Peter Illmann über sein Buch "Kult war nicht geplant" (Charles Verlag) „Im Buch gibt es reihenweise tolle Fotos von damals und jede Menge skurriler Begebenheiten“

Peter Illmann will in seinem Buch Kult war nicht geplant (Charles Verlag/Bedey & Thoms Media) nicht nur Autobiographisches verarbeiten, sondern präsentiert auch bis dato unbekannte Geschichten aus der Medienwelt der 80er – inklusive Anekdoten aus der Prominentenszene. Anlass für Fragen:

Peter Illmann: „Vieles ist anders geworden seither und manch einer fragt sich: ‚Wo ist die Zeit geblieben?‘ Als einer, der seit Jahrzehnten in der Medienwelt arbeitet, war ich gezwungenermaßen immer am Puls der Zeit und habe diesen Wechsel sehr intensiv erlebt.“ (c) Harry Stahl

BuchMarkt: Herr Illmann, unseren Leserinnen und Lesern, die in den 1980ern erwachsen geworden sind, dürfte das Herz dabei höherschlagen, von Ihnen zu lesen. Den Jüngeren müssten Sie sich vielleicht erst einmal vorstellen. Könnten Sie uns bitte ein paar Worte zu sich erzählen?

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Peter Illmann: Gern! Ich heiße Peter Illmann und arbeite bei WDR 4 und beim Sender 80s80s, wo ich u.a. eine eigene Morgensendung habe. Noch bevor es MTV, VIVA oder YouTube gab, war ich Moderator der ersten Videoclip-Musiksendung im deutschen Fernsehen: „Formel Eins“. Meine Karriere begann beim Radio als einer der Nachfolger von Thomas Gottschalk mit „Pop nach 8“ im Bayerischen Rundfunk. Es folgten meine eigenen Sendungen im ZDF wie „P.I.T.“ (Peter Illmann Treff), und „Peters Popshow“. Ich war in der ganzen Welt unterwegs und durfte die ganz Großen ihrer Zeit treffen und sie kamen erfreulicherweise auch zu mir. Michael Jackson, Madonna, Depeche Mode, Kylie Minogue …

Da gibt es sicherlich einiges, das Sie aus dem Nähkästchen erzählen können.

Absolut. Zu dem Buch ist es überhaupt erst gekommen, weil einige Leute zu mir meinten: „Mensch, Peter, du hast doch so viele spannende Dinge erlebt, schreibe die doch mal auf.“ Das habe ich dann auch gemacht. Ich nehme an, Sie möchten eine Kostprobe? Eine Geschichte, die meiner Lektorin sehr gut gefallen hat, ist die, wie Hans Wilhelm Müller-Wohlfahrt mein Bein flicken musste wegen Jennifer Rush. Bei einem ihrer Live-Auftritte direkt nach Erasure glitt die Sängerin in ihren High-Heels auf dem Boden aus, der vor lauter Trockeneisnebel ganz feucht war. Als ich sie auffangen wollte, trat sie mir im Fallen so heftig gegen das Bein, dass ich noch tags darauf von einem Arzt behandelt werden musste – Hans Wilhelm Müller-Wohlfahrt, dem legendären Teamarzt des FC Bayern München.

Also dürfen wir uns in „Kult war nicht geplant“ nicht nur auf eine einzigartige Biographie und ein Stück Zeitgeschichte, sondern auch auf spannende Anekdoten freuen?

Ja, auf jeden Fall! Ich warte in meinem Buch mit einigen noch unbekannten Geschichten aus der Medienwelt auf. Es gibt reihenweise tolle Fotos von damals und jede Menge skurriler Begebenheiten. Andererseits lag es mir aber auch am Herzen, mich mit den gesellschaftlichen, sozialen, politischen und technischen Entwicklungen der damaligen Zeit und von heute auseinanderzusetzen. Die 80er waren ja das Jahrzehnt der Playboys, Popper und Punks, das Jahrzehnt der unverhofften Wiedervereinigung, das letzte Jahrzehnt ohne Internet und eine völlig globalisierte Welt. Vieles ist anders geworden seither und manch einer fragt sich: „Wo ist die Zeit geblieben?“ Als einer, der seit Jahrzehnten in der Medienwelt arbeitet, war ich gezwungenermaßen immer am Puls der Zeit und habe diesen Wechsel sehr intensiv erlebt.

Wie sehen Sie das denn, waren die 1980er eine bessere Zeit?

