Runde Geburtstage Hubert Klöpfer (70)

Hubert Klöpfer wird heute 70 Jahre alt. Jürgen Horbach gratuliert dem Klöpfer & Meyer-Geschäftsführer zum Geburtstag:

Hubert Klöpfer (c) Annette Maria Rieger

Hubert Klöpfer, der Literaturkritiker, Lektor, jahrzehntelange Verleger und Freund seiner Autoren, hat schon manche Hymne stoisch und immer etwas beschämt entgegengenommen. An Anerkennung hat es nicht gefehlt. Je länger ein Redner auf dem Lob, das er ihm zugedenkt, besteht, desto sicherer kommt der Moment, in dem Hubert Klöpfer seinen Kopf von ganz weit unten, die Augen dem Boden zugewandt, langsam hebt, das Gegenüber anschaut und leise lächelt. In seiner Sprache heißt das, jetzt ist es genug, aber es ist nicht alles falsch, was Du sagst. Der Mann, der oftmals so sehr hinter seine Autoren, die Literatur und sein verlegerisches Werk zurücktritt, dass er von sich nur in der dritten Person Singular spricht, so, als sähe er sich zu bei dem, was er tut, dieser Mann hat in der Deckung seines Habitus‘ ein überraschend unerschütterliches Selbstbewusstsein.

Über die sagenhafte Liste seiner Autorinnen und Autoren, die Bücher, die Themen, die Anfeindungen und vielen Triumphe ist schon viel gesagt und geschrieben worden. Auch über die stets überregionale Rezeption der Bücher in den Feuilleton-Seiten, die großen Autoren, die er in seinen kleinen Verlag holte und oft auch dort halten konnte. Auch Niederlagen, wie sie den Verlegern von Kleinverlagen nicht erspart bleiben können, kamen schon unverblümt zur Sprache. Aber eine bislang ungenannte Eigenschaft ist seine offenbar tief in seinem Innern gründende Sicherheit und Standfestigkeit. Die haben ihren Ursprung in der Überzeugung, dass das, was er bedacht und abgewogen unternimmt und vertritt, viel größer ist als die Person, die dies ermöglicht. Diese Person ist er selbst. Sein verlegerisches Werk, die Einzelwerke und die Konstanz von Autoren im Programm weisen als geistiges Vermächtnis über den hinaus, der es vermittelt. Gekrönt werden die Dichter, nicht die Verleger.

Wer einen kleinen Verlag hat, der hat riesige Sorgen. Die sind vor allem finanzieller Art. Die inhaltlichen Erfolge sind für die Ruhmeshalle und deren Urheber, dem Verleger bleibt das Wagnis. Wagniskapital besteht in dieser immer noch weithin unterschätzten Verlagsliga, die unsere Verlagslandschaft, Literatur und Essayistik erst lebendig erhält, aus sehr, sehr wenig Kapital und ungeheuer viel Wagnis. Sehr schön hat das Klaus Wagenbach auf den Punkt gebracht: Er habe gefroren letzte Nacht, seine Kapitaldecke sei zu kurz gewesen. Das hat Hubert Klöpfer ein Verlegerleben lang begleitet. Keiner möchte da mit ihm und anderen, denen es ähnlich geht, getauscht haben. Schon der Gedanke an die vielen schlaflosen Nächte, die ein solches Leben bereitet, führt sicher bei den meisten zu der Erleichterung, dass so das eigene nicht gewesen ist. Man kann sagen, aus Mutlosigkeit nicht das eigene war.

Neulich fand bei Osiander in Tübingen, Hubert Klöpfers Heimatstadt, ein großes Fest statt. Hubert Klöpfer war dabei, bestens gelaunt, aufrecht, knapp vor dem 70. Geburtstag. Das Ende seines legendären Verlages Klöpfer & Meyer hat er überstanden. Wichtig war ihm, für seine Autorenschaft, hinter die er stets zurücktrat, eine neue, konstante Heimat zu finden. Mit der KrönerEditionKlöpfer ist dies gelungen. Nie hat er daran gezweifelt, dass das, wofür er gearbeitet hat, es nicht wert gewesen wäre. Es war das Richtige, unabweisbar notwendig. Gelitten hat er viel, aber das hat seinem literarischen Urteilsvermögen und seinem Willen, stets weiterzumachen, keinen Abbruch getan. Diese Konsequenz bezeichnet man heute wieder mit dem altmodischen Wort Haltung. Diese nie verloren zu haben, ist eine ungeheure Leistung. Die Werke und ihre Urheber werden immer gepriesen. Hubert Klöpfer hat aber sich und seinem Berufsstand der qualitätsbesessenen Verleger in kleinen literarischen Verlagen mit seiner persönlichen Haltung auch ein Denkmal gesetzt, das getrost neben dem seiner Autoren stehen darf. Da kann der Hubert Klöpfer in der dritten Person Singular, als würdiges Ich, ganz befreit vom Boden aufschauen, weil er letztlich weiß, was ihm zusteht. Seine Haltung ist vorbildlich. Wer ihn kennt, weiß, dass er damit nicht aufhören wird, bestimmt nicht nach seinem 70. Geburtstag!

Falls auch Sie gratulieren möchten: hubert.kloepfer@kloepfer-meyer.de

Möchten auch Sie jemandem aus Ihrer Buchhandlung/Ihrem Verlag zum „Runden Geburtstag“ gratulieren? Dann mailen Sie uns einen kleinen Text und ein Foto des Jubilars/der Jubilarin: redaktion@buchmarkt.de, Stichwort: Runde Geburtstage.

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