Das Sonntagsgespräch Lothar Wekel: Verlagshaus Römerweg will Leser mit schönen Büchern „verzaubern und verführen“

In dieser Woche wurde offiziell, was wir im Mai-Heft schon in „Klatsch & Tratsch“ gemeldet hatten: Mit dem Verlagshaus Römerweg hat Lothar Wekel in Wiesbaden ein „Dach für schöne Bücher“ geschaffen [mehr…], das neben dem marixverlag, der Edition Erdmann, dem alteingesessenen Waldemar Kramer Verlag und der Weimarer Verlagsgesellschaft nun auch den 2010 in Hamburg gegründete Corso Verlag beherbergt.

Dezentral organisiert in mit zahlreichen externen Partnern verwirklicht sich Wekel den Traum von einem „großen Haus für Bücher“. Das war Anlass für Fragen an den mutigen Verleger

Sie starten jetzt mit der Verlagsgruppe Römerweg richtig durch. Woher nehmen Sie den Mut dafür in diesen Zeiten…ist es der richtige Zeitpunkt?

Lothar Wekel

Lothar Wekel: Wissen Sie, ich liebe Bücher, ich sammle sie seit Jahrzehnten, und seit etwa zehn Jahren mache ich auf eigene Rechnung welche, was mir unglaubliche Freude bereitet. Den Gedanken von einem großen Haus für Bücher trage ich schon lange mit mir herum – an ein riesengroßes Gebäude voll mit unzähligen Büchern denke ich oft. Das fände ich wunderbar. Mit dem Verlagshaus Römerweg tue ich einen Schritt in diese Richtung, in die Richtung eines Traums von mir. Auch wenn das Haus des Verlagssitzes wahrlich kein riesengroßes Gebäude ist, so ist aber doch ein Anfang.

Aber die Zeiten sind sehr bewegt, um es vorsichtig auszudrücken…

Für mich ist es der richtige Zeitpunkt, ja. Was ich mit der Gründung des Verlagshauses Römerweg jetzt umsetze, ist ja schon länger durchdacht und geplant. Jetzt habe ich die Strukturen geschaffen und die Menschen gefunden, die ich brauche, um, wie Sie sagen, „durchstarten“ zu können. Und ob der Zeitpunkt etwa in einem halben Jahr ein besserer wäre, dazu kann man nur mutmaßen. Dass wir vom Konzept des Verlags, vom Buch als solchem – vom sorgfältig erarbeiteten, gut gemachten und ansprechend gestalteten Buch – und seiner Zukunft überzeugt sind, das muss ich nicht sagen – andernfalls täten wir nicht, was wir tun.

Es gibt Leute, die diese Sicht nicht teilen.

Ich fühle mich aber nicht allein, andere sehen das ja durchaus ähnlich, auf Verlagsseite wie im Handel: hier und da hört man von der Gründung kleiner, aber mutiger Verlage, von auf Individualität und Qualität ausgerichteten Buchhandelskonzepten. Warum also nicht auch ein Verlagshaus auf die Beine bringen, das bestehende Verlage zusammenführt, das unter seinem Dach versammelt, was sich schon bewährt hat, und die sich daraus ergebenden Vorteile nutzend weiterhin tun, was man mit Leidenschaft tut. Die Verlage in unserem Haus haben allesamt starke Profile und gefestigte Programmlinien, die vom Leser durchaus angenommen werden. Dass man sich darauf nicht ausruhen kann, sondern Entwicklungen so wachsam wie gleichermaßen offen und kritisch begleiten muss, ist klar.

Ihr Konzept lautet „Ein Dach für schöne Bücher“. Das heißt, Sie wollen richtig in Gestaltung investieren?

