Dr. Heinrich Reclam (100)

Dr. Heinrich Reclam

Dr. Heinrich Reclam wäre heute 100 Jahre alt geworden. Der Urenkel des Verlagsgründers Anton Philipp Reclam wurde 1910 in Leipzig geboren. Er studierte Germanistik, Philosophie und Volkswirtschaftslehre in Breslau, München und Leipzig und promovierte bei Hermann August Korff zum Dr. phil. Es folgte eine Buchhändlerlehre bei Gräfe & Unzer in Königsberg, unterbrochen von Kriegsdienst und Gefangenschaft. In München und Stuttgart setzte Heinrich Reclam ab 1946 seine Ausbildung fort und schloss sie 1948 als Volontär in der Herstellung des Stuttgarter Georg Thieme Verlags ab.

Bereits 1946 war Heinrich Reclam persönlich haftender Gesellschafter des Leipziger Stammhauses geworden. Am 1. April 1947 wurde nach Erteilung einer Lizenz durch die amerikanische Militärregierung die Reclam Verlag GmbH in Stuttgart gegründet, um auch die westlichen Besatzungszonen mit der Universal-Bibliothek und anderen Reclam-Buchproduktionen beliefern zu können. Heinrich Reclam trat am 15. November 1948 ins Lektorat der Stuttgarter Firma ein, 1949 wurde er Geschäftsführer, 1953 persönlich haftender Gesellschafter und alleiniger Verlagsleiter.

Es war Heinrich Reclam, der die Idee fasste, die Universal-Bibliothek in Stuttgart wieder aufzubauen, und dieses Vorhaben konsequent ins Werk setzte. Zwischen 1949 und 1953 wurden in Abständen von 1–2 Monaten 44 Serien mit 360 Titeln der UB auf den Markt gebracht. Zum hundertjährigen Jubiläum der Universal-Bibliothek im Jahr 1967 waren 1.120 Titel lieferbar. Seit 1978 leitete Heinrich Reclam den Umzug aus den zu klein gewordenen Räumlichkeiten in der Stuttgarter Mönchstraße in neue Gebäude in Ditzingen in die Wege, der 1980 abgeschlossen wurde.

Als Hobby betrieb Heinrich Reclam die Fotografie; für Reclams Kunstführer und Werkmonographien nahm er gerne selbst Bilder auf. Charakteristisch für Heinrich Reclam ist folgende Episode: Als er 1979 für das „Buchmagazin“ als „Verleger-Persönlichkeit“ porträtiert werden sollte, wehrte er sich: „Wir leisten … unsere Arbeit im Verlag als Team, aus dem ich mich nicht persönlich herausgehoben sehen möchte“. Und seine verlegerische Leistung sah er im Zusammenhang der Tradition: „Ich sehe mich nicht als Schöpfer, sondern als tätiger Erbe unseres Verlages.“

Als Heinrich Reclam am 11. August 1984 starb, war die Universal-Bibliothek auf rund 2000 Titel angewachsen. Der Nachruf der FAZ am 14. 8. 1984 schließt mit folgenden Worten: „Noch in der Woche vor seinem Tode hatte er im Verlag gearbeitet: ein Verleger der Art, wie sie auszusterben beginnt – umfassend gebildet, ein Kenner des Metiers und ein ehrlich Kaufmann dazu. Was Thomas Mann 1928, in seiner Festrede zur Hundertjahrfeier des Verlags Philipp Reclam, von diesem Berufsstand forderte, hatte Heinrich Reclam sehr wohl gehört und sich selber zur Maxime werden lassen: Geschäftssinn und strategische Geistfreundschaft auf glückliche Weise zu mischen.“

www.reclam.de

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