4.8.2004: Dr. Hans-Martin Schmidt (75)

Dr. Hans-Martin Schmidt

Am 4. August wird Dr. jur. Hans Martin Schmidt, Altverleger des juristischen Fachverlags Dr. Otto Schmidt, 75 Jahre. Der Enkel des Verlagsgründers Dr. Otto Schmidt trat mit 28 Jahren nach dem Studium der Rechtswissenschaft in Mainz, Freiburg und Köln als Lektor und später Prokurist in den Verlag ein. Durch seine Promotion am damals einzigen steuerrechtlichen Lehrstuhl von Prof. Dr. Spitaler und der Tätigkeit in der Rechtsanwaltskanzlei Carl Herrmann, einem Mitautor des EStG-Kommentars Herrmann/Heuer/Raupach, sowie einem Volontariat in Verlag und Buchhandel hatte er sich auf seine verlegerische Tätigkeit vorbereitet.

1971 wird Hans Martin Schmidt persönlich haftender Gesellschafter. Zwei Jahre später, nach dem Ausscheiden des Geschäftsführers Dr. Helmut Simons, wird er alleiniger geschäftsführender Gesellschafter des Verlags und der angegliederten juristischen Fachbuchhandlungen sowie der Centrale für GmbH. Unter seiner Leitung wird das Verlagsprogramm weiter ausgebaut und auf neue Rechtsgebiete wie beispielsweise das Vertrags- und Verfahrensrecht sowie das Computerrecht ausgeweitet. Viele neue Produkte, die während seiner Zeit eingeführt oder übernommen wurden, haben sich bis heute zu Standardwerken entwickelt, so z.B. das Loseblattwerk Abgabenordnung von Tipke/Kruse, der Kommentar Zivilprozessordnung von Zöller oder die Zeitschrift MDR. Als familien- und traditionsbewusster Unternehmer engagiert er sich persönlich besonders für die durch seinen Großvater und Verlagsgründer etablierte Interessenvertretung Centrale für GmbH. Während seiner Zeit gibt er zahlreiche Eingaben und Stellungnahmen zu Gesetzesinitiativen ab und veröffentlicht Aufsätze in der Zeitschrift GmbH-Rundschau.

Über die Verlagstätigkeit hinaus hat das Unternehmen in seiner Amtszeit seine Aktivitäten im Buchhandelsbereich durch den Erwerb der Fachbuchhandlung Herrmann Sack in Düsseldorf und Frankfurt sowie den Erwerb bzw. die Beteiligung an den Fachbuchhandlungen Struppe und Winckler in Berlin und Bielefeld verstärkt. Der Erwerb von Beteiligungen am Verlag Kommunikationsforum GmbH Recht Wirtschaft Steuern 1990 in Köln und am Verlag Ernst und Werner Gieseking GmbH in Bielefeld 1993 begleiten das organische Wachsen des Verlags. 1990 bereitet Schmidt seine Nachfolge vor und holt Karl-Peter Winters als Geschäftsführer in den Verlag, dem er fünf Jahre später die alleinige Geschäftsführung überträgt. „Das Lebenswerk von Hans Martin Schmidt ist beeindruckend“, so Winters. „Er ist als Familienunternehmer immer mehr als ein Verleger gewesen und hat den Stil des Hauses entscheidend geprägt.“ Als Gesellschafter und Vorsitzender des Gesellschafter-Ausschusses ist Schmidt bis heute mit dem Verlag eng verbunden.

Über seine Tätigkeit für den Verlag hinaus, war Schmidt ehrenamtlich von 1971 bis 1980 als Vorsitzender des Verbandes der Verlage und Buchhandlungen in Nordrhein-Westfalen aktiv sowie von 1980 bis 1992 als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft rechts- und staatswissenschaftlicher Verleger. Als langjähriger des Satzungs- und Rechtsausschusses des Börsenvereins begleitete er u.a. 2002 die Einführung der neuen Börsenvereins-Struktur.

Nach seinem Ausscheiden aus der Geschäftsführung hat Dr. Hans-Martin Schmidt sich intensiv mit dem Thema Evolution und Nachhaltigkeit befasst. Die von ihm initiierte Stiftung Apfelbaum Lernprojekt für Koevolution und Integration fördert Projekte, Publikationen und Aktivitäten gesellschaftlicher Gruppen. Sie hat bereits eine beeindruckende Erfolgsbilanz aufzuweisen, die unverkennbar die Handschrift von Hans-Martin Schmidt und seiner Familie trägt. Zum Beispiel das Handbook of Evolution of Human Societies and Cultures (VCH Wiley, 2004) und der Global Contract Report (ebenfalls 2004) sind beeindruckende Projekte dieser Fördertätigkeit. Auch die Integrationspreise der Stiftung – unter den Preisträgern: Kurt Biedenkopf, Eugen Drewermann, Rupert Neudeck und Alice Schwarzer – vergibt Auszeichnungen, die jenseits der klassischen Kultur- und Wissenschaftspreise Personen und Gruppen ermuntern und würdigen sollen, über die Grenzen herkömmlichen Denkens hinaus integrativ zu wirken.

Intensiv hat sich Dr. Hans-Martin Schmidt in jüngster Zeit auch mit dem Thema „Familienunternehmen“ befasst. An dem Forschungsprojekt Erfolgsmuster von Mehrgenerationen-Familienunternehmen“ der Universität Witten/Herdecke (Deutsche Bank Institut für Familienunternehmen) hat er aktiv mitgewirkt und seine langjährigen Erfahrungen als Familienunternehmer eingebracht. Inzwischen ist ein Bericht über dieses Forschungsprojekt in den {Wittener Diskussionspapieren – Sonderheft Nr. 2 Juni 2004 – der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft erschienen.

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