02.08.2007: Ole Schultheis (60)

Ole Schultheis

Ole Schultheis wird heute 60 Jahre alt.

Der Starnberger Buchhändler, der bei Lehmkuhl in München gelernt hat, führt gemeinsam mit seiner Frau die Bücherjolle, die er vor rund zehn Jahren von Lothar Gnoth gekauft hat, was seinem Leben eine entscheidende Wendung gegeben hat. Er selbst sagt: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal Buchhändler mit Leib und Seele werden würde.“

Die beiden haben die bereits damals am Ort etablierte „Jolle“, wie sie von den Starnbergern genannt wird, zu einer kulturellen Institution gemacht, die einen erstklassigen Ruf genießt. Mit Folgen: Neben der „normalen“ Kundenberatung, muss er in den letzten Jahren immer häufiger sogar Fachfragen (Verlagsvertragsberatung, herstellerische Fragen zu Manuskripten, Manuskriptbegutachtungen, Vertriebsfragen etc.) beantworten – es hat sich wohl herumgesprochen, dass Schultheis vorher das dtv junior-Programm geleitet hatte und danach Programm-Geschäftsführer bei Thienemann war. Aber er lacht: „Bald nehme ich Beratungshonorar“.

Er sieht übrigens Parallelen im Verhältnis Buchhändler/Kunde zu Lektor/Autor: In „beiden Fällen ergibt sich die freundschaftliche Beziehung über die Literatur, die gemeinsame Wellenlänge für die ausgewählten Bücher und die sich daraus ergebende Abhängigkeit im positiven Sinne“. Das sei Elixier und Befriedigung auf beiden Seiten. Und auch der soziale/politische Einfluss durch die buchhändlerische Tätigkeit auf das Leben einer Kleinstadt sei enorm.

Dort in Starnberg hat Schultheis auch das jetzt funktionierende Stadtmarketing aufgebaut und mit engagierten Kollegen all die Jahre erfolgreich betrieben. Aber „jetzt müssen die Jüngeren ran“ sagt der Mann, der heute 60 Jahre alt wird und neben dem Theater und der Literatur (Schauspielschule und Studententheater) noch eine große Liebe hatte:

Seine Leidenschaft war schon immer das Schreiben. Mangelnde Zeit ließen allerdings nur Bilderbuchtexte bei ars edition, Kasperle-Stücke bei dtv junior und Kindergedichte für den Bayerischen Rundfunk zu. Und manche seiner Texte finden sich sogar in Schulbüchern wieder. Wie übrigens auch Bilderbuchtexte seiner Frau Ulrike, deren Bilderbuch-Texte in Russland zum Deutschunterricht genutzt werden, was sie dort fast so bekannt gemacht hat wie Otfried Preußler.

Ole Schultheis sagt, er wäre „nichts“ ohne sie: Sie gehe mit ihm seit 34 Jahren „durch dick und dünn“ und trage mit ihrer Spezialisierung auf das Kinderbuch wesentlich zum Erfolg der Bücherjolle bei. Die beiden haben sich übrigens schon in der Lehre bei Lehmkuhl kennen gelernt, „gefunkt“ hat es beim gemeinsamen Theaterspielen. Und das hat sich wohl auf die beiden Töchter übertragen: Julia ist am Münchner Residenztheater als Bühnenbildassistentin, Sophia studiert Germanistik und Theaterwissenschaften und steckt mitten in der Magisterarbeit.

Geprägt hat ihn sichtlich die fast 20jährige Zusammenarbeit mit seinen Schwiegereltern; diese beruflich/private Konstellation war für seine Entwicklung entscheidend. Und das daraus entstandene Netzwerk aus Beruf, Privatem und Ehrenamt hat zu Freundschaften geführt, die ihm auch die Kraft gegeben haben, auch „schwierige Zeiten leichter werden zu lassen“ – etwa das BAG-Desaster mit seinen Folgen, das ihm noch „mächtig in den Knochen steckt“ und ihm zum Rücktritt aus dem Amt als stellvertretender Vorsteher des Börsenvereins veranlasst haben.

Trotzdem war erster Gratulant zum heutigen Geburtstag unser Börsenvereinsvorsteher Dr. Gottfred Honnefelder – was zeigt, dass bei allen Sachdifferenzen auch ihm die Freundschaft und das über Jahre gewachsene Vetrauen zu Ole Schultheis wichtiger als divergierende Ansichten in der Sache sind. Dass das aber auch an Ole Schultheis liegt, das zeigt sein Text über ihn im aktuellen BuchMarkt-Heft 8/07.

Kontakt: info@buecherjolle.de

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