Frank-H. Häger (60)

Frank-H. Häger

Heute wird Frank-H. Häger, Buchvorstand der Verlagsgruppe Ganske, 60 Jahre alt.

Er ist absichtlich die ganze Woche verreist, um allen Feierlichkeiten zu entgehen, denn er steht lieber im Hintergrund, obwohl er als oberster „Buch“-Mann der Gruppe immer auch der Frontmann ist. Aber diese Aufgabe, das weiß ich von vielen Gesprächen mit ihm, ist sein Leben.
Wenn man ihn fragt, was ihn beschäftigt, dann sagt er glaubhaft „etwas bewegen“ – was heißt: Leute zusammen zu bringen und aus neuen Kontakten kreatives Potential zu schöpfen. Außergewöhnlich finde ich seine Neugier und die Offenheit für alle Themen – sein Spektrum reicht ja inzwischen vom Kochbuch und Ratgeberbereich bei GU und dem Reiseliteraturbereich von Travel House Media über einen klassischen Belletristik- und Sachbuchverlag wie Hoffmann und Campe bis hin zu Hatje Cantz, also dem Kunstbuchbereich, woran er ein sehr großes Interesse hat.

Lieber Frank, als wir beide vor vielen Jahren Hochzeitsgäste bei Christian Strasser waren, haben wir uns noch nicht gekannt. Aber ich erinnere mich, dass sich die Redner nach amerikanischer Sitte das Wort weitergaben. Ich gratuliere Dir von Herzen und gebe ebenso das Wort weiter an Deinen alten „Chef“ damals bei Time Life, der vor zehn Jahren schon diesen schönen Text für das BuchMarkt-Heft geschrieben hat, der mir heute noch gültig scheint:

Als Frank-H. Häger 1978 nach Abschluss 
seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Rosenheim die erste Bewerbung seines Lebens an die deutsche Niederlassung von Time Life schickte, war sein Schreiben eines von über hundert. Dass er die Stelle als Marketingassistent bekam, verdankte er unter anderem seiner jungenhaften, positiven Ausstrahlung, seinem Bekenntnis zu Kunst und Antiquitäten und sicherlich auch seinen sanften graublauen Augen.

Schon damals umgab ihn die Aura eines Menschen, der die Kunst „gut zu leben“ beherrscht und der in den entscheidenden Situationen vom Glück begünstigt wird; denn noch bevor er seinen Dienst bei Time Life antrat, lud das Unternehmen alle europäischen Mitarbeiter und auch ihn zu einem einwöchigen, mehr Vergnügungs- als Arbeitsmeeting nach Taormina auf Sizilien ein. Und in diesem Sinne ging seine über 10-jährige Karriere bei Time Life weiter.

Frank Häger war beliebt bei allen Kolleginnen und auch Kollegen, er hatte kaum Feinde, er hatte immer für andere Zeit und war stets bereit, die nächste Aufgabe zu übernehmen. Fasziniert von dem internationalen Flair eines Weltunternehmens sowie eines anfangs leicht anarchistischen Managementstils, landete er nach seinem Beginn in München jeweils für mehre Monate oder auch Jahre in Australien, in London, in Tokio, in Frankreich und schließlich im Corporate Headquarter in Alexandria/Virginia, USA. Die ersten Jahre als Produktmanager, später als verantwortlicher Leiter eines Landes (Frankreich) und zuletzt wurde er gar als erster Europäer Marketingchef von Time Life Books in USA.

Seine Fähigkeit, vom Markt her zu denken, half ihm, selbst das schnelle amerikanische Tempo bei der Entwicklung von Produkten und deren zielgruppenorientierter Vermarktung leicht mitzugehen. Sein kooperativer, teamorientierter Managementstil unterstützte den rasanten Aufstieg im Unternehmen.

Doch als die Muttergesellschaft Time Inc. Ende der 90er Jahre das „Kerngeschäft“ von „print“ zu Kabelfernsehen bzw. nach Hollywood verlagerte, begannen die einst stolzen Time Life-Bücher vom Markt zu verschwinden, und mit ihnen verließ Frank Häger das Unternehmen, um dorthin zurückzukehren, wo alles einst begann, nach Bayern bzw. nach München. Dort wartete auf ihn eine schwere Herausforderung, nämlich nichts weniger, als die Nachfolge des legendären Kurt Prelinger als verlegerischer Kopf des Gräfe und Unzer Verlages anzutreten. Doch sicher eingebettet in ein erfahrenes Geschäftsführungsteam gelang ihm dieser auch kulturell radikale Übergang besser, als er wohl selber erwartet hatte. Nach einer Zeit des Eingewöhnens an enge deutsche Verhältnisse gelang ihm schließlich mit Easy Cooking und zahlreichen Nachfolgetiteln ein spektakulärer Erfolg, der GU endgültig vom Ruch der deutschen Durchschnittshausfrau und des Biederen befreite.

Dies war sicher auch der Grund, warum Thomas Ganske ihn vor gut zwei Jahren als Verantwortlichen für das Buchgeschäft in den neu geschaffenen Vorstand seiner Verlagsgruppe holte. …. Denn der Umbruch des Buchmarkts wartet schon mit neuen Herausforderungen: Es gilt, den Verlag Hoffmann und Campe nicht nur personell neu zu besetzen, sondern vor allem den Verlag strategisch so zu positionieren, dass er nicht Gefahr läuft, im 
-Ganske-Imperium zum ungeliebten Kind abgestempelt zu werden. Angesichts der Unternehmensgröße, des bisherigen Mischprogramms, des nicht vorhandenen eigenen Taschenbuchs und der Wettbewerbssituation kein leichtes Unterfangen. Doch warum sollte Frank Häger das Glück nicht weiterhin treu bleiben? Ich wünsche ihm, dass es ihm treu bleibt.

Christian Strasser

Kontakt: frank-h.haeger@ganske.de

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