Hans-Peter Übleis (60)

Hans-Peter Übleis

Hans-Peter Übleis wird heute 60 Jahre alt. Autor Peter Prange gratuliert dem Droemer Knaur-Verleger zum runden Geburtstag:

An meine erste Begegnung mit HPÜ erinnere ich mich sehr genau. Sie fand bei der Housewarming-Party statt, die die Droemers zur Feier ihres Umzugs in die Hilblestraße veranstalteten. Als Neuling unter den Autoren wartete ich ganz hinten in der Schlange, sah voller Bewunderung zu, wie der Hausherr charmierte und brillierte, jeden Gast wie einen alten Bekannten empfing, für jeden ein persönliches Wort hatte. Auch für mich? Dank Roman Hockes Vermittlung hatte ich zwar gerade zwei Bücher in der Verlagsgruppe untergebracht, „Das Bernstein-Amulett“ und „7 Wege zum Misserfolg“, doch dem Verleger selbst war ich noch nie begegnet.

Aufgeregt schielte ich zu ihm hinüber. Irgendwie kam er mir seltsam vertraut vor: diese vor Witz und Intelligenz sprühenden Augen, dieser Feldherrenblick – nur mit der Frisur stimmte etwas nicht … Wo hatte ich diesen Mann nur schon gesehen? Bevor ich die Antwort wusste, stand ich HPÜ gegenüber. Als ich meinen Namen und den Titel meines ersten Romans nannte, wichen für einen Moment Witz und Intelligenz in seinen Augen einem irritierten Fragezeichen. Um die Peinlichkeit zu überbrücken, fügte ich rasch den Titel meines zweiten Buchs hinzu. Und schon kehrte der heilige Geist in meinen Verleger zurück „Ah – der Misserfolgs-Autor!“

Beim Lachen fiel ihm eine Strähne in die Stirn (ja, so lange ist das her) und kräuselte sich zur Locke. Plötzlich erkannte ich ihn: Napoleon! Es fehlten nur der Dreispitz, die Uniform und die Stulpenstiefel – selbst die zwei Finger der rechten Hand klemmten unter der Weste, während er auf den Fußballen wippte. Die Erkenntnis erfüllte mich mit Zuversicht. Hatte Napoleon nicht seinen Söldnern versprochen, jeder Corporal trage einen Marschallstab in seinem Tornister?

In das Heer eines solchen Mannes trat ich freudig ein. Ich sollte es nicht bereuen: Unter HPÜs Kommando schwärmten meine Bücher von München über ganz Deutschland aus, drangen in viele Länder Europas vor, manche marschierten sogar über die Grenzen des Kontinents hinweg, und ich selbst machte unter meinem obersten Dienstherrn Karriere vom einfachen Schreibsöldner zum Autor im Offiziersrang. Und während die Auflagen meiner Bücher in immer erfreulichere Höhen stiegen, wuchs von Titel zu Titel die schwungvolle Unterschrift meines Verlegers unter unseren Verträgen – so groß und siegesgewiss prangte sie bald neben meinem Namenszug wie Napoleons Unterschrift unter der Siegesurkunde nach dem Ägypten-Feldzug.

Doch dann hatten auch wir unser Waterloo. Zu Beginn des Jahres 2010 unterschrieben wir einen Vertrag, der unser Verlagsverhältnis beendete. Nach neun Jahren und ebenso vielen Büchern hatte sich gezeigt, dass meine Entwicklung als Autor und die Vorstellungen des Verlags nicht mehr so ideal zusammen passten, wie es lange Zeit der Fall gewesen war. Die Schuld für dieses schleichende Entfremdung lag eindeutig bei mir: Ich bin als Autor zu widersprüchlich, als dass mit mir Erfolg in einer Weise planbar wäre, wie es ein strategisch denkender Verleger vom Schlage HPÜ´s füglich erwarten darf … Meine Unterschrift unter dem Auflösungsvertrag fiel so klein und zittrig aus wie die Napoleons unter der Kapitulation von Waterloo. Doch während ich zum Abschied nur leise Servus sagte, um HPÜ mit einer Träne im Knopfloch meinen Tornister zurück zu geben, bewies er auch in der Stunde der gemeinsamen Niederlage napoleonische Größe. Statt mir Fahnenflüchtigem zu zürnen, wie es sein gutes Feldherrenrecht gewesen wäre, schenkte er mir ein Buch: den Briefwechsel des Autors Thomas Bernhard mit seinem Verleger Siegfried Unseld.

Hier wäre unsere Geschichte eigentlich zu Ende. Doch wie jede ordentliche Geschichte hat sie einen Epilog. Gerade hat die EOS-Gruppe die Verfilmungsrechte an der „Gottessucherin“ erworben, unserem letzten gemeinsamen Buch: dieselbe Produktionsfirma, die vor wenigen Jahren den großen internationalen Vierteiler „Napoleon“ herausgebracht hat.

Ich freue mich jetzt schon darauf, lieber Hans-Peter, zusammen mit Dir den Produktionsvertrag zu unterschreiben. Mit dem alten napoleonischen Schwung, der Dir hoffentlich für immer erhalten bleibt!

Kontakt über: Petra.Dierig@droemer-knaur.de

Möchten auch Sie jemandem aus Ihrer Buchhandlung/Ihrem Verlag zum „Runden Geburtstag“ gratulieren? Dann mailen Sie uns einen kleinen Text und ein Foto des Jubilars/der Jubilarin: redaktion@buchmarkt.de, Stichwort: Runde Geburtstage

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