Dr. Walter Vennen (60)

Dr. Walter Vennen

Dr. Walter Vennen, Inhaber der Buchhandlung Schmetz am Dom in Aachen, wird heute 60 Jahre alt. Sein Freund Klaus Mackowiak gratuliert ihm zum runden Geburtstag:

Walter ist dann doch kein Mitglied der Wiener Konrad-Bayer-Gesellschaft geworden. Das versteht sich eigentlich auch von selbst. Denn die launige Satzung der launigen Gesellschaft umfasst ein launiges Ausschlusskriterium: Mitglied darf nicht werden, wer Peter Handke mit Vergnügen liest. Klar: Das konnte Walter so nicht akzeptieren. Denn Walter liest, wie ein Berserker gelesen hätte, wenn der, statt zu metzeln, lieber gelesen hätte – aber um wie viel sensibler, feinsinniger und klüger. Und so gibt es für ihn auch bei Handke ein literarisches Universum zu entdecken, das einem eher prosaischen Ruhrgebietsmenschen wie mir notwendig verborgen bleiben muss.

Walters ganz besondere Liebe allerdings gilt, neben seiner Frau und Kollegin Barbara, den irischen Autoren, etwa Flann O’Brien und – natürlich ¬– James Joyce, aber auch Arno Schmidt und Heinrich Heine. Ein Jahr hat Walter, der Anglist, in Irland gelebt, gelehrt, getrunken. Den Germanistikstudenten Walter hatte ich einst (war da Karl der Große schon tot?) nicht in Aachen kennengelernt, wo wir beide studiert haben, sondern auf einem Theaterseminar in Berlin. Wir beschieden uns beide nicht mit dem Theater: Walter, den alten Posaunisten, zog es in die Oper, mich auf ichtyologische Exkursionen. Das konnte ja nur gutgehen.

Als gebürtiger Neuwerker (MG) ist er Rheinländer, d. h. Menschen und Geschichten aufmerksam zugewandt – ob solchen des wahren Lebens oder solchen der wahren (oder auch halb wahren) Literatur. Walter ist ein Buchhändler, der liest, ein Buchhändler, der versteht und spürt, worum es im einem Buch geht, ein Buchhändler, der das seinen Kunden und Freunden vermitteln kann und vermittelt: So ganz selbstverständlich ist das ja nicht (mehr).

Die Lesungen in der Buchhandlung Schmetz: neueste Literatur direkt gegenüber des über 1.200 Jahre alten Aachener Doms. Irgendwie sind sie schon Legende, Walters Anmoderationen: die gemäßigte bis unmäßige Lobhudelei (Verkauf will schließlich gefördert sein), die davon unberührte Liebenswürdigkeit Autor und Publikum gegenüber, die stets treffenden Bemerkungen zu Werk und Autor. Da lohnt sich nicht selten die Lesung schon, bevor sie überhaupt beginnt.

Eher mit konsterniertem Unverständnis dagegen begegne ich behäbiger Hinschreiber Walters Rührigkeit: die fordernde Leitung einer nicht ganz winzigen Buchhandlung, die Moderation allerlei kultureller Veranstaltungen, die Vorstandsarbeit in der Walter-Hasenclever-Gesellschaft (ha, literarische Gesellschaft geht also doch!), die Mitveranstaltung der Aachener Krimitage und, und, und.

Und noch etwas, das sich nicht unbedingt von selbst versteht: Walter ist ein ganz, ganz prima Kumpel. Und wenn ein prosaischer Ruhrgebietler überhaupt etwas weiß, dann, wattn Kumpel is. Und mit dem radle ich demnächst den Col d’Agnel rauf (dann den Col d’Izoard und den Col de la Madeleine und den Col Glandon und den …).

Walter, alles Gute, Liebe und vor allem alles Schöne zum Sechzigsten – und auch sonst.

Dein Klaus

Falls Sie auch gratulieren möchten: info@buchhandlung-schmetz.de

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