Das Sonntagsgespräch Paul Pietsch über seine 100 Jahre

Am 20. Juni wird Paul Pietsch 100 Jahre alt. Das ist Anlass für ein Gespräch mit dem Ausnahme-Verleger über die Anfänge und ersten Erfolge seines Verlags.

Das komplette Gespräch mit Paul Pietsch und seiner Tochter Dr. Patricia Scholten finden Sie im aktuellen BuchMarkt (06/2011, S.78-79).

Herr Pietsch, wie kam es eigentlich zur Gründung der heutigen Motor Presse Stuttgart?

1945, kurz nach dem Krieg, saßen Ernst Troeltsch, Joseph Hummel und ich auf den Trümmerbergen in Freiburg. Wir drei wollten wieder Rennen fahren und überlegten, wie wir unsere Leidenschaft finanzieren könnten. Dazu mussten wir etwas verkaufen. Für mich war klar: Ich konnte mein Know-how zum Thema Motorsport verkaufen. Wir fassten also schnell den Plan, eine Autozeitschrift zu gründen. Leider war es zur damaligen Zeit nicht so einfach, ein solches Vorhaben zu realisieren. (…) Doch wir waren hartnäckig. Wenn
ich zum Vordereingang hinausgeschickt wurde, bin ich zum Hintereingang wieder reingegangen. Mit Erfolg, denn im Sommer 1946 konnten wir die Nullnummer von „Das Auto“ präsentieren. Die kurz darauf erschienene Erstausgabe war mit 30.000 Exemplaren im Nu ausverkauft.

Wann haben Sie sich entschieden, auch noch Bücher zu produzieren?

Der Erfolg der Zeitschriften hat uns darin bestätigt, dass unsere Themen
auf großes Interesse stoßen. Also war es fast selbstverständlich, das Informationsbedürfnis auch mit Büchern zu unterstützen. Die ersten Buchprojekte erschienen bereits in der Motor Presse, als Motor Presse Buch. Die Nachfrage nach diesen Büchern war so groß, dass ich mich 1962 entschied, das „Buch- und Verlagshaus Paul Pietsch GmbH & Co. KG“ zu gründen. Wir starteten mit der Erfolgs-Reihe „Jetzt helfe ich mir selbst“, die bis heute weit über 15 Millionen Mal verkauft wurde. So wurde auch der Buchverlag schnell Marktführer im Bereich der Automobil- und Motorradliteratur.

Autos und Mobilität sind immer das Herzstück Ihrer Verlagstätigkeit geblieben; erst später kamen ergänzend aktive Freizeit und Lifestyle hinzu. Wie erklären Sie sich den Erfolg der Motor Presse Stuttgart?

Obwohl nach wie vor sowohl im Zeitschriften- als auch im Buchverlag die Themen rund um Autos und Mobilität das Herzstück sind, entwickeln sich die Segmente Sport und Freizeit sehr positiv. Ein Erfolgsrezept kann ich Ihnen allerdings nicht geben. In meiner verlegerischen Tätigkeit habe ich einfach immer das getan, von dem ich überzeugt war und glaubte, dass es das Richtige ist.

Welche Weichenstellungen waren aus Ihrer Rückschau für den Erfolg der Verlagsgruppe in der Vergangenheit maßgeblich verantwortlich und was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Das kann ich so nicht beantworten. Erfolg ist ein kontinuierlicher Prozess, der aus vielen, auch unzähligen kleinen Weichenstellungen resultiert. Im richtigen Moment das Richtige zu tun, erfordert neben dem hartnäckigen Verfolgen seiner Ziele auch die Freude an dem, was man tut und natürlich immer das notwendige Quäntchen Glück.
Wichtig sind dabei vor allem die Menschen, die einen – privat und beruflich – begleiten. Ohne ihr Engagement, ihr Verständnis, ihre Aktivität kann man noch so viele Weichen stellen, der Zug wird nicht in die richtige Richtung fahren. In diesem Sinne wünsche ich mir und den Verlagen für die Zukunft weiterhin gute Fahrt.

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