Wie ich es eben schon einem Nebensatz angedeutet hatte, glauben wir, dass Bücher auch gut umgesetzt sein müssen, wenn sie sich behaupten wollen. Das heißt, sie wollen auch ansprechend und dem Inhalt angemessen gestaltet sein. Die Formate und Ausstattungen, in die wir unsere Inhalte kleiden, reichen von der französischen Broschur bis zur sorgfältig gebundenen Ausgabe, von der Kartonierung bis zur feinen Leinenausstattung, von der textkonzentrierten Aufmachung bis zum opulent ausgestatteten Bildband – je nach Verlag und Titel, je nachdem wie es Inhalt und Ausrichtung eines Titels vorgeben. Mit Rainer Groothuis arbeiten wir mit einem unglaublich erfahrenen Gestalter zusammen, der Wege findet und Ideen umzusetzen versteht. Unabhängig davon, ob es sich nun um beispielsweise einen Kunstband, ein Geschenkbuch oder einen Geschichtsband handelt, machen wir ausschließlich qualitativ hochwertige Bücher, das ist uns sehr wichtig.

Die Qualität eines Buches liegt aber nicht nur in der Ausstattung…

… genau, sie liegt eben auch in seiner inhaltlichen Aufbereitung, in der Art und Weise, wie ein Text sich einem Thema nähert und sich mit ihm auseinandersetzt, in der Gründlichkeit oder auch Kreativität, mit der solche Themen ausgearbeitet werden, in der Sorgfalt, mit der Texte lektoriert wurden, etc. Innerhalb des Verlagshauses Römerweg verlegen wir in erster Linie solche Bücher, das ist unser Anspruch. Bücher, von denen Wissen, Aufklärung und Weltverständnis ebenso ausgehen wie Verzauberung oder Verführung – und damit sind es, im weitesten Sinn und eben nicht nur beschränkt auf ihre Ausstattung, schöne Bücher.

Können Sie die Profile der einzelnen Verlage kurz aufschlüsseln?

Insgesamt bedienen wir mit dem Verlagshaus ein sehr vielfältiges Themenspektrum, innerhalb dessen sich die Profile, aber auch einzelne Programmlinien wunderbar ergänzen und teils gegenseitig fortführen: marix steht nun seit etwas mehr als zehn Jahren für qualitative Publikationen zu Philosophie, Geistes- und Kulturgeschichte und Literatur der Welt. Ein wichtiger Schwerpunkt des Verlagsprogramms ist zum Beispiel die erfolgreiche, 2006 in Kooperation mit der Frankfurter Rundschau begründete, populärwissenschaftliche Reihe „marixwissen“, die sich mit Themen humanistischer Allgemeinbildung befasst. Auch die Weimarer Verlagsgesellschaft bewegt sich in den Bereichen Philosophie und Kulturgeschichte, auch dem der Kunst, betont aber mit dem Fokus auf Bezüge. Das Programm von Waldemar Kramer wiederum konzentriert sich auf die Geschichte und Literatur Frankfurts und Hessens, da reicht die Bandbreite von kulturhistorischen Publikationen bis zur Krimireihe, die wir neu aufbauen; der erste Band „Das dunkle Echo“ erscheint im September. Die Edition Erdmann und Corso dagegen erzählen mit ihren Büchern von den Abenteuern und der Schönheit, die uns in der Ferne erwarten, einerseits mit historischen Reiseberichten, auf der anderen Seite mit literarischen Texten zu Reise und Welterfahrung.

Sie haben ein „schlankes Konzept mit dezentraler Leitung“ entwickelt. Wie genau soll das funktionieren?

Das ist richtig, wir sind dezentral organisiert: Der Sitz der Gesellschaft ist wie auch der ihrer beiden Verlage marix und Edition Erdmann in Wiesbaden, die Geschäfte werden durch mich von hier geführt. Das Programm der Weimarer Verlagsgesellschaft entsteht in Weimar, jenes für Corso zwischen Wiesbaden und Hamburg. Das Waldemar Kramer-Programm wird hauptsächlich von Frankfurt aus gestaltet, wie auch die Veranstaltungen rund um unser Haus. Vertrieb und Marketing wiederum laufen großteils über Alexander Elspas in Augsburg, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Person Natalie Junger über Berlin.

Das hört sich ziemlich kompliziert an.

