Dr. Peter Hanser-Strecker (70)

Dr. Peter Hanser-Strecker

Dr. Peter Hanser-Strecker wird heute 70 Jahre alt.

„Eigentlich wollte ich mich längst zu Ruhe setzen, aber ich sehe, das uns derzeit das gesamte Verlagsmodell aus der Hand genommen wird“, sagt Dr. Peter Hanser-Strecker einen Tag vor seinem 70. Geburtstag gegenüber buchmarkt.de. Mehr braucht er nicht zu sagen. Den Rest kann man sich denken. Er will dabei sein, ein neues Modell zu kreieren, das einmal eine sichere Geschäftsbasis bietet. Ob vor dem Wort Modell dann weiterhin „Verlag“ steht, wird sich dann zeigen. Aber natürlich ist das der Grund, warum er sich nicht zur Ruhe setzen kann. Auch wenn er heute 70 wird.

„Ich halte es gerne mit dem indischen Sprichwort, wonach Probleme im Grunde nichts anderes sind als Geschenke des Himmels“, sagt er. Und ist sofort beim Thema. „Die freie Zugänglichkeit der Werke im Internet ist für sich betrachtet zunächst einmal eine große Chance und eröffnet ungeahnte Perspektiven der weltweiten Vermarktung.“

Aber mal ehrlich: Hanser-Strecker still sitzen zu sehen, ist kaum vorstellbar. Wer mit ihm redet, sieht sich schnell mit einem Berg an kreativen Ideen konfrontiert. Und am Ende des Gesprächs sagt er dann: „Das müssen Sie jetzt erst einmal verdauen.“ Ja, muss man. Und die Menge verarbeiten. Digitalisierung, Urheberrecht, neue Publikationsformen: Natürlich machen derartige Herausforderungen es einem Mann, der immer neugierig und immer kreativ war, auch nicht leicht, sich zur Ruhe zu setzen. Er war immer an den Themen dran, die sich zu immerwährenden entwickelt haben.

1968 ließ er sich mit einer Arbeit zum Thema „Das Plagiat in der Musik“ zum Dr. jur. promovieren. Es war der Abschluss eines Studiums der Musik und der Musikwissenschaft in Mainz, das er ab dem Sommersemester 1963 in München fortsetzte. Erst hier hatte er parallel ein Jurastudium aufgenommen, das er ab dem Wintersemester 1965 in Frankfurt a. M. fortsetzte und dann beendete. „Das Plagiat-Thema war noch nie so aktuell wie heute“, sagte Hanser-Strecker erst kürzlich in einem Interview. Das war nach der Guttenberg-Affäre, Ironie der Namensähnlichkeit: 1997 war er mit der Gutenberg Büste ausgezeichnet worden. Mit einem „t“. Und nur eine Auszeichnung von vielen, das Bundesverdienstkreuz war ein Jahr nach der Büste auch dabei.

Am 1. Oktober 1968 trat Hanser-Strecker in das Familienunternehmen ein, das damals noch B. Schott’s Söhne hieß, und übernahm dort zunächst die Leitung der Rechtsabteilung, des Bereichs Unterhaltungsmusik und der Schallplattenabteilung. Er erweiterte damit als einer der ersten das einen ausschließlich auf Noten ausgerichtetes Verlagswesen um eine völlig fremde Produktkategorie. Er hat also Übung damit. Er interessierte sich leidenschaftlich für außereuropäische Musik und stellte Kontakte zu wichtigen Interpreten her. Heute hat der Verlag Niederlassungen in zehn Ländern und beschäftigt 250 Mitarbeiter.

„Ich war seit den frühen sechziger Jahren immer gern in Darmstadt bei den Ferienkursen und habe auch einen Kurs bei Kagel im elektronischen Studio in München besucht. In Donaueschingen habe ich die Musik von Penderecki und Ligeti kennengelernt und schon bevor ich im Verlag anfing zu meinem Großvater gesagt, dass er sie zu Schott holen solle. Mein Großvater hat mir vertraut, so dass beide 1966 zu Schott kamen“, berichtete er einmal in einem Interview. Damit begründete den Ruf von Schott Music als einen Verlag für moderne Musik. Und heute Im Rückblick an seinem 70. Geburtstag erweist sich damit Hanser-Streckers Gespür für die richtigen Komponisten.

Alte Themen, die noch immer ungelöst sind und neue, wegweisende Werke, die es zu entdecken gilt, der Aufstieg zum weltweit größten Musikalienverlages und Gründer zahlreicher Stiftungen: Kein Wunder, dass einem Mann wie Hanser-Strecker das nicht loslassen kann. „Wir sind es gewohnt, weltweit mit Problemen umzugehen“, ist sein einziges Wort zum Rückblick. Zum Geburtstag hat er den Blick nach vorn gerichtet.

Gerade erst ist die Schott Pluscore® Sing-Along App fertig geworden. Sie ist ein Übungsprogramm zum Einstudieren populärer Opernarien. Es lassen sich eigene Wendestellen festlegen, Notengrößen per Zoomfaktor einstellen und Transpositionen in andere Tonarten vornehmen. Die Begleitung zum Gesangspart kann auf die eigene Interpretation abgestimmt werden. Und vieles mehr.

Zum Geburtstag hat er gerade das weltweite Projekt „Petruschka“ zum Abschluss gebracht. Gemeinsam mit der Schott Stiftung hat der Verlag 73 Komponisten weltweit mit Kompositionen zum Motto „Dances of Our Time“ (Tänze unserer Zeit) beauftragt. Sie werden an vier Orten, in New York, Peking, London und heute an seinem Geburtstag auch in Mainz aufgeführt.

Auf der Website http://www.petrushka-project.com wird es die Konzerte zum Ansehen, die einzelnen Stücke zum Download und die Noten zu kaufen geben. „Print kommt in diesem Fall zuletzt“, lacht Hanser-Strecker, „aber es wird eine schöne 450 Seiten starke Ausgabe“. Und wird gleich wieder ernst: „Wir wollen damit die Möglichkeit der Gleichzeitigkeit weltweit zeigen“, sagt er und beweist damit: Hanser-Strecker war immer ein Mann, der in Möglichkeiten denkt. Nicht in Problemen. Und wie soll einer, der „Tänze unserer Zeit“ in Auftrag gibt, sich zur Ruhe setzen?

Möge er mit seinen Ideen nicht nur den neuen Tanz der Musikbranche auf den neuen Märkten inspirieren. Zunächst aber wünschen wir eine schöne Feier heute und ein schönes Konzert heute Abend.

Matthias Koeffler

Kontakt: peter.hanser-strecker@schott-music.com

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