Detlef Bluhm (60)

Detlef Bluhm

Detlef Bluhm wird heute 60 Jahre alt. Transit-Verleger Rainer Nitsche gratuliert dem Geschäftsführer des Landesverbands Berlin-Brandenburg zum runden Geburtstag:

Um gleich mit einem Kompliment ins Haus zu fallen: Er ist einer der angenehmsten Menschen, dem man in unserer, an angenehmen Menschen wahrlich nicht armen Branche treffen kann. Das hat viele Gründe, die über solche Selbstverständlichkeiten wie Höflichkeit, Witz, Belesenheit, Neugierde, Risikofreude weit hinausgehen.

Er hat ein italienisches Verständnis vom Leben: Wenn man schon auf der Welt ist, sollte man ihr erstens etwas zurückgeben und zweitens dafür sorgen, dass die Welt merkt, wer ihr da für längere Zeit auf die Pelle gerückt ist. Insofern war sein berufliches Leben immer von Ausrufezeichen geprägt. Ob als Buchhändler, als Verlagsvertreter, als Vertriebsmensch, als Verleger, als Autor, als Geschäftsführer im Börsenverein: Immer versuchte er, aus dem alten Trott, aus vorgefundenen Verhältnissen auszubrechen, und das alles nicht zum eigenen Vorteil, sondern um etwas in Gang zu setzen, was für mehr Aufmerksamkeit, mehr Erfolg, mehr Originalität, mehr Qualität, für mehr Unverwechselbarkeit zugunsten der Bücherwelt sorgte. Und weil er nicht nur unternehmungslustig, sondern auch klug ist, hat er schnell begriffen, dass im Verein mit anderen viel mehr zu schaffen ist als im heroischen, aber doch zermürbenden Einzelkampf.
Möglicherweise ist diese Erkenntnis aber auch seiner Lust auf Gesellschaft zu verdanken, seinem Spaß am Reden, Zuhören, am Philosophieren oder auch am Rumspinnen – alles ist erlaubt, außer Angeberei und Langeweile (weswegen er einen Teil seiner Arbeit, die Gremienarbeit, gerne auch mal abgibt).

Er ist außerdem einer der quirligsten Menschen in unserer Branche. Quirlig meint: Wenn man was Neues will, muss man es auch anpacken, auf jeder Ebene. Ein paar durchaus historische Beispiele: Als im damals noch geteilten Berlin 1987 die 750-Jahr-Feier anstand mit einer riesigen Ausstellung, vielen Katalogen und Büchern, hatte er (mit anderen) die Idee, daraus eine Gemeinschaftsaktion vieler kleiner Berliner Buchhandlungen zu machen, die dann zu einer der erfolgreichsten Buchhandels-Initiativen überhaupt wurde. Als nach der Wende 1989 die Leipziger Buchmesse auf der Kippe stand, war er es (mit anderen), der die Idee hatte, von Berlin aus die Leipziger vehement zu unterstützen und das „Berliner Zimmer“ als Signal für einen Neuanfang zu etablieren. Und damit man weiß, was etablieren heißt: Man fährt mit einem geliehenen Transporter zu verschiedenen Läden in Berlin, kauft Wein, Wasser, Espressobohnen, lädt Gläser, Tassen, eine geliehene Espressomaschine ein und fährt dann in verkehrter Richtung durch verschiedene Einbahnstraßen durch Leipzig, um zum alten Messehaus am Markt zu kommen.

Das gilt auch für das legendäre Berliner Bücherfest, das über Jahre eine der erfolgreichsten Marketingaktionen des deutschen Buchhandels war, basierend auf der Grundidee: Die Bücher warten nicht darauf, dass Menschen zu ihnen kommen, die Bücher gehen auf die Menschen zu. Manchmal waren es an einem Wochenende 80.000 Besucher. Auch das verbunden mit nervenden Kleinarbeiten, der Akquise von Sponsoren oder mit „Leute bei Laune halten“ selbst bei Sturm und Regen (das Fest fand ja im Freien statt).

All das würde ja schon reichen für einen Orden oder für ein heftiges kollegiales Schulterklopfen, wenn es da nicht eine weitere, fast unglaubliche Komponente gäbe: die des Literaten und Lebenskünstlers, was sich ja nie widersprechen sollte.

Der Lebenskünstler wittert überall die Lokale oder Hotels, wo es sich vortrefflich übernachten, speisen oder auch nur trinken und rauchen lässt. Und weil ein Lebenskünstler nie geizig ist, lässt er andere gern an seinen Entdeckungen teilhaben. Dort sitzt man mit ihm zusammen, kann wunderbar auf angemessenem, meist aber doch höheren Niveau spötteln, gekonnt Klatsch und Tratsch pflegen und sich die nächsten eleganten Schachzüge ausdenken. Und dann kann man, völlig unvermittelt, ganz konzentriert über Leseerfahrungen und Buch-Projekte reden – und ist erstaunt, was dieser eben noch so unterhaltsam flachsende Herr alles weiß, und vor allem – wie er das formulieren kann.

Und, Sie ahnen es, eine letzte Steigerung bzw. Steigung wartet noch: Detlef Bluhm als Schneekönig, zusammen mit seiner Schneekönigin Ruth, auf dem Feldberg in der bayerischen Rhön. Dort oben sitzen sie gern Rücken an Rücken, schauen auf die jeweils andere Hälfte der Welt und freuen sich wie – Schneekönige eben. Glückwunsch!

Wer auch gratulieren möchte: info@berlinerbuchhandel.de

Möchten auch Sie jemandem aus Ihrer Buchhandlung/Ihrem Verlag zum „Runden Geburtstag“ gratulieren? Dann mailen Sie uns einen kleinen Text und ein Foto des Jubilars/der Jubilarin: redaktion@buchmarkt.de, Stichwort: Runde Geburtstage

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