Das Sonntagsgespräch Holger Ehling über die Chancen für kleinere Fachverlage durch das E-Buch

Holger Ehling, langjähriger Pressechef der Frankfurter Buchmesse, BuchMarkt-Kolumnist und Autor von unterhaltsamen Sachbüchern, geht unter die Verleger: Zur Frankfurter Buchmesse startet „Fleet Street Press“, dort sollen Fachinformationen und wissenschaftliche Arbeiten vor allem zur Buch- und Medienwirtschaft und den Sozial- und Geisteswissenschaften erscheinen – und zwar in erster Linie als E-Books.

Das war Anlass für unser Gespräch heute:

BuchMarkt: E-Books sind das aktuelle Megathema – läufst Du mit Deinem neuen Verlag einem Hype hinterher?

Holger Ehling: Wenn ich jedem Hype hinterher laufen würde, käme ich schnell aus der Puste. Aber ernsthaft – mein

Holger Ehling

Partner Thomas Sittler und ich setzen zwar einen deutlichen Schwerpunkt bei E-Books, das bedeutet aber nicht, dass wir nicht auch gedruckte Bücher produzieren werden. Umfangreichere Arbeiten wird es ganz sicher auch in gedruckter Form geben, wenn auch vor allem als Print on Demand. Wir betrachten aber E-Books als eine Publikationsform, die besonders für Fachinformationen und Wissenschaft sehr gut geeignet ist. Durch die relativ günstigen Kosten bei Herstellung und Vertrieb ist es möglich, auch Nischenthemen zu besetzen, die nur eine kleine Leserschaft haben. Gleichzeitig sind wir dadurch nicht gezwungen, massive Produktionskostenzuschüsse zu verlangen, wie dies andere Verlage tun. Wir haben ein Modell entwickelt, das die Autoren deutlich besser stellt als dies bei anderen Verlagen der Fall ist.

Wer soll denn die E-Books von Fleet Street Press kaufen?

Wir wenden uns an professionelle Nutzer, die schnelle, praxisrelevante Informationen benötigen und natürlich auch an Studenten und Hochschullehrer. Ich hatte ja im vergangenen Jahr schon mit einem E-Book mit dem schönen Titel „eBooks verkaufen – aber richtig“ einen Versuch in dieser Richtung gestartet, der uns Mut macht. 
Wir werden bewusst einen Schwerpunkt setzen bei kürzeren Arbeitspapieren, für die es bislang keine wirklich angemessenen Veröffentlichungsmöglichkeiten gab. Dabei geht es uns vor allem auch um die Qualität der Publikationen: Wir werden sicher nicht den Fehler machen und eine Plattform für alle Kräuter und Rüben eröffnen, die in irgendwelchen Studierbuden entstehen.

So etwas gibt es schon zur genüge…

…ja, deshalb muss man das nicht kopieren. Wir sind deshalb im Gespräch mit einer Reihe von Personen und Verbänden und Hochschulen, um kompetente Berater und Herausgeber für Reihen zu gewinnen. Ich selbst werde zum Beispiel die Reihe „International Publishing Monitor“, die ich während meiner Zeit in London gestartet hatte, wieder aufleben lassen – ich denke, dass die Kolleginnen und Kollegen in der Branche nichts einzuwenden haben gegen gut gemachte Informationen zu internationalen Märkten.

Man kennt Dich in der Branche als Journalisten, Autor und Berater. Ist der Schritt zum Verlag nicht zu ambitioniert?

Das ist schon richtig, aber ohne Ambition wäre das Leben ja langweilig. Immerhin habe ich schon seit Mitte der 1980er Jahre eine Reihe von Programmen für geisteswissenschaftliche Verlage entwickelt und habe selbst mehr als 15 Jahre lang eine wissenschaftliche Zeitschrift für afrikanische Literatur herausgegeben und redigiert. So ganz unbedarft gehe ich also nicht an die Sache heran. Mein Partner ist zudem ein ausgewiesener Marketingfachmann, so dass ich recht zuversichtlich bin, dass wir unsere Ziele erreichen werden.

E-Books sind ein Reizthema für den Buchhandel. Wie wollt Ihr das Sortiment einbeziehen?

Natürlich sind wir offen für jegliche Art der Kooperation mit dem Buchhandel. Vor allem das wissenschaftliche Sortiment ist herzlich eingeladen, mit uns zusammen zu arbeiten. Allerdings habe ich in den gut 30 Jahren, die ich mich jetzt schon in der Branche herumtreibe, noch nicht feststellen können, dass der Buchhandel mit geöffneten Armen dasteht, wenn ein neuer Verlag mit neuen Produkten anklopft. Wir richten unser Augenmerk deshalb vorerst vor allem auf die verschiedenen Webshops, die wir über Bookwire beliefern werden. 
Möglich ist auch, dass wir mittelfristig E-Book-Cards anbieten, vor allem in Universitätsbuchhandlungen; ich habe dieses Projekt von Epidu [mehr…] von Beginn an verfolgt und finde die Sache recht reizvoll.

Dass finde ich auch, aber der Kunde wird immer das Buch haben wollen, für das die Karte gerade nicht da ist. Statt des Kartenständers scheint mir ein Display für neutrale Karten, dass verdeutlicht, hier gibt es E-Bücher, einfacher und praktischer.

Ich würde mir auf jeden Fall wünschen, dass der Buchhandel dabei mit ganzer Kraft mitzieht, bin aber auch skeptisch, ob dies geschehen wird. Mir wäre es am liebsten, wenn der Buchhändler an der Ladenkasse einfach eine Art Bon mit einem Zugangscode für ein E-Book ausdrucken könnte. Auf jeden Fall wird es in unseren gedruckten Büchern einen Code zum Download der elektronischen Variante geben.

Wie beurteilst Du grundsätzlich die Aussichten des Buchhandels, mit E-Books erfolgreich zu sein?

Das wird schwierig. Ich halte wenig von den White-Label-Shops, die dem Sortiment angeboten werden. In den USA ist das Experiment, bei dem der unabhängige Buchhandel auf diese Weise mit Google kooperiert hat, krachend gescheitert. Ich sehe einfach nicht, dass die vielen unabhängigen Buchhändler mit breitem Sortiment die Mittel und das Personal hätten, um sich jeweils selbst als Marke zu etablieren im Wettstreit mit Amazon und dergleichen – aber vielleicht verstehe ich ja auch einfach nicht genug von Öffentlichkeitsarbeit.Bei den großen Filialisten könnte die Sache schon eher funktionieren und natürlich bei denen, die spezifische Profile aufgebaut haben: Lehmann oder Schweizer zum Beispiel traue ich zu, recht erfolgreich zu sein. Und wenn der Buchhandel mit unseren Büchern – ob elektronisch oder gedruckt – in Zukunft ordentlich verdienen sollte, dann hätte ich sicher nichts dagegen.

Die Fragen stellte Christian von Zittwitz. Mehr Infos bei Facebook: https://www.facebook.com/FleetStreetPress und in Kürze auch unter www.fleetstreetpress.de

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