28.1.2006: Dr. Frank-Lothar Hinz (65)

Dr. Frank-Lothar Hinz

Dr. Frank-Lothar Hinz wird heute 65 Jahre alt. Der Cheflektor bei Naumann & Göbel ist seit 30 Jahren in pausenlosem beruflichen Einsatz. Nach Westermann und Econ kam Hinz nach Köln und brachte u.a. die „Chronik des 20. Jahrhunderts“ auf ihren Weg, die wegen sieben Millionen verkaufter Exemplare viele Imitationen nach sich zog.

Was der promovierte Technikhistoriker sonst noch reizvoll findet, erfahren Sie in einem ausführlichen PROFIL im aktuellen BuchMarkt-Heft.

Hier noch (exklusiv für BuchMarkt-Online Leser) ein erhellender Beitrag von Vemag-Vorstandsmitglied Dr. Holger Schneider aus einer fröhlichen Festschrift, die seine Kollegen für Dr. Hinz gemacht haben:

Petitessen? Eines der Lieblingsworte des Jubilars. Eines meiner Lieblingsworte aus seinem Mund. Nicht dass ein wie zufällig gestreutes „Heloten“, ein kochbuchbegleitendes „köstlich“, ein antreibendes „dschingiskhanmäßig“ oder auch ein kräftig dargebotenes „Scheiße“ ebenfalls einen eigenen Charme entfalten würde, aber es sind dann halt doch die Petitessen.

Und die Bücher?
Alles in allem, es war nicht viel?
Petitessen?

Doch, es war viel. Sehr viel sogar. Und nein, es waren keine Kleinigkeiten. Doch für jemanden, der allein in seiner fünfzehnjährigen Zeit bei NGV rund 3.000 Titel gemacht hat, erscheint manches vielleicht kleiner als anderen. Wer gezeigt hat, dass er kompetent in fast alle Bereiche unseres Daseins vordringen kann, darf sich die Souveränität leisten, selbst die Grenze zwischen viel und wenig, zwischen groß und klein zu ziehen.

Hinz, die Buchmaschine, ist wahrscheinlich der mit Abstand erfolgreichste Volks-Buchmacher in Deutschland. Für Blitzrezepte und Autoatlanten bekommt man keinen Preis, keine Aufmerksamkeit in der Branche, noch nicht einmal die Anerkennung der Kollegen Verleger. Na und? Ein Hinz hat es nicht nötig, sich im eigenen Ruhm zu sonnen. Als einer der Garanten für den wirtschaftlichen Erfolg eines Verlages, der Millionen von Menschen mit Büchern beglückt hat, steht er über dem Habitus diffuser Eitelkeiten.

Hinz, der promovierte Historiker, hat sich mit Freude in die Niederungen der Volksnähe begeben. Schlicht und ergreifend. Form follows function. Wenn die Chance besteht, mit Büchern möglichst viele Menschen aller Bevölkerungsschichten und Bildungsstufen zu erreichen, dann nutzt man sie. Hinz, der Mann mit einer Allgemeinbildung so breit wie die Milchstraße, missbraucht sie nicht, um sich zu profilieren. Er stellt sie in den Dienst der Sache und macht Bücher von Angeln bis Zigarren.

Es ist so einfach und doch so schwierig: den Intellekt nicht in den Vordergrund zu stellen, ihn nicht schriftlich dokumentieren zu wollen, sondern sich auf das Notwendige zu besinnen. Man braucht schon eine gewisse Größe, um von Einzellern zu lernen. So wie die Amöbe ihre Nahrung umfließt, so umzingelt Hinz jedes (jedes!) Thema, beschnuppert es, versteht es und macht es.

Das ist es: machen. Hinz macht. Er fackelt nicht lange. Mag sein, dass ihm Themen nicht passen, Gerichte nicht schmecken und er sich selbst „seine“ Bücher nicht ins Regal stellen würde. Er macht sie aber, weil er vom Erfolg überzeugt ist. Und sie sind gut, die Bücher. Schlicht und einfach gut. Keine Denkmäler dauerhafter als Erz. Aber kleine Pflastersteine in der Fußgängerzone des Erfolges.

Ich fürchte mich bereits heute vor der (leider schon Gewissheit gewordenen) Erkenntnis, dass es nahezu unmöglich werden wird, ihn einmal zu ersetzen. Einen Glücksfall wie ihn sucht man selbst im entferntesten Heuhaufen vergeblich. Ich wünsche uns deshalb noch möglichst lange gemeinsame Jahre mit diesem donnernden Volksflüsterer, dem unprätentiösen Bildungswunder, dem eiligen Macher, dem väterlichen Unterstützer, dem Bollwerk gegen die Dummheit.

65 Jahre sind übrigens keine Kleinigkeit. Sondern eine Leistung. Eine weitere starke Leistung eines starken Mannes, der bei all den Büchern über die Wunder der Welt selbst zu einem geworden ist. Eins noch: Nur wer die Form beherrscht, darf sie vernachlässigen. Deshalb verzeihen wir ihm auch seinen größten Fehler, den Wohnort Düsseldorf….

Herzlichen Glückwunsch, Herr Doktor!

Ihr Holger Schneider

Kontakt: knappertz@vemag-medien.de

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