Thomas Montasser (50)

Thomas Montasser

Thomas Montasser wird heute 50 Jahre alt. Dem Literaturagenten und Schriftsteller gratuliert sein Verleger Johannes Thiele. Er findet: „Thomas Montasser hat viele Talente, er ist nicht nur ein Meisteragent“:

Irgendwann, Mitte der neunziger Jahre, saß er mir, dem frisch gebackenen List-Programmleiter, gegenüber, für seine jugendlichen Jahre in etwas zu exklusives Tuch gewandet, der feine Dreiteiler gehörte noch lange Zeit sozusagen zu seiner Standardausstattung. In unserer hemdsärmeligen Branche war Thomas Montasser also schon visuell ein Exot. Und dann das feine Understatement, mit dem er seine Autoren und Themen anbot, nie im geringsten marktschreierisch, nie allzu forciert und schon gar nicht aufdringlich. Er wusste jedoch stets um den Wert der von ihm vertretenen Autoren (und weiß es noch) und griff im Begeisterungsschwang zu manchem Superlativ, den man zumindest im Gespräch mit ihm nicht vermessen fand.

Irgendwann war Thomas Montasser in der damals noch sehr überschaubaren Welt der Literarischen Agenturen – in welcher inzwischen jeder Ex-Verleger glaubt, es reiche auch bei ihm mindestens zur Profession des Agenten – eine unverwechselbare Erscheinung. Pfiffige Jungenhaftigkeit, gepaart mit nobler Geschäftstüchtigkeit – eine unnachahmliche und ziemlich unwiderstehliche Mischung, die man nur bei ihm antraf. Dem etwas altmodischen Habitus dieses Gentlemans entsprach eine sehr attraktive Mixtur aus Hellwachsein, Melancholie, Formulierungsfreude, Optimismus, gegen die es im Grunde keine Gegenwehr gab.

Irgendwann fiel mir auf, dass „charmant“ zweifellos eines seiner Lieblingswörter war. Charmant konnte alles sein, ein Autor, ein Manuskript, die Lösung eines Problems, sogar ein Honorar. Mit diesem Wörtchen nahm er der Schärfe des Geschäfts die Spitze, es war wie eine süße Pille, die man gerne entgegennahm, um etwa die Schmerzen zu hoher Vorschüsse zu lindern. Und charmant war und ist er selbst, übrigens wie kein zweiter Literaturagent, wenn ich das so sagen darf.

Irgendwann, auf einer Buchpräsentation, stellte er mir seine Frau Mariam vor, die nicht weniger charmant ist als ihr Mann und bei Montasser Media seine gleichberechtigte Partnerin, so viel mehr also als »die Frau an seiner Seite«. Sie ist der wahre Glücksfall in seinem Leben und ein lebendiger und lebhafter Beweis meiner These, dass (wenn’s denn funktioniert), ein solches Paar in einer Firma wirklich unschlagbar ist (was ich auch aus eigener Erfahrung weiß).

Irgendwann kam ich in den Genuss des von ihm gestifteten Preises der »Goldenen Gurke« – für die schnellste Absage eines angebotenen Manuskripts oder Projekts. Es ist eine Auszeichnung von durchaus zweifelhafter Ehre, und seither versuche ich – obwohl Schöpfer des unsterblichen Aphorismus »Die Kunst des Verlegens ist, nein zu sagen«– meine Absagefreudigkeit zu zügeln.

Irgendwann stellte ich fest, dass ich zu Thomas Montasser seit Monaten und Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Wir hatten uns etwas aus den Augen verloren, vielleicht auch aus dem Sinn. Und das war, so empfand ich es, ein unhaltbarer Zustand.

Irgendwann bekam ich von ihm einen seiner legendären Jahresrückblicke, in welchen er die Erfolge seiner Agentur Revue passieren lässt – voller Stolz über das Erreichte, voller Hoffnung für das nächste Jahr und auch voller Einblicke in das unglaubliche Arbeitspensum dieses Meisteragenten. Inzwischen kann ich mir einen Jahreswechsel ohne diese Wetterberichte aus dem Haus Montasser Media gar nicht mehr vorstellen.

Irgendwann ließ er bei einem Treffen wie beiläufig fallen, dass er ein Manuskript habe, das … nun ja … von ihm selbst sei. Und ob ich nicht vielleicht mal einen Blick hineinwerfen wolle. Ich rekapitulierte rasch, dass er mal – vor langen Jahren – bei Claassen einen Roman mit dem Titel „Die verbotenen Gärten“ veröffentlicht hatte. Und dass er unter dem Pseudonym Fortunato im Kinder- und Jugendbuch unterwegs war. Sein Manuskript bot er mir an mit purem Understatement, sogar ohne das magische Wörtchen »charmant« zu verwenden. Kaum war er aus der Tür, las ich es mit minütlich wachsender Begeisterung, ließ anstandshalber einen Tag vergehen, bevor ich ihm sagte, dass ich Ein ganz besonderes Jahr liebend gerne im Thiele Verlag veröffentlichen würde (leider gab es für diese rasche Zusage keinen Preis). In der Vorschau schrieb ich den wahren Satz: »Dieses Buch kann ich nur mit meiner ganz persönlichen Empfehlung ankündigen und Ihnen ans Herz legen. Ich könnte auch sagen: Für solche Bücher habe ich meinen Verlag gegründet.« Klingt vielleicht etwas pathetisch, aber so ist es nun mal.

Irgendwann stellte ich fest, dass ich gegenüber Thomas Montasser freundschaftliche Gefühle zu hegen begann. Das passiert mir nicht oft bei Autoren und Agenten. Es gibt viel Seelenverwandtschaft zwischen uns, nicht erst, seit ich sein Buch Weil die Erde keine Google ist gelesen habe (ich hätte ihm von diesem etwas sprachakrobatischen Titel abgeraten, aber das Buch fand ich wirklich toll) – was für eine Hommage an das analoge Leben von diesem feinsinnigen Verteidiger der hellen Künste!

Nicht irgendwann, sondern heute wird Thomas Montasser 50 Jahre alt. Er ist längst einer meiner Lieblingsagenten (obwohl ich selten von ihm etwas angeboten bekomme, was in das ziemlich eigenwillige Programm des kleinen Thiele Verlag passt), ganz sicher einer meiner Lieblingsautoren und mit dem heutigen Tag – es sei gestanden und verkündet – einer meiner Lieblingsfreunde. Wir haben ziemlich genau zwei Jahrzehnte gebraucht bis zu diesem Punkt. Wir sind Spätzünder – aber gezündet hat es. Thomas Montasser hat viele Talente, und das schönste ist für mich nicht nur, dass er sie alle lebt, sondern dass ich an ihnen persönlich teilhaben darf. Es ist wirklich die reine Freude mit ihm.

Johannes Thiele

Falls Sie auch gratulueren möchten: thmontasser@montassermedia.de

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