Das Sonntagsgespräch Jörg Dörnemann über die Chancen von Print on Demand

Bei dem Berliner Unternehmen epubli, einer Holtzbrinck-Tochter kann jeder sein eigenes Buch drucken und veröffentlichen. Auch Verlage sollen von dem Service des Book on Demand und Self Publishing-Unternehmens profitieren können.

Margit Lesemann hat mit mit epubli Geschäftsführer Jörg Dörnemann und der Content Managerin Barbara Thiele über das Konzept gesprochen.

Herr Dörnemann, wie können Verlage Ihr Angebot nutzen?

Jörg Dörnemann und Barbara Thiele

Jörg Dörnemann: Zu unseren Kunden zählen eine ganze Reihe kleiner Verlage, die sich sagen: Wir kümmern uns um das, was wir am besten können und das ist die Arbeit mit den Autoren und die Vermarktung. Der Druck des Buches und die Distribution in Online- und Offline-Vertriebskanäle wird ausgelagert. Unser Angebot funktioniert bei einer Auflage von 1000 Exemplaren genauso wie für jemanden, der ein Buch nur einmal für sich privat drucken lässt. Maßgeschneiderte On-Demand-Produktion ist der Buchdruck der Zukunft.

Mit welchen Kosten muss ein Verlag rechnen?

Dörnemann: Jeder kann sich auf unserer nutzerfreundlichen Website die Kosten ausrechnen. Bei einer Vollkostenbetrachtung, die einrechnet was fürs Lager und für Makulatur ausgegeben wird, sind wir durchaus konkurrenzfähig.

Barbara Thiele: Unser Service bietet sich für kleine Verlage an, die keine eigene Auslieferung haben und ihre Produktion im Keller lagern. Das Geniale: Sobald ein Kunde das Buch bestellt, wird es Print-on-Demand gedruckt. Für große Verlage kann das für die Backlist interessant sein. Sie können so alle Titel wieder lieferbar machen.

Und Ihre Verlagskunden sind mit der Qualität zufrieden?

Dörnemann: Ja, denn wir bieten den Verlagen mit unserer digitalen Buchproduktion eine Qualität wie beim Offset-Druck. Auch auf die Bindung legen wir großen Wert.
B. T: Unser Print-on-Demand-Verfahren wird schon von etlichen Verlagen für den Nachdruck von einzelnen Backlisttiteln genutzt. Allerdings können wir diese Titel nicht dem Originalformat anpassen. Bei einer Einzelauflage sind wir auf unsere verschiedenen Formate beschränkt. Das gilt auch für unsere Papiere und Bindungsarten. Aber es stehen viele Standardvarianten zur Verfügung.

Das heißt Verlage, die einzelne Titel nachdrücken möchten, müssen sich ihren Formaten anpassen?

Dörnemann: Ja, die Plattform lebt von der Standardisierung. Für ein individuelles Format besteht die Möglichkeit des Offsetdrucks. Die rechnet sich aber erst bei einer Auflage von etwa 300 Exemplaren.

Ist denn – beispielsweise bei einem Reihentitel – ein Leinenrücken möglich?

Dörnemann: Unsere Zielgruppe definiert sich über die Inhalte. Da haben Leinenrücken keine Toppriorität. Wir wollen die Bücher günstig produzieren und jedermann zugänglich machen.

Sie vertreiben die Bücher über Ihren Onlineshop. Kann man sie auch über den Buchhandel beziehen?

Dörnemann:Wir sind ein herstellender Verlag, aber es wäre vermessen zu sagen, der stationäre Buchhandel müsse alle unsere Titel führen. Dennoch haben wir in unserem Store eine Handvoll Titel, die jede Buchhandlung vorrätig haben sollte.

Zum Beispiel?

Thiele: Unsere Spezialität sind Nischenthemen, die einzelne Kunden durchaus interessieren. Ein Buchhändler, der unser Angebot kennt, kann Kompetenz zeigen und das Bedürfnis befriedigen. Unsere Autoren entscheiden, ob sie eine ISBN wollen. Damit sind sie dann auch im Buchhandel auffindbar.
Dörnemann: Was uns von herkömmlichen Verlagen unterscheidet sind die Autorenrechte. Die Rechte bleiben komplett beim Autor. Das heißt, wenn ein Autor den internationalen Durchbruch erzielt und für den amerikanischen Markt entdeckt wird, ist er nicht gebunden. Wir verlangen dann auch keine Abschlagszahlungen oder ähnliches. Wir haben nur die Vertriebsrechte.

