Das Sonntagsgespräch Mit Bernd Gossens über den Bücherbummel auf der Düsseldorfer Kö

Zur Eröffnung schüttete es wie aus Eimern; alte Bücherbummelhasen sagen: Das ist immer so, und es ist nur deshalb so, dass man drüber meckern kann – und dann ist’s auch gut… Seit 24 Jahren gibt es den Düsseldorfer Bücherbummel auf der Kö – die größte Freiluftbuchhandlung zumindest in Europa.

Seit Anfang an ist Bernd Gossens dabei. Er organisiert die Veranstaltung Jahr für Jahr, zeichnet verantwortlich für das stets wachsende Kulturprogramm und die gesamte Logistik im Hintergrund.

buchmarkt.de sprach mit ihm über die Veranstaltung, die im nächsten Jahr ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel hat und – über das Wetter.

buchmarkt.de: Zum 24. Mal findet gerade eben in Düsseldorf der Bücherbummel auf der Kö statt – die größte Freiluft-Buchverkaufsveranstaltung Europas. Wie oft ist das Konzept inzwischen kopiert worden?

Bernd Gossens: Es gab zahlreiche Versuche, den Bücherbummel auf der KÖ auch in anderen Städten zu etablieren. Es ist nicht gelungen, weil man nicht „mit den Büchern auf die Straße ging“ – eingebettet in eine Vielzahl von kulturellen Veranstaltungen. Den aktuellsten Anlauf macht gerade die Stadt Köln, die im September ein Bücherfestival in den Rheinauen aus der Taufe hebt.

buchmarkt.de: Wenn heute Abend der 24. Bücherbummel zu Ende geht: Was schätzen Sie, wieviel Besucher seit Donnerstag auf der Kö waren?

Bernd Gossens: Wenn heute Abend der Bücherbummel auf der autofreien KÖ bei schönstem Wetter seine Pforten schließt, werden über 420.000 Besucher aus allen Teilen Deutschlands zu Besuch gewesen sein.

buchmarkt.de: So eine Großveranstaltung stemmt man nicht allein: Wer sind Ihre Partner?

Bernd Gossens: Nach wie vor ist der Bücherbummel eine private Initiative des Düsseldorfer Buchhandels. Die veranstaltende Arbeitsgemeinschaft ist ein eingespieltes Team – unterstützt von Sponsoren aus der Wirtschaft und natürlich von der Stadt Düsseldorf.

buchmarkt.de: Gibt es eine Übersicht, wie viel Besucher insgesamt seit 1985 beim Bücherbummel waren?

Bernd Gossens: Zum 20-jährigen Jubiläum erschien eine Chronik, in der alle Besucherzahlen fortgeschrieben sind; bis heute waren es wohl über 7 Millionen Besucher.

buchmarkt.de: Wenn man sich die Angebote so ansieht: ein Großteil ist das, was der Buchhändler Ramsch nennt. Wie verträgt sich das mit den „Neubuch“-Angeboten von Verlagen und Buchhandlungen, die ja erheblich teurer sind?

Bernd Gossens: Der buchhändlerische Arbeitsbegriff „Ramsch“ bedeutet ja nicht, dass es sich um Bücher schlechten Inhalts handelt. Na klar kommen die Besucher seit Jahren auf die KÖ besonders, um „Schnäppchen“ zu finden und sich aber gleichzeitig über die aktuellen Buchthemen zu informieren. So bieten wir beispielsweise in diesem Jahr an unserem Stand Bücher zum Thema „60 Jahre Bundesrepublik und 20 Jahre Mauerfall“ an. Dieses Thema wird dann auch bei der Nacht der Poeten in der KÖ Galerie aufgegriffen. Dabei sind die Kunden bereit, auch den Normalpreis zu zahlen: es kommt eben auf die richtige Mischung an. Bei den Antiquaren sieht es etwas anders aus. Gab es früher am ersten Tag einen wahren Ansturm auf die Kostbarkeiten, finden diese heute eher über das Internet einen Käufer. Zumal die bibliophilen Bücher im Freien auf der KÖ besonders unter nassem Wetter leiden…

buchmarkt.de: Inzwischen ist das Kulturprogramm rund um den Bücherbummel so angewachsen, dass Sie erstmals eine 36seitige Broschüre herausgegeben haben. Wollen Sie „Leipzig liest“ oder der lit.Cologne Konkurrenz machen?

Bernd Gossens: Den genannten Veranstaltungen können wir keine Konkurrenz machen, weil uns der finanzielle Rahmen und die entsprechenden Partner nicht zur Verfügung stehen. Auch werden dort nicht, wie beim Bücherbummel, in erster Linie Bücher verkauft. Qualität und Vielzahl der Lesungen und Veranstaltungen sind schon beeindruckend – wenn wir dem Publikum davon einen Teil auch beim Bücherbummel bieten können, sind wir zufrieden. In diesem Jahr gab es immerhin über 80 kulturelle Veranstaltungen.

buchmarkt.de: Neu ist in diesem Jahr ein Kinderzelt. Wie ist es angenommen worden?

Bernd Gossens: Von Beginn an war das Kinderlesezelt über den gesamten Tag proppevoll. Viele Kooperationspartner haben sich engagiert und trugen zu einer fröhlichen Leseatmosphäre bei. Unsere Aktion, die größte und längste Raupe Deutschlands zu basteln, hat bei den Kindergärten großen Anklang gefunden.

buchmarkt.de: Die Idee zum Bücherbummel stammt ja vom Landesverband NRW, schon beim zweiten Bücherbummel 1986 aber übernahmen die Verlage und Buchhandlungen als Düsseldorf die Regie. Seit wann sind Sie dabei?

Bernd Gossens: In der Tat gab es den ersten Bücherbummel 1985 zu den Buchhändlertagen in Düsseldorf und wurde in Zusammenarbeit mit Klaus Lehmann vom Kulturamt und dem Düsseldorfer Buchhandel entwickelt; wir sind vom ersten Tag an dabei.

buchmarkt.de: Nächstes Jahr feiert der Bücherbummel das 25. Was wird es da Besonderes geben?

Bernd Gossens: Düsseldorf hat ja eine Tradition als Literaturstadt: hier fanden bedeutende regionale und überregionale Autorentreffen statt, hatten Litfaßliteratur, Literaturtelefon und Literaturbüro und eben auch der Bücherbummel ihren Ausgang. Da wird das 25. Jubiläum sicher groß gefeiert; ein historisches Spiegelzeit auf der KÖ aufgebaut , in dem eine Woche lang täglich Programm stattfinden. Mit städtischer Unterstützung und in Zusammenarbeit mit den Düsseldorfer Kulturinstituten wollen wir den Bücherbummel zu einer „Literarischen Woche“ in der Landeshauptstadt entwickeln.

buchmarkt.de: Man sagt der Bücherbummel eine gewisse Affinität zu Regenwetter nach. Ist das nur gefühlt, oder lässt sich das belegen bzw. entkräften?

Bernd Gossens: Das hat mit dem Charme einer Freiluftveranstaltung zu tun… Seit einigen Jahren findet der Bücherbummel immer in der zweiten Juni-Woche statt – vorher waren es wechselnde Termine aber immer gab es auch kräftigen Regen; es schadete dem Besucheransturm weniger, als den Büchern.

Die Fragen stellte Ulrich Faure.

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