Das Sonntagsgespräch Juergen Boos über das neue Konzept der Frankfurter Buchmesse 2015

Bereits in diesem Jahr hatte sich bei der Hallenaufteilung der Frankfurter Messe einiges verändert. Auch 2015 wird es weitere Neuerungen und ein neues Messekonzept geben.

Die Veränderungen wurden kritisch und besorgt aufgenommen. BuchMarkt hat Juergen Boos gefragt, wie das neue Konzept aussehen soll und warum es nötig geworden ist, etwas zu verändern.

Juergen Boos

In der letzten Ausgabe vom BuchMarkt hatten sich einige deutsche Aussteller besorgt gezeigt, ob denn Ihr neues Messekonzept 2015 und damit auch die neue Struktur der Hallenaufteilung tatsächlich ausreichend durchdacht wurde…

Boos: Es handelt sich tatsächlich um eine der größten Veränderungen, die wir auf der Frankfurter Buchmesse seit über 10 Jahren umsetzen. Und mit diesen Veränderungen strukturieren wir die Messe in einigen Bereichen komplett anders. Das gilt aber vor allem für die internationalen Märkte und nur zu einem kleineren Teil für die deutschsprachigen Hallen.

Wie lang arbeiten Sie schon an dem Konzept?

Wir arbeiten seit über zwei Jahren an diesem Konzept, haben zu Anfang erst einmal grob geplant und dann immer weitere Details herausgearbeitet. Immer wieder haben wir mit Kunden – großen und kleinen – aus aller Welt gesprochen und sie um ihre Meinung und Kritik gebeten.

Was wird sich verändern?

Das Konzept sieht vor, dass die Halle 8 im nächsten Jahr komplett aufgelöst wird und in den vier Ebenen der Halle 6 aufgeht. In der Halle 4.0 entsteht ein weiterer internationaler Bereich mit Asiaten und Ausstellern aus der arabischen Welt. Die deutschen Hallen bleiben weitgehend in ihrer Struktur bestehen. Wir können uns aber vorstellen, dass auch hier bald noch neuer Wunsch nach Veränderung an uns herangetragen wird.
Sie sehen, durchdacht haben wir in den letzten Jahren einiges, aber dass wir laufend erklären und diskutieren müssen, ist uns absolut bewusst.

Wieso stehen diese Veränderungen überhaupt an?

Die Branche verändert sich. Das wissen wir ja alle schon länger. Die Branche verändert sich vor allem im Ausland rasanter als sich das vielleicht aus einer rein deutschen Perspektive vermuten lässt. Entsprechend müssen wir als Frankfurter Buchmesse den Gesamtmarkt im Auge behalten. Es gibt hier drei Ebenen, die wir identifiziert haben.

Wie sehen die aus?

Erstens verschmelzen die Märkte auf internationaler Ebene immer stärker. Beispielsweise wird Asien ein wichtiger Handelspartner. Wenn Sie an die deutschen Kinderbuchbereich denken, da ist in den letzten Jahren ein enormes Interesse zum Beispiel aus China zu erkennen. Gleichzeitig kaufen auch die englischsprachigen Märkte immer mehr Rechte aus Europa ein.
Zweitens wachsen Technologie und Inhalte stärker zusammen. Wir haben große Technologie-Konzerne auf der Messe und kleine Start-ups, Kooperationen und Arbeitsbeziehung funktionieren hervorragend. Hier wollten wir eine neue Nähe zwischen allen Beteiligten herstellen und die Wege zwischen den Geschäftspartnern verkürzen.
Und nicht zuletzt ist für viele unserer Kunden die Ansprache des Lesepublikums neben dem Fachpublikum auch sehr viel wichtiger geworden als noch vor einigen Jahren. Die internationalen Verlage sehen Frankfurt als eine geeignete Bühne für ihre Marketingaktivitäten. Dieses Jahr hatten wir ja wieder viele internationale Autoren zu Gast.

Wie waren die bisherigen Reaktionen der Aussteller, mit denen Sie über die Pläne gesprochen haben?

