Heinrich von Berenberg (65)

Heinrich von Berenberg

Heinrich von Berenberg wird heute 65 Jahre alt. Klaus Wagenbach gratuliert dem Verleger zum Geburtstag:

Mitte der achtziger Jahre. Da saß ein junger Mann vor mir und wollte einen Rat. Er hatte Germanistik studiert, was seinem Vater, einem Hamburger Banker, zu Gegenmaßnamen veranlasste: Der Sohn wurde zur Banklehre nach England und Lateinamerika geschickt. Nach der Rückkehr fiel er in die Hände eines Defraudanten, wollte aber nach dieser Erfahrung immer noch Lektor werden. Diese Standhaftigkeit hat mir gefallen, zumal sie von Sprach- und ziemlich umfangreichen anderen -kenntnissen begleitet waren.

Ich konnte ihm nicht mehr als ein Volontariat anbieten, das er sofort begeistert annahm. So zog Heinrich in den Verlag ein: an einem kleinen Glastisch im Postzimmer. Dort blieb er, war nicht mehr zu vertreiben: freundlich, hochgebildet, verlässlicher Antinazi, Tiradenkünstler. Wenn er ein Buch oder Manuskript vorstellte, lief er zu Hochformen auf: Er fuchtelte mit Händen und Füßen, lachte glucksend oder stoßweise, als sei der Kehle noch unklar, welcher Weg angemessen sei. Es war ein Vergnügen, ihm zuzuhören.

Irgendwann wollte Heinrichs Vater den Herrn kennenlernen, in dessen Verlag sein Sohn tätig war. Wir fuhren also nach Hamburg. Auf der Reise gab mir Heinrich noch ein paar Ratschläge, die sich als sehr nützlich erwiesen. Dem Vater stellte ich den Verlag, resp. das Verlagswesen, als ökonomisch schwieriges Gelände dar, was ihm sofort einleuchtete, denn Banken müssten öfter „als Abdecker“ tätig werden. Dem konnte ich zustimmen. Auch der zweiten Provokation konnte ich ausweichen: Er schenkte einen südafrikanischen Rotwein (es war noch die Zeit der Apartheid!) aus. Ich murmelte so etwas wie „kratzig im Abgang“ und verwies auf den mir bekannten Brunello. Beschwingt fuhren Heinrich und ich zurück nach Berlin.

Es kamen dann die schönen Jahre des „Freibeuter“, einer Zeitschrift, die über den deutschen Tellerrand sah und den dogmatischen Tunnelblick bekämpfte (und immerhin 20 Jahre überlebte). Heinrich wurde Mitherausgeber und entfaltete nicht nur sein Such-Talent, sondern auch sein geselliges. Wir kamen ja alle aus Kollektiven oder Wohngemeinschaften – es war also Usus, dass beim Umzug eines Mitarbeiters der gesamte Verlag bei der Renovierung half, so auch bei Heinrich, aber: Sein geliebter Flügel stand schon da. Soviel Privacy muss sein.

Diese Mischung aus öffentlichen Angelegenheiten und privaten Narreteien prägt auch das Programm des nun zehnjährigen Berenberg Verlages – von Mitfords „Hunnen und Rebellen“ und „Die Nacht der Physiker“, wo einem der reaktionäre Abhub förmlich ins Gesicht geschüttet wird bis zum genialen Buch über den Dolomitenkrieg von Uwe Nettelbeck (das ich gerne selber gemacht hätte). Da kann ruhig mal eine andere Sau mit durchs Dorf laufen wie die „Abhandlung über den Schweinebraten“ oder das Gaslicht. Und schön gemacht sind die Bücher, wie sich’s gehört!

Lieber Heinrich, alles Gute zum Geburtstag! Wir sehen uns ja ab und zu zum Mittagessen, die Kellner reißen schon die Tür auf, wenn die beiden Lachsäcke herantrotteln.

Wer auch gratulieren möchte: info@berenberg-verlag.de

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Kommentare (1)
  1. Ich bin Felipe, Ich möchte senden eine Buch durch Post. Ich löste das Heinrich von Berenberg mich liest. Kannst sie gib mir wenn email oder Postanschrift?
    Ich komme aus Mexiko und Ich bin ein Unbekannter in der Literatur aber Ich habe Träume
    Ich lerne Deutsch
    Felipe González

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