Reinhard Rohn über seinen Emons - Krimi "Nachtengel von Köln" und seine Arbeit als Verlagsleiter im Aufbau Verlag „Meine Krimis zeigen Aspekte der Wirklichkeit in diesem Land“

Im Vorjahr hatte Reinhard Rohn mit seinem Roman „Die sieben Leben des Anton Busch“  das Krimi – Genre verlassen, jetzt ist er mit einem neuen Kriminalroman „Die Nachtengel von Köln“ (Emons Verlag) wieder auf vertrautes  Gelände zurückgekehrt. Das war Anlass für Fragen an den den Mann, dessenLeben sich sich als Verlagsleiter bei Aufbau seit rund dreißig Jahren auch hauptberuflich um Bücher dreht :

Reinhard Rohn: „Ich glaube, es ist nicht übertrieben zu sagen, dass wir alle gerade in krisenhaften Zeiten sehen, wie wichtig Bücher sind – Romane und Sachbücher, in denen unsere Gegenwart durchleuchtet wird, wie es andere Medien wie TV oder Zeitungen nicht vermögen“ (c) Susanne Schleyer

Zuerst die Standardfrage: Worum geht es in Deinem neuen Roman?

Reinhard Rohn: Meine beiden Kommissare Birte Jessen und Jan Schiller müssen den Mord an einer Frau aufklären, die offenbar aus Rumänien nach Köln gelockt worden ist, warum bleibt zunächst unklar. Gleichzeitig ist es Julika, einer jungen Frau, die man ebenfalls aus Sibiu, dem ehemaligen Hermannstadt, nach Deutschland gebracht hat, gelungen, aus dem Haus zu fliehen, in dem man sie eingesperrt hat. Sie schafft es, bei Therese, einer alten Freundin von Schiller, unterzubekommen, was aber beide erst recht in Gefahr bringt. 

Und die zweite Standardfrage:  Mit welchem Argument ist das aus Deiner Sicht wem am besten zu verkaufen?

An Leser, die auch an aktuellen Fragen der Gesellschaft Interesse zeigen. Mein Nachtengel von Köln ist ein Kriminalroman, der eine andere Seite von Migration zeigt und damit über das Spektrum eines reinen Regionalkrimis hinausweist – die Geschichte einer jungen Frau, die aus niedrigen Motiven von skrupellosen Geschäftsleuten in die Fremde gelockt wird.

Du hast wieder die Form des Kriminalromans für Deine Geschichte gewählt. Mir fällt auf, Deine Kölnkrimis beschreiben schon fast eine Chronik von Köln.

Na ja, zu behaupten ist vielleicht etwas vermessen von Dir. Aber meine Krimis um  Birte Jessen und Jan Schiller zeigen Aspekte der Wirklichkeit in diesem Land – immer mit einem Spannungsbogen, wie es nur ein guter Kriminalroman vermag, und mit einer Vielzahl von verschiedenen Charakteren, wie man sie nur in Städten wie Köln, Hamburg oder Berlin findet. 

Ich spüre Dein Engagement. Was ist denn für Dich mehr Berufung – Autor zu sein oder Verlagsleiter im Aufbau-Verlag?

Berufung ist ein großes Wort. Die Literatur in allen Facetten bedeutet mir sehr viel, ja, sie hat mein Leben geprägt; von den frühen Schreibversuchen, von kleinen journalistischen Arbeiten bis zum Übersetzen, Lektorieren und eigenem Schreiben. All das möchte ich nicht missen, und schreiben werde ich bestimmt immer – egal ob für einen Verlag oder nur für mich, aber besonders wichtig ist mir die Arbeit bei Aufbau. Ich glaube, es ist nicht übertrieben zu sagen, dass wir alle gerade in krisenhaften Zeiten sehen, wie wichtig Bücher sind – Romane und Sachbücher, in denen unsere Gegenwart durchleuchtet wird, wie es andere Medien wie TV oder Zeitungen nicht vermögen.

Hast Du aber einen besonderen Wunsch an den Buchhandel?

Gerade in diesem Jahr der Pandemie hat der deutsche Buchhandel gezeigt, wozu er fähig ist – selbst als die Geschäfte eigentlich geschlossen waren, haben kreative Buchhändler es geschafft, ihre Kunden zu bedienen. Wenn ich mir etwas wünschen würde, dann dass wir es als Branche schaffen, unsere Stärken und unsere Bedeutung noch selbstbewusster zu kommunizieren. Ohne Bücher, ohne Buchhandlungen, ohne Lesungen verarmt dieses Land nicht nur kulturell. Das müssen wir Politikern klarmachen – und daraus leitet sich auch die Forderung ab, dass wir es nicht zulassen dürfen, dass unsere Städte veröden und keine Orte der Begegnung mehr sind.  

Die Fragen stellte Christian von Zittwitz

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