Maria Hönigschmied – und ein Nachruf

Maria Hönigschmied

Maria Hönigschmied, legendäre Geschäftsführerin des Droemer Verlages, ist am 13. Juli im Alter von fast 90 Jahren gestorben. Ihre Leistung für ihren Verleger und für den Verlag war „unglaublich“, wie ihr der ebenso legendäre (Simmel-)Lektor Fritz Bolle einst bei uns im BuchMarkt attestierte.
Ebenso „unglaublich“ schien es damals aber nicht nur ihm, dass sie, die den Verlag als im Grunde absolute Herrscherin geführt hatte, sich (damals erst 56 Jahre alt) zum Jahresende 1980 in den Ruhestand zurückzog (In Ihrem Vorzimmer saßen übrigens übrigens damals Traudl Eckhardt, später Heyne’s große Lizenzfrau, und Lothar Schirmer).
Ihren Rückzug machte sie mit aller Konsequenz, für „ihren“ Verlag aber machte sie auch im hohen Alter noch einmal eine Ausnahme: Vor drei Jahren, beim 60. Geburtstag von Dr. Hans-Peter Übleis, dem heutigen Droemer-Verleger, konnte ich ihr noch einmal sagen, wie auch ich sie gefürchtet, aber auch bewundert hatte. Dieser bewegende Moment blieb unsere letzte Begegnung. Bewegend war für mich (das war Jahre vorher ) ein überaschendes Telefonat mit Johannes Mario Simmel. Der lebte damals fast ebenso zurückgezogen – und ich hatte ihn plötzlich am Telefon, als er mir fast schüchtern einen Artikel anbot, den er zu Maria Hönigschmieds 75. Geburstag schreiben wollte. Den habe ich aus unserem Dezemberheft von 1999 herausgekramt. Sie finden ihn unten, nach dem Nachruf aus der Feder unseres Kolumnisten.

Hans-Peter Übleis sagt mir gerade: „Ich hab erst vor ein paar Wochen mit Ihr telefoniert, wir hatten regelmäßig Kontakt, sie hat immer die Branchenmedien gelesen, war bis zum Schluß hellwach und insbesondere am Wohlergehen von Droemer interessiert. Zum Geburtstag bekam sie immer von Ihrem Verlag einen wunderschönen Blumenstrauss, und vice versa ich von ihr zu meinem Geburtstag. Acj ja, sie war eine tolle Frau!!!! Erstmals zu Ihr vorgelassen wurde ich übrigens 1978, da habe ich Ihr ein paar Taschenbuchlizenzen von Molden-Büchern (Susan Howatch) verkauft.Zum Abschied sagte Sie: „junger Mann, sie haben jetzt ein sehr gutes Geschäft gemacht. Wenn Sie wüssten, wie gut wir Susan Howatch bei Knaur verkaufen werden, hätten Sie ein noch besseres machen können. Das werden Sie noch lernen“.

CvZ

Nachruf von Gerhard Beckmann
Es war für Frauen auch in deutschen Verlagen nahezu unmöglich, in eine Führungsposition zu gelangen. Unter den wenigen Ausnahmen, die es unmittelbar in der Nachkriegszeit gab, hatte Maria Hönigschmied noch einmal eine Sonderstellung.
Dass Willy Droemer aus dem großen Verlag seines Vaters – von dem außer dem Namen, Th. Knaur, nach 1945 nichts geblieben war, den zu führen die amerikanische Besatzungsbehörde ihm zunächst auch noch untersagte – den innovativsten, erfolgreichsten und erlösreichsten Publikumsverlag der (alten) Bundesrepublik aufbauen konnte, verdankte er in hohem Maße dieser Frau.
Als Sekretärin hatte sie bald nach der Gründung der Droemer’schen 1946 im fränkischen Wiesentheid angefangen. Sie wurde, im wahrsten Sinne des Wortes, zur Leiterin des Hauses, wo sie alle Fäden in der Hand hielt – über fast alle Abteilungen von Verwaltung, Vertrieb, Werbung, Rechte, Öffentlichkeitsarbeit; auf das Programm hatte sie zumindest für den Taschenbuchbereich ebenfalls großen Einfluss, und in vielem war sie auch für die Kommunikation mit den Autoren überhaupt zuständig. Sie war, obwohl Frau, womöglich der mächtigste Verlagsleiter, bis sie das Haus nach dem Verkauf an die Georg von Holtzbrinck Gruppe verließ, fast gleichzeitig mit ihrem Verleger, mit dem sie auf Augenhöhe und gleicher Wellenlänge zusammenarbeitete.
Maria Hönigschmied war eine echte Führungspersönlichkeit. Sie wirkte meist bescheiden und legte wenig Wert auf Öffentlichkeit. Sie war großzügig. Weil sie es mit der eigenen Arbeit im Interesse des Ganzen sehr genau nahm, konnte sie allerdings im Detail auch überaus penibel, und streng sein – was ihr einen Heidenrespekt, wenn (gerade unter den Mitarbeitern an der legendären Adresse in der Münchner Rauchstraße) auch nicht immer herzliche Zuneigung brachte. Sie war mit dem Verlag identisch, hatte aber auch ein persönliches privates Leben, das eben nur ihr gehörte. Das war wohl ein Geheimnis ihrer Ausgeglichenheit.
Maria Hönigschmied war eine der zentralen Gestalten im deutschen Verlagsleben.

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