Das ist es aber nicht.

Warum?
Für mich spielt es weniger eine Rolle, von wo jemand arbeitet, sondern viel mehr: Wer da arbeitet. Aufgabenbereiche und Verantwortlichkeiten sind klar definiert und auf die wunderbaren Menschen und damit eben auch auf verschiedene Orte verteilt. Die Aktivitäten und Ergebnisse, die aus diesen Verantwortlichkeiten resultieren, laufen im Verlagshaus in Wiesbaden zusammen. Trotz der Distanz, die hier und da zwischen uns liegt, arbeiten wir sehr eng zusammen, wo es sich anbietet sogar an der gleichen Sache. Wir alle sind mobil, zudem erlaubt uns die gegenwärtige Technik ja, uns auf verschiedensten Kanälen auszutauschen, dafür muss man heute nicht mehr zwingend am selben Ort sein. Zudem finden regelmäßige Treffen statt, meistens im Römerweg in Wiesbaden, aber auch an anderen Orten, wenn es sich anbietet, in Hamburg oder in Augsburg etwa.

Für Sie ist Dezentralität also etwas Positives?

Ich sehe sie nur als Vorteil. So haben wir Botschafter unseres Hauses, unserer Verlage und Bücher an unterschiedlichen Standorten. Und so letztlich in ganz verschiedenen Städten – und damit auch variierenden Lebenswelten – Menschen mit offenen Augen und Ohren für Themen, Inhalte, Entwicklungen und Bedürfnisse. Das ist doch etwas Großartiges.

Kleinere unabhängige Verlage haben sich in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten oft als wendiger erwiesen als Riesenkonzerne. Wie verträgt sich Ihr Dachmarkenkonzept mit Flexibilität der Verlage?

Das Verlagshaus Römerweg ist ja kein Konzern im eigentlichen Sinne mit extrem ausdifferenzierten Strukturen und langen Wegen der Entscheidungsfindung. Wir agieren und arbeiten flexibel, dass wollen wir uns auch bewahren. Das Verlagshaus fungiert mehr als eine Art bewegliche Klammer um die einzelnen Verlage, die diese in einem bestimmten Anspruch, einer bestimmten Zielsetzung eint. Verbindendes Element aller Marken und Programme ist eben unser Anspruch, mit jedem Verlag im oben beschriebenen Verständnis schöne Bücher zu machen; dieser Anspruch wird unter dem Dach des Verlagshauses verdichtet. Unter dieser Zielsetzung aber sollen die Verlage flexibel bleiben, wir gestalten Aktivitäten und Maßnahmen weiterhin individuell auf den jeweiligen Verlag zugeschnitten.

Oder anders gefragt: Was kann eine zentrale Verlagsgruppe besser als die bisherigen Verlage.

Natürlich lassen sich Prozesse und Aktivitäten besser bündeln, Aufgabenbereiche effizienter wie auch effektiver betreuen, weil sie nun in einer zuständigen Person konzentriert sind, die für ihren Bereich sowohl das Einzelne wie auch das Ganze im Blick hat. Das erhöht, auch für mich, die Übersichtlichkeit, erlaubt strategischeres Handeln und zielgerichtetes Gestalten. Zudem ist es so machbar, die alle Verlage tragende, einheitliche Idee klarer zu formulieren und sichtbarer zu kommunizieren. So gelingt es uns, so glauben wir, uns in der Gesamtheit als ein Haus, als eine Adresse zu präsentieren und zu positionieren, die für hochwertige Bücher zu den oben ausgeführten Schwerpunkten steht und verschiedene, regionale wie universelle Ansprüche aus einer Hand zu bedienen versteht.

Wird es Einzelvorschauen geben oder eine „gebündelte“ Ausgabe?