Die überwältigende Mehrheit unserer Kunden hat unser neues Konzept im übrigen sehr begrüßt, das hat auch diese Buchmesse 2014 gezeigt. Dass die Detailplanung manchmal verzwickt werden kann, wissen wir aus eigener Erfahrung. Gleichzeitig möchte ich auch noch einmal die Chancen der Veränderung betonen: Die Umstrukturierung der Messe ist ja kein Selbstzweck. Wir wollen allen unseren Kunden das neue Potenzial – das ja sehr stark vorhanden ist – besser zugänglich machen.

Wie wirkt sich das neue Hallenlayout ggf auf die Standverteilung in den Hallen drei und vier aus? Müssen sich Aussteller um ihre gewohnten Plätze sorgen?

Es wird einige wenige Veränderungen in diesen Hallen geben. Diese sind aber auf keinen Fall willkürlich geplant, und achten sehr sorgfältig auf eine gute Einbindung unserer Kunden in das gewohnte Marktumfeld und die Nähe zu ihren Kunden. Wie gesagt, wir bauen sehr darauf, dass nach einer ersten verständlichen Schrecksekunde auch die Chancen gut zu erkennen sind.

Wie sieht ihr Konzept für die kommende Buchmesse aus?

Für das neue Konzept haben wir das Bild eine temporären Stadt zugrunde gelegt und entsprechend schauen wir uns an: Welche Quartiere funktionieren, welche brauchen Belebung? Wie garantieren wir eine lebendige Mischung, wie können wir die Mobilität zwischen den einzelnen Segmenten – ob thematisch oder regional sortiert – verbessern? Wie können wir Austausch, Kreativität und Ideen für neues Geschäft unterstützen und fördern? Nicht zuletzt lautete unser Slogan 2014 ja „Welthauptstadt der Ideen“

Nämlich? Wie kommt das neue Konzept einer größeren Mobilität entgegen?

Das neue Konzept trägt also einerseits den veränderten Geschäftsströmen mit einer neuen Hallenaufteilung Rechnung, auf der anderen Seite entwickeln wir schon für diese Buchmesse neue Formate entwickelt, um die Mobilität und damit das Business neu anzukurbeln – zum Beispiel mit vielen Experten-Touren auf der Messe, dem Business-Club mit seinen Möglichkeiten zum Netzwerken. Denn zukünftig sind alle Märkte nur noch fünf Gehminuten voneinander entfernt und es werden auch ganz neue potentielle Geschäftspartner neue „Wege“ über die Messe gehen.

Die Buchmesse als „Stadt“… wie kann man sich das konkret vorstellen?

Temporäre Stadt heißt auch: das Zusammenspiel müssen wir als Messeleitung immer insgesamt betrachten. Und es ist unsere Aufgabe, das auch den Kunden zu vermitteln. Die Branche funktioniert, wenn sich alle als wichtige Elemente eines großen Ganzen betrachten. Wir sind als Buchmesse ja nicht abgekoppelt von der Branche, sondern integraler Bestandteil derselben.

Sie sind überzeugt, dass die Buchmesse durch die Veränderungen sogar „besser“ werden wird?

Wir wissen natürlich, dass Veränderung immer anstrengend ist und dass auch eine Veränderung des Hallenlayouts Mehrarbeit bedeutet – im übrigen für alle Beteiligten. Wir sind aber gleichzeitig davon überzeugt, dass die neue Struktur verbesserte und auch neue Geschäftskontakte mit sich bringen wird. Denn zukünftig sind alle Märkte nur noch fünf Gehminuten voneinander entfernt und es werden auch ganz neue potentielle Geschäftspartner neue „Wege“ über die Messe gehen.
Es gab in den 66 Jahren Frankfurter Buchmesse immer wieder, teils auch deutliche Umstrukturierungen – und jede braucht einige Zeit, bis sie sich etabliert hat und reibungslos funktioniert. Was ja dann doch immer wieder eingetreten ist.

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