Christian Doering (60)

Christian Döring wird heute 60 Jahre alt. Die Andere Bibliothek’ler gratulieren ihrem Herausgeber zum runden Geburtstag:

Zu den halbjährlichen Ritualen in den Verlagen gehört die Vertretersitzung. Und es gibt sie noch, die Lektoren, die in ihrer unnachahmlichen Art Bücher und Autoren vorstellen; deren Vortrag, deren Werben für jedes einzelne Buch alle Anwesenden fesselt. Christian Döring gehört ohne Zweifel dazu, vollbepackt mit Manuskripten, Notizen, alten Buchausgaben betritt er den Konferenzraum und schon bei seinen ersten Worten kehrt Stille ein. Begeistert berichtet er von persönlichen Leseeindrücken, Begegnungen und von Verbindungspunkten zwischen den Titeln des neuen Programms. Wenn manch einer nun denkt, mit Blick auf die eingeräumte Zeit müsste nun langsam der nächste Titel vorgestellt werden, schlägt Döring mit Sicherheit eines der zahlreichen mitgebrachten Bücher auf und liest ausführlich vor. Fragen nach dem Spitzentitel im Programm beantwortet er mit: „Alle!“ Den Vorschlag, Marketing-Argumenten einen größeren Raum in der Vorschau einzuräumen, hört er nicht. Die Anfrage, ob man Projekte mit Rücksicht auf Urlaube oder Wochenenden planen könne, beantwortet er mit der Gegenfrage: „Wollten Sie nicht dieses Buch betreuen? Das bedeutet: 24 Stunden am Tag“.

Christian Doering (© Tobias Bohm)

Wir kennen aber auch einen anderen Christian Döring: einen Vortragenden, der verschmitzt am Ende der Verlagsvorstellung feststellt, dass er nun doch zehn Sekunden vor seiner Zeit fertig geworden ist. Der natürlich auf die Unterschiede und Vorzüge der Bücher eingeht, der auch zu Marketingfragen eine Meinung hat, der immer das Gespräch mit seinen Mitarbeitern sucht und sich um sie sorgt.

Seine facettenreiche Persönlichkeit hat mit Sicherheit zu seinem Erfolg – mittlerweile als Herausgeber und Verlagsleiter der Anderen Bibliothek – beigetragen. Begonnen hat er nach seinem Studium bei Suhrkamp unter Siegfried Unseld. Nach langen Jahren folgte er Gottfried Honnefelder, mit dem ihn bis heute ein freundschaftliches Verhältnis verbindet, zum DuMont Buchverlag. In der Folge arbeitete er mit Klaus Harpprecht und Michael Naumann für die Andere Bibliothek, deren alleiniger Herausgeber er 2011 wurde. Der Wechsel der Anderen Bibliothek nach Berlin war für ihn eine willkommene Rückkehr in seine Geburtsstadt. Als dann eine Postkarte von Hans Magnus Enzensberger, dem Gründer der Anderen Bibliothek, mit dem Gruß eintraf: „Die Andere Bibliothek lebt!“, so war dies das schönste Lob – aber das wäre nichts, was er von sich aus erzählen würde. In einem Interview äußerte sich Döring einmal: „Je rasanter die Digitalisierung voranschreitet, desto rasanter wird wahrscheinlich auch das Bedürfnis nach dem schönen Buch sein oder wiederauferstehen. Die billigen Bücher verschwinden und die schönen Bücher treten immer stärker auf den Plan. Und man könnte sagen, die geniale Erfindung der Anderen Bibliothek vor bald 30 Jahren war es, von dieser Entwicklung etwas vorwegzunehmen, vorauszuschauen.“

Gemeinsam mit ihm schmieden wir Pläne für die Zukunft der Anderen Bibliothek, gratulieren zum runden Geburtstag und freuen uns auf die kommende Zeit mit ihm – auf die Vorstellung seiner Bücher bei der nächsten Vertretersitzung und auf das gemeinsame Glas, mit dem wir nach seiner Rückkehr aus seinem Sommerdomizil Venedig auf diesen Geburtstag anstoßen werden.

Aus Berlin grüßen die Andere Bibliothek’ler

Für weitere Glückwünsche: doering@die-andere-bibliothek.de

Möchten auch Sie jemandem aus Ihrer Buchhandlung/Ihrem Verlag zum „Runden Geburtstag“ gratulieren? Dann mailen Sie uns einen kleinen Text und ein Foto des Jubilars/der Jubilarin: redaktion@buchmarkt.de, Stichwort: Runde Geburtstage}

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