Franz Schneider

Franz Schneider

Gestern ist Franz Schneider, geb. am 8.3. 1925, im Alter von 82 Jahren gestorben.

Er war einer der ganz großen Verlegerpersönlichkeiten der Nachkriegszeit, und einer der ersten Verleger, der es geschafft hat, aus seinem Programm eine Marke zu machen und richtiges „Marketing“ zu machen: Schon bevor er 1964 die Leitung des seinem Vater 1913 gegründeten Franz Schneider Verlag Verlags übernahm, hatte er den Slogan „Kinder lieben SchneiderBücher“ erfunden.

Für Millionen Kinder wurde er zum „Onkel Franz“, das rote „S“ zum unverwechselbaren Markenzeichen, das für große Bucherfolge und große, aber auch preiswerte Lesefreude stand. Der größte Bucherfolg seines Verlages war sicher die „Hanni & Nanni“-Serie von Enid Blyton; aber natürlich erinnern sich auch viele an Oliver Hassenkamp (Burg Schreckenstein), natürlich an Erich Kloss, Berte Bratt oder Rolf Ulrici.

Und wir erinnern uns an einen großartigen, leidenschaftlichen, aber auch manchmal sehr menschlichen Verleger, bei dem viele aus unserer Branche viel gelernt haben – Heino Hanke, Peter Zylla, Kurt Gerber, Christian Warweg, Martin Wißnet, Gunter Steinbach, Monika Reithel-Thaler sind nur einige, die bei ihm in die nicht immer einfache Schule gegangen sind.

Der leidenschaftliche Hobby-Pilot bewies auch am Boden Weitsicht und sah Entwicklungen lange voraus: Im Mai 1985 verkaufte er deshalb seinen Verlag, den er in seiner seiner langen aktiven Zeit zur Marktführerschaft gebracht hatte, an die international tätige dänische Egmont-Gruppe und zog sich ganz aus dem Verlagsgeschäft zurück.

Seitdem widmet er sich der Kunst und signierte seine Pop-Art-Werke (!) mit dem Künstlernamen Jo Baerli – auch sein Privatflugzeug nannte so so: In seiner „Baerli-Ariline“ nahm er auch schon mal Freunde mit, etwa zur ersten Leipziger Buchmesse nach der Wende Dr. Volkmar Mair und dessen Frau, wie ich mich als sein „Ehrenpilot“ (ich traute mich zwar nie mitzufliegen, besitze aber eine eigens von ihm dafür gefertigte Pilotenkrawatte) erinnere.

Das Fliegen war ihm aber schon lange nicht mehr möglich; mir schrieb er vor wenigen Monaten: „Ich bin Dialyse-Patient. Ein Leiden aus dem Krieg, wo ich in Kälte und eisigem Regen Wache schieben musste. Jetzt nehmen es meine Nieren übel. Dreimal in der Woche an die Blutwäsche für jeweils fünf Stunden. Das schlaucht. Über 2.000 Stunden habe ich so schon verbracht. Ein Ende? Hoffentlich nicht so schnell, sonst kostet Sie das einen Kranz“.

CVZ

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