Peter Haag (50)

Peter Haag

Peter Haag wird heute 50 Jahre alt. Sein Autor Gerhard Polt gratuliert ihm zum runden Geburtstag:

Dass Peter Haag 50 Jahre alt wird, hat er weitestgehend sich selbst zu verdanken. Jedenfalls hat er, nachdem er bereits 30 Jahre vollendet hatte, nochmals ganze 20 dazu gelebt. Und wenn man bedenkt, dass er vor nicht allzu langer Zeit zehn Jahre alt war, dann ist seine Leistung noch höher einzuschätzen. Und diese nicht nur als Verleger sondern durchaus auch als Herausgeber. Sagen wir es ruhig wie es ist: Er hat ediert und zwar mit nachweislicher Begeisterung.

Ich persönlich kenne und schätze diesen Herrn Haag schon geraume Zeit sowohl als Fußgänger, Weintrinker, Verzehrer von Zürigschnetzeltem, als auch als Kraftfahrer, Frühstücker, Vater und Gesprächsteilnehmer. All diese seine herausragenden Eigenschaften möchte ich aber ungern ihrer Intimität entreißen.

In seiner Eigenschaft als Verleger jedoch, und das im Alter von 50 Jahren, sage ich ohne Scheu in aller Öffentlichkeit „Respekt Peter“ und verharre in chronischer Hochachtung.

Auch Autor Veit Heinichen gratuliert aus seiner italienischen Wahlheimat Triest:

„Alter Sack!“, sagt man nicht, natürlich nicht! Das ist nicht nett, mögen manche meinen. Die geht’s eigentlich viel mehr an als sie denken. Aber es kann auch eine völlig andere Bedeutung haben. Die kennen nur wir. Und mit den verflossenen Jahren hat es schon gar nichts zu tun. Selbst, wenn Harry Rowohlts 65. Geburtstag genau auf den gleichen Tag fällt.

Bei dem wäre schon eher das Eingangszitat angebracht. Und zwar mit Ausrufezeichen, das wir uns – unter Blutsbrüdern – stets ersparen konnten, selbst wenn „Pu. Der Peter“ ihn verlegt, druckt und presst, als Buch, CD, iPhone-Ikone sowie in Form aller anderen Derivate. Heute geht es aber aber nur um Dich, Peter – und unsere jetzt schon ein Vierteljahrhundert dauernde Freundschaft.

Der Demographie folgend machst Du grad Halbzeit: Als Sprößling einer dreigenerationigen Buchhändlerfamilie wurdest Du laut Luzerner Meldeamt dort am 27. März geboren. Hier verrate ich aber nur, was alle auch lesen dürfen:

Frühe Widder, so die Horoskope, haben einen unbezwingbaren Freiheitsdrang, keine Mauer sei für ihren Schädel (uff schwyzerdütsch: Grind) zu dick, Weitblick, Courage und Sturheit. Unternehmerische Visionen, unwiderstehlicher Charme, Schärfe und Wendigkeit sei ihnen zu eigen. Nun denn, der Verfasser dieser Festrede weiß, wovon er spricht, hätte man ihm selbst schließlich erst gestern gratulieren müssen.

In Zürich war’s, wo wir uns gefunden haben. Du warst die junge Marketing-Eule bei Haffmans, ich die bei Ammann, zwei soeben gegründete Verlage – und leider gehören sie heute zu den Opfern eitlen Verlegerwahnsinns vergangener Tage oder, im zweiten Fall, der Langweiligkeit des Konzentrationsprozesses der Branche. Hellsichtigkeit und der Drang nach Unabhängigkeit aber setzen immer wieder den entscheidenden Punkt.

Kein &Aber war zuvor kein Verlag, sondern das überzeugende Label der Betreibergesellschaft eines sehr eigenen Restaurants in Zürich, das natürlich unter so falschen Prämissen erfunden wurde, ganz wie mein damaliger Rotweinimport. Doch im Gegensatz zu manchem Bankenkonsortium hatten wir schon vorher gelernt, dass die Bilanz stimmen muss. Und so verhielt es sich mit der in die Bücher investierten Energie.