Unsere Programmvorschauen für den Herbst 2014 sind bereits verschickt und sollten dieser Tage bei den Kollegen im Handel wie auch in den Redaktionen eingetroffen sein. Wir haben darauf gesetzt, die Programme der verschiedenen Verlage in einzelnen Vorschauen zu kommunizieren – die wir aber im „Bündel“ versendet haben. Auch in Zukunft wollen wir so verfahren und Einzelvorschauen anfertigen. Jeder unserer Verlage ist eine eigene und starke Marke, mit spezifischen Inhalten und einer eigenen Sprache, auch visuell. Dem wollen wir auch über die Vorschauen gerecht werden. Durch eine einzige gebündelte Ausgabe würden wir, so empfinde ich es, die Verlage in ihrem individuellen und ihnen gebührenden Auftritt beschneiden.

So ganz konsequent sind Sie dabei aber nicht…

Das stimmt, Sie meiner unser „Haus-Magazin“, das gerade im Entstehen ist. Die erste Ausgabe wird pünktlich zur Frankfurter Buchmesse im Oktober erscheinen. Darin wollen wir ganz unterschiedliche Themen aus dem breiten Spektrum, das sich mit unseren Verlagen bietet, bedienen, wollen Bücher aus allen Verlagen vorstellen, Hintergründe und damit verbundene oder anknüpfende Inhalte aufbereiten und ansprechend präsentieren. Natürlich soll das Magazin Lust auf unsere Bücher machen, genauso aber wollen wir schlichtweg auf anspruchsvolle Art und Weise unterhalten, im besten Fall Horizonte erweitern. Intelligente und ungewöhnliche Themen und Inhalte finden sich in unseren Programmen, ja schönerweise doch so zahlreiche wie verschiedene, die sich auf spannende Weise für ein Magazin umsetzen lassen. Hier halten wir eine „Bündelung“ für unbedingt sinnvoll.

Sie setzen u.a. auch auf externe Dienstleister wie Adrienne Schneider und Alexander Elspas. Wo sehen Sie die Vorteile?

Wichtig ist für mich und für das Verlagshaus Römerweg, dass wir mit Menschen, mit “Persönlichkeiten“ zusammenzuarbeiten, mit denen ich „gut kann“; und die das auch untereinander tun. Ich möchte mir sicher sein können, dass ich mich auf sie, und selbstverständlich auch auf ihre Arbeit und deren Ergebnisse verlassen kann, dass die Zusammenarbeit nicht nur funktioniert, sondern auch inspirierend ist, und vor allem: Freude macht. Wenn ich das Gefühl habe, den besten Mann oder die beste Frau für einen bestimmten Aufgabenbereich gefunden zu haben, spielt es für mich keine große Rolle, ob er oder sie von externer Seite oder in einem Anstellungsverhältnis für mich und mein Haus arbeitet. Unter dem Dach des neuen Verlagshauses arbeite ich mit so fähigen wie tollen Menschen zusammen, das ist ein großes Glück.

Das hört sich euphorisch an.

Ja, das ist es auch. Sie nennen beispielhaft Adrienne Schneider und Alexander Elspas, die ich beide schon lange kenne; wir haben auch in der Vergangenheit ausgezeichnet zusammengearbeitet, pflegen ein Vertrauensverhältnis – das möchte ich mit der Arbeit im Verlagshaus Römerweg fortführen. Beide bringen jahrelange Erfahrung in der Branche mit, sind sehr gut vernetzt, und verfügen über eine unglaubliche Expertise auf ihrem Gebiet: Adrienne im Veranstaltungs- und inzwischen auch Programmbereich, Alexander in Vertrieb und Marketing. Das kann nur gewinnbringend für das Verlagshaus Römerweg und der Sache dienlich sein. Dass sie – wie ja auch andere Kollegen – neben ihrer Tätigkeit für mein Haus zahlreiche andere Projekte verfolgen, das halte ich tatsächlich für befruchtend für unser Tun. Um dies aber doch nochmals zu betonen: Neben aller fachlichen Qualifikation, Versiertheit und Souveränität, ohne die es natürlich nun auch nicht geht, ist mir das Klima der Zusammenarbeit, das „Menschliche“ extrem wichtig.

Die Fragen stellte Ulrich Faure.

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