Das Autorengespräch Peter Prange: „Es ist das persönlichste Buch, das ich je geschrieben habe – der Roman meines Lebens“

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Peter Prange

Immer freitags hier ein Autorengespräch: Am 13. Oktober kommt bei FISCHER Scherz ein Roman heraus, den der Verlag als „großen Deutschland-Roman“ ankündigt: Unsere wunderbaren Jahre von Peter Prange. Dies war Anlass für Fragen an den Autor.

Nach seinem Durchbruch als Romanautor mit Das Bernstein-Amulett (für die ARD als Zweiteiler verfilmt) folgte die Weltenbauer-Trilogie: Die Principessa, Die Philosophin und Die Rebellin, die alle monatelang auf der Bestsellerliste standen. 2007 erschien sein Bestseller Der letzte Harem, 2009 sein großes Renaissance-Epos Die Gottessucherin. Auch im Ausland hat Peter Prange sich einen Namen gemacht. Übersetzt in 24 Sprachen, haben seine Bücher inzwischen eine internationale Gesamtauflage von über 2,5 Mio. Exemplaren erreicht.

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BuchMarkt: Worum geht es in Ihrem neuen Roman?

Peter Prange: Es geht um die alte biblische Frage: Was hast du gemacht mit Deinen Talenten? Doch anders als in der Bibel spielt die Geschichte nicht in grauer Vorzeit, sondern im Deutschland der Jahre von 1948 bis 2002. Sechs junge Menschen, drei Schwestern und drei Freunde, bekommen bei der Währungsreform 1948 die berühmten 40 Mark „Kopfgeld“, und damit fängt nach Krieg und Zusammenbruch für sie alle ein neues Leben an. Ihre mit-und ineinander verflochtenen Schicksale erzähle ich bis zur Einführung des Euro im Jahr 2002, also bis ins hohe Alter meiner Protagonisten.

Wenn Sie die Geschichte in einem Satz zusammenfassen sollten, mit dem der Buchhändler Ihren Roman den Lesern schmackhaft machen können – wie würde dieser Satz lauten?

Die Geschichte der Bundesrepublik vom ersten bis zum letzten Tag der D-Mark, in einer großen Familien-, Liebes- und Freundschaftsgeschichte.

Sie stehen bei Buchhändlern und Lesern für den historischen Roman, mit großen Erfolgen. Ist das nun eine ganz neue Entwicklung in Ihrem Schreiben?

Nein. Ich kehre ja nur in die Zeit wieder zurück, in der schon mein erster Roman spielte, „Das Bernstein-Amulett“, die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, in der gleichsam die Ursuppe angerührt wurde, aus der wir alle stammen. Diese Zeit, in der wir wurden, was wir sind, hat mich von frühester Kindheit an beschäftigt und wird mich vermutlich bis ans Ende meiner Tage beschäftigen. Die Geschichte der Bundesrepublik mit all ihren Mythen: vom Wirtschaftswunder über die deutsche Zweistaatlichkeit und deren Überwindung bis hinein ins neue Jahrtausend, mitten im Herzen Europas.

Was war der Auslöser für diesen Roman?

Die Idee entstand, als ich zum ersten Mal an einer Ladenkasse in Euro zahlte. Damals dachte ich an den anderen Moment in deutschen Geschichte, als es auch neues Geld gab, bei der Währungsreform 1948. Ich fragte mich: Was haben die Menschen im Verlauf ihres Lebens aus diesem Geld gemacht? Und was machte das Geld aus ihnen – und aus diesem Land? Das war zunächst nur eine abstrakte Idee, ohne eine Vorstellung davon, wo sie spielen oder wer sie verkörpern könnte. Konkrete Gestalt nahm sie dann an, als ich vor drei Jahren, nach dem Tod meiner Mutter, die Liebesbriefe meiner Eltern aus der Nachkriegszeit las. Darin wimmelte es nur so vom Schicksal und von Schicksalen. Und als ich mich daran erinnerte, dass in meiner Heimatstadt Altena, einer kleinen, dreckigen Industriestadt am Rande des Ruhrgebiets, die Rohlinge der D-Mark produziert worden waren, stand die Entscheidung fest: Dort und nirgendwo anders musste mein Roman spielen.

Also ist Unsere wunderbaren Jahre auch ein persönlicher Roman?

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Der persönlichste Roman, den ich je geschrieben habe, und vermutlich auch je geschrieben haben werde – buchstäblich der Roman meines Lebens. Obwohl die Geschichte fiktiv ist, ist jede Szene, jeder Handlungsstrang durchtränkt und beglaubigt vom wirklichen Leben. Alle Figuren sind mir so nah wie persönliche Freunde und Verwandte. Sogar ich selbst komme im Romangeschehen vor, in einer kleinen Nebenrolle, als Teil der Kifferszene in den 70er Jahren.

Sie haben in Ihrer Jugend gekifft?

Im Vorwort behaupte ich, auch das sei Fiktion.

Der Roman hat den Untertitel Ein deutsches Märchen. Warum?

Weil sich am Anfang alles so fügt wie in einem Märchen. Kaum gab es das neue Geld brach das Wirtschaftswunder aus. Plötzlich gab es wieder was zu essen, zu kaufen, die Menschen konnten wieder hoffen und träumen. Doch die Vergangenheit kann man vielleicht vergessen, aber nicht leugnen, zumindest nicht auf Dauer, sie tritt immer wieder zutage, dringt durch den falschen Schein. Und die scheinbare Wirklichkeit entpuppt sich so in einem zweiten Sinn als Märchen.

Wenn Sie, wie im Märchen, einen Wunsch frei hätten: wie würde der lauten?

Dann würde ich mir wünschen, dass möglichst viele Leserinnen und Leser mit mir auf diese Zeitreise gehen, um zusammen mit mir „Unsere wunderbaren Jahre“ aufs Neue zu erleben. Aber damit dieses Märchen in Erfüllung geht, bedarf es wahrscheinlich einer guten Fee.

Wer könnte diese gute Fee sein?

Der Buchhandel?

Die Fragen stellte Franziska Altepost. 

In der vergangenen Woche sprachen wir mit Gisa Klönne über die Toten, die dich suchen (Piper).

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