Michael Then (50)

Michael Then

Michael Then wird heute 50 Jahre alt. Christian von Zittwitz gratuliert dem Marketingeleiter bei Piper zum runden Geburtstag:

„Der Urheber dieses Tumults war ein kleiner, dicker Junge von vielleicht zehn oder elf Jahren …“ So beginnt auch Michael Thens Geschichte als Buch-Mensch. Geboren in Freyung v. Wald, „mitten im Bayerischen Wald, der Wiege der europäischen Kultur“ wie er lachend sagt, träumte er nach dem Abitur (nach „ersten bibliophilen Tauchversuchen im Antiquariat Kitzinger“) noch davon, selbst ein Antiquariat zu eröffnen. Da fiel ihm Michael Endes „Die unendliche Geschichte“ in die Hände, die mit eben diesem Satz beginnt. Und ihm fiel der Satz seines Taufpaten ein, der schon früh seine Leselust angefeuert hatte: „Wenn Du so weiter machst, dann wirst du mal Lektor, die bekommen für das Lesen Geld“.

Der Gedanke, mit Lesen Geld zu verdienen, hat ihm offensichtlich gefallen und durchs Germanistik-Studium begleitet. Sein Professor hat dann eine entscheidende Weiche gestellt, als seine Studenten ein Konzept für einen postgraduierten Studiengang erarbeiten sollten. Das dafür nötige Praktikum, um aus der Berufswelt des Büchermachens berichten zu können, machte er bei Callwey, dessen Verleger Helmuth Baur-Callwey auch gerade ein neues Ausbildungs-Konzept umsetzen wollte. Then wurde sein erster Schüler für den „Verlagskaufmann“ – und war sofort so nachhaltig vom Büchermachen begeistert, dass er nach Ende des Praktikums als Lektor im Verlag blieb.

Mit 28 Jahren hat er erstmals mit dem Bücherlesen Geld verdient, aber er hat dann auch schnell gemerkt, dass seine Begabung mehr das Erzählen von Geschichten war: Er wurde bei Callwey zusätzlich noch Pressesprecher.

Dabei kam er im Gespräch mit Ulrike Ramsauer auf die Idee, einen Arbeitskreis für Pressesprecher ins Leben zu rufen – was Folgen hatte: Aus einem „Stammtisch“ wurde die erste länderübergreifende Erfa-Gruppe der Pressesprecher in Deutschland, Österreich und der Schweiz und aus dem Pressesprecher bei Callwey nebenher ein jahrelanger Referent bei der Akademie des Deutschen Buchhandels.

Der nächste Schritt war dann die Umsetzung der Idee einer „speakers agency“, die der damalige Econ-Verleger Dr. Hero Kind aus den USA mitgebracht hatte. Begeistert von dieser neuen Form, „einen Autor ins Gespräch zu bringen“, entstand daraus die Econ-Referentenagentur, die er bis zum Ausscheiden des Verlegers gemeinsam mit Ulrike Ramsauer führte. Neben Konzepten und Akquisen beschäftigte ihn damals vor allem eine Plattform „für all die tollen Geschichtenerzähler“ (Then) – der „Econ Zukunftstag“, der Politik, Wirtschaft und Autoren zusammenbrachte.
Wie es weiter ging, hat er in unserer seit langem bestehenden Runde*, die sich einmal im Jahr am geheimen Ort in Leipzig trifft, erzählt: „Was macht man mit 30 Jahren, wenn man mit Politikern und Industriellen umgeht, gutes Geld verdient und langsam an eine Familie denkt? Man lernt am besten einen Verleger kennen, der einem frisch von der Leber erzählt, dass er zwar derzeit nur einen Verlag besitzt, aber demnächst noch mehr Verlage kaufen und gerne eine zweite Verlagsgruppe neben Bertelsmann aufbauen will. Und der einem von Anfang klar macht, dass Stillstand schlecht ist, es sei denn, man braucht den Stillstand für den Geist oder die Seele. Auch wenn anfangs viele Kollegen über diese Vision gelacht hatten, mir war schnell klar, dass dieser neue Job als Pressesprecher viele Geschichten birgt, die es lohnt zu erleben und gestalten, ob das der Scoop um Anonymus und ‚Primary Colours’, Annie Proulx und ‚Schiffsmeldungen’, Anna Porter und ‚Mord auf der Buchmesse’, das Medienspektakel um Oskar Lafontaine und seine Abrechnung ‚Das Herz schlägt links’ oder die schier unlösbare Aufgabe, Boris Jelzin auf der Frankfurter Buchmesse mit seinem Buch zu präsentieren – jeder Autor ist eine eigene Geschichte von Erfolg und Misserfolg.“

Wir als Beobachter haben das von außen miterlebt: Im Laufe der Jahre wurden es 27 Verlage, Christian Strasser lebte seine Vision, und Michael Then war als sein Pressemann ganz nah „dran“ – als Geschichtenerzähler, der bald mehr Geschichten über denVerleger wusste als über die Bücher.

„Verstehen kann man das Leben rückwärts, leben muss man es vorwärts“, hat es Sören Kierkegaard einmal ausgedrückt. Der Volksmund sagt: Hinterher wissen es alle besser.
Marketing versucht aus dieser Weisheit eine Strategie zu entwickeln, um herauszufinden, welche Geschichten die Leser suchen, ohne dass sie von dieser Suche etwas wissen. Michael Thens These dazu: „Storytelling als Instrumentarium ist von zentraler Bedeutung, denn nur in der Inszenierung wird der Inhalt zum Leben erweckt.“

Diese Chance, Bücher neu als Hörbuch und E-Books zu inszenieren, kam für ihn dann in der Verlagsgruppe Ullstein Heyne List, als er dort beide Bereiche verantworten und ausloten konnte. Nach dem Verkauf des Hörbuchbereichs an die Verlagsgruppe Random House übernahm er dann die Werbeleitung für die Goldmann Verlage.

Als Mitglied der Piper Geschäftsleitung schließt sich jetzt für ihn vorerst ein Kreis: Michael Endes „Unendliche Geschichte“ ist dort gerade erst (im Mai 2010) im Taschenbuch erschienen. War dieser Wechsel die richtige Entscheidung für ihn als „Geschichtenerzähler“? Thens Antwort: „Jede gute Geschichte hat einen Anfang und vor allem ein Ende. Der letzte Satz bei Michael Ende lautet: ‚Und Herr Koreander irrte sich nicht. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.’“
Dein C.

* das sind Gerald Schantin, Ulrich Sonnenberg, Rainer Groothuis – die gemeinsam mit mir unserem „Jüngsten“ in der Runde zum runden Geburtstag gratulieren.

Kontakt: michael.then@piper.de

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