Peter Mathews (60)

Peter Mathews wird heute 60 Jahre alt.

Hier gratuliert Aufbau-GF Tom Erben dem „Ideen-Mann“:

Peter Mathews

Mittagspause in der Küche im Völckers Park 10 in Reinbek. Die Jugendstilvilla dient dem in den 80er Jahren aus den Nähten geplatzten Rowohlt Verlag bis heute als Außenposten. Dort sitzt die Werbeabteilung, und dort saß lange Jahre Peter Mathews als Werbeleiter des Verlages. Waren die Grafiker Christoph Krämer oder Max Bartholl dabei, die Peters Ideen so oft auf’s Papier brachten? Nein, denn für diese Idee brauchte er einen ganz besonderen Strich: den von Axel Scheffler, der telefonisch aus London prompt zusagte. Denn die Idee war so gut, dass sie, wie alle guten Ideen, auf einen Bierdeckel passte: „frorohrohe Ostern!“ – das war der schlichte Claim und die Kampagnenidee, die Peter fröhlich pfeifend aus der Mittagspause mitgebracht hatte. Markenwerbung im besten Sinne. Der Zusatzumsatz, der mit dieser Taschenbuchaktion realisiert wurde, hat Vertriebsleiter Lutz Kettmann mehr als fröhlich gestimmt. Dem Buchhandel hat Peter Mathews damit gezeigt, dass man Umsatz machen kann, wenn man (gute) Ideen hat. Und die hat und hatte er zuhauf.

Was hat er nicht alles gegen den Strich gedacht in Vertretersitzungen im NATO-Saal, in Coverdiskussionen mit Walter Hellmann, in Besprechungen mit Michael Naumann – seine pointierten Kommentare waren geliebt und gefürchtet zugleich. Denn seinen anarchischen Humor hatte er mit den Beule-Krimis in Co-Autorschaft Norbert Klugmann unter Beweis gestellt. Diese Hamburg-Krimis, eine Art „Kottan ermittelt“ in Buchform, erzielten lange vor Klüpfl/Kober schon erstaunlich hohe Auflagen für Regionalkrimis. Das Krimimagazin der legendären „Schwarzen Reihe“ bei rororo hat er mitgegründet und gemeinsam mit Maj Sjöwahl betreut. Aber Ausruhen war nicht, das ging nicht bei diesem Job und zwei Kindern. Das Genre des Krimis entwickelte sich ja weiter, und die Antwort hieß Luise Rubato in „Vorübergehend verstorben“, ein Drogenkrimi, der aus einem abgelehnten Tatort-Drehbuch entstanden war.

Spannung brachte er auch in einen mythischen Roman über Hiddensee, wo Peter mit der Familie (zählte Gerd Püschel eigentlich dazu?) viele Sommer verbrachte (dieses Buch erschien schon unter dem Dach von Aufbau). Und im Weihnachtsgeschäft des letzten Jahres erzielte seine Erfindung eines Krimis in 24 Kapiteln – als Adventskalender – einen Top 10-Rang bei Amazon. Dem Ideenmann gehen die Ideen einfach nicht aus.

Für mich war die Zusammenabeit mit Peter eine große Schule und Peter ein Lehrer im ganz altmodischen Sinn: nämlich ein Vorbild. Den wahnsinnig originellen Slogan, den ich ihm nach stundenlangem Brüten präsentierte, strich er mit sorgsamer Feder und begann mit mir an meiner Idee zu feilen oder eine neue Idee daran anzudocken. Am Ende dieses kreativen Prozesses standen dann ein Satz oder ein Text oder eine Kampagnenidee, die nichts mehr und nichts weniger leisteten, als etwas auf den Punkt zu bringen. Inspiration statt Dekoration. Und dann war da noch dieser legendäre Satz, den er in meine Richtung über den Flur rief, weil er einen Branchenrundruf des Aufbau-Verlags erhalten hatte und wohl ahnte, dass ich nicht in Reinbek bleiben würde: „Will jemand nach Berlin?“ – Ich wollte.

Die großen Taschenbuchaktionen des 5er Clubs hat er mit Leben und Ideen gefüllt, die Gründung des ersten Computer-Verlages „Systhema“ begleitet, und als das Instrument Taschenbuchaktion sich lahm lief, gründete er den Wunderlich Taschenbuch Verlag, ein Konzept dass, sagen wir: seiner Zeit voraus war und vom Verlag nicht konsequent genug umgesetzt wurde. Peter ging nach Berlin und übernahm den Berlin Taschenbuchverlag, wo er für seine Autoren da war und Freunde fand: Peter Esterhazy, Peter Nadas (den er von Rowohlt kannte) und viele mehr. Und wo wir beide uns wiederfanden – zunächst beim Badmintonspielen, später bei vielen gemeinsamen Abenden mit Gesprächen und Betrachtungen über die Branche (das immer weniger) und über die Welt (das immer mehr).

Und zu dieser Welt gehörte schon länger die islamische Welt, die ihn fasziniert hatte: die syrische Küche des Saliba aus Hamburg gab den Anstoß, glaube ich. Aber auch die Ornamentik islamischer Kunst war in ihrer Abstraktion möglicherweise eine Ergänzung für den sprudelnden Ideen-Mann. An seiner Seite stand fortan eine Frau, deren Humor ein ebensolches Gegenstück ist – und nicht nur darin ergänzen sie sich.

Weil Peter in der Folge dieser Begegnung eher mehr als weniger Ideen ausbrütete, gründete er mit Ingke Brodersen und Rüdiger Damann eine Ideenagentur, aus deren Werkstatt eine stattliche Zahl an Sachbuchbestsellern hervorging. Was also lag näher, als einen eigenen Verlag zu gründen? Das Baby Booklett aber wurde vom Vorstand der Klett-Familie einkassiert und liquidiert, noch ehe es laufen lernen konnte – schade!

Peter brütet weiter Ideen aus. So viele, dass er inzwischen neben dem Schreiben kleine und große Kunstwerke macht. Seit einiger Zeit sitzt er an einem großen Roman über Harro Harring, einen vergessenen deutschen Freiheitskämpfer aus dem Vormärz. Freiheit des Denkens, könnte man jetzt sagen, ist vielleicht so etwas wie ein Leitmotiv in seinem Leben. Die Ausbildung auf der Schiffswerft und die politisierten 60er Jahre. Wer auf Containerschiffen nach Südamerika und zu den Weltjugendspielen auf Kuba unterwegs ist, erfährt ein bisschen was über die Welt. Und wer sich an der Hochschule für Wirtschaft und Politik ausbilden lässt, kommt über das Politisieren schnell hinaus und verschafft sich ein eigenes Weltbild. Aber vermutlich würde Peter dieses Leitmotiv mit sanftem Federstrich verwerfen, weil es ihm ein bisschen zu pathetisch wäre.

Das kannst du aber mal aushalten, jetzt, wo du 60 bist.

Kontakt: Peter.Mathews@t-online.de

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