Klaus Flügge (80)

Klaus Flügge wird heute 80 Jahre alt.

Klaus Flügge an seinem Stand auf der Frankfurter Buchmesse 2014

Klaus Flügge ist einer, bei dem so manches anders läuft: Er ist Gründer des Londoner Kinderbuchverlags Andersen Press und würde nie vorzeitig von einer Buchmesse nach Hause fahren. Während seine Standnachbarn in Bologna oder Frankfurt bereits ihre Sachen packen, rückt Klaus noch Bücher in den Regalen zurecht.

Während andere Verlage IllustratorInnen an ihren Ständen nicht sonderlich willkommen hießen, erteilten bei Klaus jahrelang berühmte Bilderbuchmacher wie Tony Ross, David McKee oder Max Velthuijs ihren jungen Kollegen bereitwillig Ratschläge. Während Kinderbuch-Übersetzungen im Vereinigten Königreich kaum stattfinden, erschienen bei Andersen Press Christine Nöstlingers Maikäfer flieg, Janoschs Panama-Reihe, Otfried Preußlers Kleines Gespenst, Beate Teresa Hanikas Rotkäppchen muss weinen oder Wolfgang Herrndorfs Tschick auf Englisch.

Während andere stets das Neue suchen, steht Klaus für das Stete. Angefangen hat er wie viele von uns als Sortimenter und besuchte dafür die Buchhändler-Lehranstalt in Leipzig, denn er wuchs im deutschen Osten auf. Die Ereignisse des 17. Juni 1953 ließen ihn Tags darauf das Land verlassen und wenig später landete er beim Verlag Abelard-Schuman in New York. Von dort wurde er nach London geschickt, wo er Belletristik und Kinderbücher verlegte. Und so war er mit dabei, als 1963 in Bologna die erste internationale Kinderbuchmesse stattfand. Dies trug ihm 2013 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Bologna ein, denn außer ihm hat es keiner geschafft, auch bei allen 49 späteren Messen mit dabei zu sein.

Klaus‘ Art ist ein wenig brummig, aber herzlich. Er nennt sich Hanseat und das hört man ihm auch an. Klaus ist Verleger alten Stils: Es ist sein Geld, das die Drucker finanziert, das aber auch die langen Abende bezahlt, zu denen er immer wieder ins Hotel Roma einlädt, wo er seit ewigen Zeiten in Bologna nächtigt, nur ein paar Schritte von der Piazza Maggiore entfernt. Klaus‘ Bücher haben auch dem deutschen Kinderbuchmarkt manchen Stempel aufgedrückt: Mit Ich komm dich holen! von Tony Ross, oder Du hast angefangen! Nein, du! von David McKee erhielten zweimal Bücher aus seinem Stall den Deutschen Jugendliteraturpreis. Susan Varleys Leb wohl, lieber Dachs ist zum Klassiker geworden und gehört genau wie die vielen Titel um Elmar, den Elefant oder Max Velthuijs‘ Frosch-Geschichten zu jenen Bilderbüchern, mit denen die heute 20- bis 30-Jährigen aufgewachsen sind.

Wie schön, dass einer wie Klaus weiterhin mit dabei ist, noch immer neugierig und geschäftig und launig und nimmermüde, auch nach einem langen Tag. Ihm gegenüber komme ich mir noch immer ein wenig vor wie jener Jungspund, als der ich ihn 1983 auf der Frankfurter Buchmesse zum ersten Mal traf. Oder wie 1994, als er mir Glück wünschte für das neue Unterfangen Moritz. Dass ich vor zwei Jahren mit John Fardells Tag, an dem Louis gefressen wurde endlich auch ein Buch aus seinem Verlag veröffentlicht habe, freute Klaus. Und prompt wurde es nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis.

Und nun wird er achtzig! Aber wichtiger sei ihm, so sagte er mir kürzlich, sein Besuch auf der neuetablierten Kinderbuchmesse in Shanghai. Dennoch: Alles Gute, lieber Klaus, halt die Ohren steif!

Dein Markus Weber

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