Margret Riethmüller (60)

Margret Riethmüller

Margret Riethmüller wird heute 60 Jahre alt. Hanser-Verleger Michael Krüger gratuliert der Ravensburger Buchhändlerin (Ravensbuch) zum rundem Geburtstag:

Ich gestehe es gleich und ohne Umschweife: Ich bin in Margret Riethmüller verliebt. Nun könnte man einwenden, ich sei in alle Buchhändlerinnen verliebt, die sich für unsere Bücher interessieren, aber so groß ist meine Libido nicht. Ich achte alle Buchhändlerinnen, die sich die Freiheit nehmen, für die Bücher der unabhängigen Verlage zu kämpfen; manche von ihnen verehre ich, weil sie sich ihr literarisches Urteil bewahrt haben; mit einigen würde ich (gerne) die Ferien verbringen, mit anderen (gerne) ins Museum gehen; für fast alle diese Damen würde ich die mir noch zur Verfügung stehende Restzeit – ich werde im Dezember siebzig Jahre alt! – opfern, um mit ihnen zu essen, zu trinken und zu lachen. Aber für Margret ist eine ganz besondere Herzkammer reserviert. Margret und Michael, das ist ein ganz besonderes Paar – nur war eben der andere Michael, Michael Riethmüller (ein junger Mann!) so schlau, sie mir vor der Nase wegzuschnappen. Herzlichen Glückwunsch, eine sensationelle Wahl.

Margret ist – eine seltene Mischung in der Evolutionsgeschichte unseres Berufs – zu zwei Dritteln eine schnurrende Hauskatze und zu einem Drittel eine kaum zu bändigende Wildkatze. Als Hauskatze ist sie natürlich unübertroffen. Sie liegt sogar nachts im Laden und beschnurrt die Bücher, die noch keinen Leser gefunden haben. Sie tröstet die unverkäuflichen Lyriker und die untröstlichen Essayisten. Sie spricht den Debütanten Mut zu und lässt sie sogar dann vor Publikum lesen, wenn sie gar nicht vorlesen können. Mir ist noch nie zu Ohren gekommen, dass jemand schlecht über sie geredet hätte. Alle Vertreter schwärmen von ihr und machen mich neidisch, weil sie Margret mehrmals im Jahr sehen dürfen, während ich immer den Treffen auf der Messe entgegenbibbern muss (Gelogen! Manchmal sehe ich sie in Leipzig und in Frankfurt und in ihrer Buchhandlung, wenn sie mich einlädt!).

Ach, wenn sie dann mit ihrem Tross erscheint und auf unseren billigen Messestühlen Platz nimmt, dann möchte ich jedes Mal vor ihr in den Staub fallen! Sie ist die Königin! Alles Gefeilsche verstummt. Es wird nur noch über Bücher geredet, über die Schönheit der Texte und die Schönheit der Umschläge. In ihrer und in meiner Gegenwart ist es verboten, über so schnöde Dinge wie Rabatte zu sprechen – und ich werde den Teufel tun, vor ihr meine sonst so geliebten Klagen anzustimmen. Unsere (vollkommen unschuldige) Liebschaft verbietet es, dass ein so abgeschmackter Begriff wie „betriebswirtschaftliche Notwendigkeit“ über unsere Lippen kommt.

Aber natürlich versteht sie auch davon etwas, sonst würde ihr Laden (ihre Läden) nicht laufen. Denn das ist das andere Drittel von ihr, die Raubkatze, die den Laden durch vermintes elektronisches Gelände führt. Irgendwann, wenn ich schon weg bin, muss auch darüber geredet werden, dann müssen Frau Feilhauer und Frau Schubert ran. Dann verteidigt sie ihr Geschäft wie eine Löwin.

Es kann nur eine Königin geben. Aber wenn wir in unserer Republik mehr von ihrer Statur hätten – drei Viertel Literatur, ein Viertel Betriebswirtschaft –, dann wäre mir um die Zukunft unseres Berufs nicht bange.

Am 1. April, das ist kein Witz, wird Margret Riethmüller sechzig. Ich wäre glücklich, wenn sie mich demnächst ausgemusterten Verlagspinsel auch dann noch empfangen würde, um lange über Literatur und meinetwegen auch kurz über Betriebswirtschaft zu sprechen.
Herzlichen Glückwunsch!

Wer auch gratulieren möchte: rv@ravensbuch.de

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