Rita Kalbhenn (82)

Rita Kalbhenn

Wie wir im erst jetzt erfahren, ist die Diplom-Bibliothekarin Rita Kalbhenn, die langjährige Vorsitzende des Verbandes Deutscher Werkbibliotheken am 31. Dezember 2010 im Alter von 82 Jahren gestorben.

Wenn eine Persönlichkeit stellvertretend für die Industrie- und Werkbibliotheken in der Bundesrepublik Deutschland stand, dann die geborene Gelsenkirchenerin, die nicht nur bis zu ihrer Pensionierung die Werkbibliothek der Dynamit Nobel AG leitete, sondern den früher sogenannten Werkbüchereien, einer sozialen Leistung der Arbeitgeber, in ihrer Vorstandstätigkeit von 1967 – 1975 beim übergeordneten Verband Gesicht und Gewicht gab.

Sie kämpfte als Mitglied der Kommission Bibliothekstantieme erfolgreich für die Einführung derselben, sie beschäftigte sich in zahlreichen Veröffentlichungen mit der Geschichte der Werkbibliotheken wie z.B. in ihrem Aufsatz „Werkbibliotheken im Dritten Reich“ (erschienen in: „Bibliotheken während des Nationalsozialismus“ Hrsg.: Peter Vodosek, Wolfenbütteler Arbeitskreis für Bibliotheksgeschichte 1992), sie war Mitherausgeberin von „Deutsche Werkbüchereien heute“, nahm jahrelang Lehrtätigkeiten an der „Fachhochschule für Bibliothekswesen“ wahr und war nach 1989 Beauftragte des Verbandes Deutscher Werkbibliotheken für die Zusammenführung und -arbeit dieser Institutionen in Ost und West.

Rita Kalbhenn erkannte früh die Zeichen der Zeit, die Werkbücherei zu modernen Mediatheken mit dem Schwerpunkt der beruflichen Weiterbildung umzuwandeln. Unvergessen zum Beispiel die Tagung des Verbandes in Stuttgart 1975, als der damalige Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer die Eröffnungsrede hielt; unvergessen ihre geistige und tatkräftige organisatorische Unterstützung, damit für eine Doktorarbeit der Autorin 17 repräsentativ ausgewählte Werkbibliotheken der BRD bei einer umfassenden Leserbefragung mitmachten, deren Ergebnisse im „Archiv für Soziologie und Wirtschaftsfragen des Buchhandels“ des Börsenvereins 1980 veröffentlicht wurden und noch heute Unterrichtsstoff für Bibliothekare sind.

Rita Kalbhenn hat in ihrem Privatleben viel für ihren leidenschaftlichen Einsatz für das Fortbestehen der Werkbibliotheken geopfert, musste aber leider in den letzten Jahren miterleben, wie diese wertvollen Bildungseinrichtungen, entstanden seinerzeit aus einer patriarchalischen Verantwortung der Unternehmer, dem Rotstift vordergründig rechnender Manager weichen mussten. Mit ihrem Tod geht deshalb auch das Ende einer Ära einher.

Gabriele Hefele

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