Es gibt nur ein einziges Ziel eines Verlags, und leider wird es viel zu oft vergessen: „Die größtmögliche Verbreitung für die Stoffe zu finden, die man sich zu publizieren entschließt.“ Du warst darin schon damals wendig und innovativ und bist es bis heute geblieben, von der Verlegernase ganz zu schweigen! Während andere Pleite machten, rausgeworfen wurden oder zu Angestellten mutierten, die mit entlehnter Moral die eigene Niederlage kaschieren, ziehen andere davon. Denn die Verlagswelt jenseits der Konzerne existiert noch, Gott sei Dank, und verlegt auf Teufel komm raus Bücher, die wir nicht missen möchten. Damit bist Du gemeint:

Du hast den Kein & Aber Verlag 1997 gegründet – und der lebt und blüht!, nun schon im 13. Jahr. Und ich bin einer seiner treuen Leser. Von Anfang an.

Wer hat es schon geschafft, von Null auf Klassiker wieder aufzupäppeln und die Jungen nicht zu vergessen? Das warst Du, Pu. Der Peter. Harry Rowohlt war Saufpate, Gerhard Polt die Tauftante. Und neben ihnen in Üppigkeit versammelt die jungen Wilden aus der Schweiz und aus Deutschland und aus dem Rest der Welt. Doch ich schätze mich vor allem glücklich, das Meisterwerk, die Gesamtausgabe eines der wundersamsten Stilisten des 20. Jahrhunderts, wieder entdecken zu dürfen und verblasse vor Neid: Truman Capote. Lest, Leute, lest! Und vergesst nicht Steve Tesich und David Nichols. Das sind Texte, das sind Bücher!

Peter, erinnerst Du dich, wie oft wir darüber redeten, während unserer vielen Fluchten, weg von Zürich, weg von Berlin. Ab ins Ungewisse, unseren Aufbrüchen entgegen? Das war bei Ella Fitzgerald in Juan Les Pins an der Côte d’Azur, bei Rathenau und Hemingway in Rapallo an der ligurischen Küsten, in Montreux am Genfer-See bei Nabokov. Von den Bestsellerlisten, in denen wir später landeten, redeten wir allerdings nie. Doch jedes Mal diskutierten wir darüber, wie der Sprung ins Ungewisse auszusehen hatte. Inhalte, natürlich. Inhalte zu schaffen, zu verlegen, zu verbreiten – und immer im Bewusstsein, dass aller Erfolg nie der Eitelkeit eines Einzelnen zu verdanken, sondern stets das Resultats eines Teams ist.

Du hast es geschafft. So feiern wir Deinen 50. Geburtstag freudig mit Dir und Anuschka, der Mamma von Fanny, der kleinen dreijährigen Leserin, die vom Pu nicht lassen will. Und ich als Gratulant erinnere mich sehr wohl daran, wie unser Gewieher nicht einhielt ob der Worte Gerhard Polts in einer lauen Berliner Nacht in der Pariser Straße: „Meine Frau und ich haben eine Weltreise gemacht. Ich sag gleich wie’s ist: Da fahr mer nimma hin.“ Und Du fügtest hinzu: „Confuse the Cat!“

Denkt euch dabei, was ihr wollt und hebt die Gläser. Auf, Peter, der Aufbrüche kein Ende – wann buchen wir die nächste Reise? Sei zum Geburtstag herzlichst umarmt.

(Kontakt: p.haag@keinundaber.ch

Möchten auch Sie jemandem aus Ihrer Buchhandlung/Ihrem Verlag zum „Runden Geburtstag“ gratulieren? Dann mailen Sie uns einen kleinen Text und ein Foto des Jubilars/der Jubilarin: redaktion@buchmarkt.de, Stichwort: Runde Geburtstage

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.