Lektorieren Sie das Buch bevor es in Druck geht?

Thiele: Nein. Wir nehmen den Text so wie der Autor ihn abliefert.

Sträuben sich da nicht manchmal sämtliche Nackenhaare?

Dörnemann: Sie meinen uns persönlich als Liebhaber schöner Texte?

Ja.
Dörnemann: Wir sind keine Verleger, die die berühmte Nadel im Heuhaufen suchen. Wir betreiben eine Plattform, die Autoren selbst bespielen können. Und wenn ein Autor dann ein Angebot eines anderen Verlags bekommt, sind wir nicht betrübt. Im Gegenteil. Wir freuen uns, dass wir ihm helfen konnten, so weit zu kommen. Aber wir sind keine Trüffelschweine und stecken auch kein großes Budget ins Marketing. Das macht in unserer Holtzbrinck-Konstellation auch keinen Sinn. Da gibt es andere, die das besser können, wie Droemer, S. Fischer, KiWi…. Unser Ansatz ist ein anderer. Wir sagen uns, wenn sich ein Buch null Mal verkauft, hat keiner Geld verloren.

Thiele: Wir bieten ja gerade Autoren mit Nischenthemen die Möglichkeit ihre Bücher zu veröffentliche, Autoren, die bei einem klassischen Verlag keine Chance hätten, weil sie mit ihren Büchern vielleicht nur 200 Leser erreichen. Sie haben bei uns die Möglichkeit aus ihrem Text ein richtig schönes Buch zu machen, ins Internet zu stellen und anzubieten.
Dörnemann: Wir als Verlag stellen die Plattform zur Verfügung und die Community entscheidet über den Erfolg. Eine Beurteilung maßen wir uns nicht an.

Wer sorgt für das Layout?
Dörnemann: Wir unterstützen den Autor mit Anleitungen auf unserer Website, aber letztlich entscheidet der Autor. Wir wollen nicht, wie manche Mitbewerber, ein Paket für Lektorat und Layout verkaufen, das sich dann womöglich als Mogelpackung erweist.
Ein schönes Beispiel für ein gelungenes Layout ist Markus Albers‘ „Meconomy“. Der Autor hat das Buch zunächst nur als E-Book über seine Website verkauft und bekam positives Leserfeedback. Aber viele wollten dann doch lieber eine gedruckte Variante. Das Buch ist einer unserer Renner. Der Kunde kann beim Kauf übrigens zwischen vier verschiedenen Covern wählen. So etwas geht natürlich nur bei Print on Demand. „Meconomy“ ist ein Buch das auch von Buchhandlungen gut bestellt wird.
Thiele: Markus Albers vermarktet sich auch sehr gut. Wie das geht, versuchen wir allen unseren Autoren zu vermitteln und wir unterstützen sie mit der Plattform epublizisten.de. Wer erfolgreich sein will, muss auch auf Facebook sein. Er muss einen Blog haben, alles miteinander verlinken und die potenziellen Kunden aktiv suchen. Die Autoren kennen ihre Zielgruppe am besten.

Wer sind ihre Hauptkunden?

Dörnemann: Es gibt immer mehr Menschen, die selbst schreiben. Das ist unsere Hauptzielgruppe. Wir drucken auch Ausstellungskataloge für Galerien, Imagebroschüren für Unternehmen und Zahnärzte beispielsweise. Dissertationen sind auch ein interessantes Feld, denn den Doktoranden entstehen für die Veröffentlichung ihres wissenschaftlichen Werks keine zusätzlichen Kosten. Es sind viele weitere Möglichkeiten denkbar: Beispielsweise gemeinfreie Texte als Faksimile.
Thiele: Für viele Kunden ist unsere Plattform der Weg zu einem privaten, schönen Buch. Reiseberichte sind beliebt, auch Kochbücher mit Familienrezepten – beispielsweise zur Hochzeit.
Dörnemann: Verliebte junge Leute lassen ihre Chatprotokolle drucken, andere den E-Mail-Verkehr mit der ersten große Liebe. Das ist doch ein schöner Beweis, dass auch die Internetgeneration gedruckte Bücher schätzt. Das Buch wird noch lange nicht aussterben.
Thiele: Und wir könnten uns sogar vorstellen, dass Buchhändler unseren Service für eigene Kataloge etwa oder Broschüren nutzen können. Oder ob sie unseren Service ihren Kunden anbieten. Da denken wir gerade über Ideen nach, wie das gehen kann.

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