bieten auch Musterdrucke an, damit man sich von der Qualität des Papiers und des Druckes überzeugen kann.

Der Alptraum eines jeden Verlegers sind zu hohe Buchbestände. Sie kommen zustande, weil zuverlässige Absatzprognosen bei Titeln von neuen Autoren oder mit neuer Thematik in der Regel kaum möglich sind. Deshalb verlässt man sich auf sein „Bauchgefühl“. Außerdem werden Auflagen oft zu hoch angesetzt. Gibt es dafür bei Ihnen eine Lösung?

Ja, dies ist Bestandteil unseres „Cash-Back“ Programms. Wir haben erkannt, dass die Festlegung der Startauflage eine der größten Herausforderungen der Verlage ist. Daher bieten wir aufgrund unser neuen Technologien ein Business Modell an, dass die Auflagenplanung flexibler macht. Dabei drucken wir nur einen Teil der Gesamtauflage zum Stückpreis der Startauflage und geben dem Verlag so die Möglichkeit innerhalb von sechs Monaten den Abverkauf der Bücher zu beobachten.

Wir gehen so gemeinsam ins Auflagenrisiko. Beispiel: Gewünschte Startauflage sind 5.000 Exemplare. Wir drucken 3.000 Bücher zum Stückpreis der Startauflage und der Verlag hat sechs Monate Zeit die Restmenge bei Bedarf abzufordern. Wenn der Titel erfolgreich läuft, drucken wir zum selben Stückpreis wie die Startauflage die Differenzauflage auf unserer Quantum Technologie. So gehen wir nicht nur ins Auflagenrisiko, sondern helfen bei der Reduzierung der Lagerkosten und Kapitalbindung.

Das ist sicher ein interessantes Angebot für Verlage. Bis jetzt haben wir über die Verminderung des Auflagenrisikos gesprochen. Welche Möglichkeiten bietet der Digitaldruck außerdem für Verleger, zum Beispiel mit der Individualisierung von Druckstücken? Können Sie uns einige Musterfälle aus Ihrer Praxis nennen?

Ein klassisches Beispiel ist der Eindruck von individuellen Codes in Bücher. Diese können z.B. für ein Gewinnspiel oder als E-Book Codes genutzt werden, mit denen sich ein Leser das E-Book zum Buch herunterladen kann. Hier muss nun nicht mehr der Vorsatz in einem zweiten Arbeitsschritt gesondert bedruckt werden, der individuelle Code wird in jedes Buch automatisch eingedruckt.

Aber auch jeder Inhalt kann einzeln und individuell in einem Buch gedruckt werden. Dies ist zum Beispiel für föderale Auftraggeber interessant, die Buchinhalte für 16 Bundesländer unterschiedlich gestalten wollen. Oder für den Verlag mit regionalen Krimis, der sein Buch inhaltlich auf regionale Besonderheiten angepasst in unterschiedlichen Regionen von Deutschland verkaufen möchte.

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