Nicht besser, anders. Heute gibt es vielleicht durch das Internet und die Globalisierung mehr Möglichkeiten und ein Stück weit mehr Freiheiten. Die Zeit heute erscheint vielen aber, denke ich, auch gehetzter. Mobilität, Flexibilität und Erreichbarkeit rund um die Uhr werden heute vorausgesetzt, da ist es gut zu verstehen, dass die Menschen nostalgisch werden.

Wo wir gerade beim Thema gesellschaftlicher Wandel und Generationenunterschiede sind. Welche Leserschaft wollen Sie mit dem Buch ansprechen? Welche Reaktionen erhoffen Sie sich?

Natürlich hoffe ich darauf, mit meinem Buch die alten Formel-Eins-Fans ansprechen und ihnen einige schöne Lesestunden bereiten zu können. In meiner jetzigen Arbeit bei 80s80s und meinen anderen Projekten stelle ich immer wieder fest, dass auch die jungen Menschen großen Gefallen an den 1980ern haben. Der Sound und Stil von damals scheint zu gefallen. Dass Acts wie The Weeknd, Sophie and the Giants und Roosevelt derzeit so durchstarten, kommt ja nicht von ungefähr.

Nostalgie, einen beeindruckenden Lebensweg und spannende Anekdoten haben wir. Mit welchen Argumenten kann ein Buchhändler Ihr Buch noch verkaufen?

„Kult war nicht geplant“ ist ein tolles Geschenkebuch zu Weihnachten! Fans meiner Shows von damals freuen sich vielleicht über ein Buch von mir unterm Baum. Und auch so sind die 80er ja, wie wir sagten, heute wieder voll im Trend. Jüngeren Lesern kann ich die Welt von früher vielleicht etwas näher bringen, ihnen aufzeigen, wie sich unser Leben geändert hat.

Lesen Sie gern? Und wenn ja, was?

Ich lese sogar sehr gern! Kein anderes Medium kann meine Phantasie so beflügeln wie ein Buch. Nach Stunden am Computer oder Smartphone ist es für mich zudem auch ein haptisches Erlebnis, ein „echtes“ Buch in der Hand zu halten. Empfehlen kann ich „Auf Erden sind wir kurz grandios“ von Ocean Vuong. Das Buch ist prägnant, direkt und doch gefühlvoll. „Die Sparesholt Affäre“ von Alan Hollinghurst ist für mich ein Stück englische Geschichte und ein absolutes Muss. Außerdem liebe ich „Der Mönch“ von Simon Taylor, „Find me“ von André Aciman und „Das Institut“ von Stephen King. Manchmal braucht es ein wenig Spannung zum Abschalten.

Zum Schluss noch eine Frage zu Ihrem Titel. Ihr Buch heißt ja „Kult war nicht geplant“. Wurde ihnen das Moderieren denn nicht in die Wiege gelegt?

(Lacht) Das ist eine spannende Frage. In meinem Buch beschreibe ich eine Szene, in der ich als Kind bei Geburtstagen und Familienfeierlichkeiten den Quizmaster gegeben und die ganze Familie unterhalten habe. Wenn Sie das gelten lassen, kann man also schon sagen, dass meine Karriere in der Kinderstube begann. Meine TV-Show „Formel Eins“ ist heute Kult und wurde bis in die 2000er-Jahre immer wieder mit mir neu aufgelegt. Wenn wir diesen Erfolg damals geahnt hätten, wären wir sicherlich nicht so unbefangen an die Sendung herangegangen. Das erklärt ein wenig den Titel des Buches.

Dass meine Karriere aber als Thomas Gottschalks Nachfolger begann, ist wieder eine andere Geschichte, man könnte fast sagen, eine glückliche Fügung.

Jetzt bin ich neugierig.

Eines schönen Nachmittages im Januar 1980 dachte ich mir, dass ich dem Rat meiner Freunde folgen und etwas aus meiner Stimme machen sollte. An eine Gesangskarriere verschwendete ich nicht viele Gedanken, da war ich ganz realistisch, aber ich dachte mir: „sprechen kann ich“. Also machte ich mich auf zum Bayerischen Rundfunk und konfrontierte den verdutzten Portier mit meinem Wunsch, beim Radio arbeiten zu wollen. Überraschenderweise wurde ich gleich zum Chefsprecher des BR vorgelassen. Ihm gefiel meine Stimme wohl ganz gut und er empfahl mich den zuständigen Redakteuren. Schon nach kurzer Zeit war ich einer der Nachfolger von Thomas Gottschalk in der Sendung „Pop nach 8“.

 

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