V. E. Klostermann (60)

Vittorio E. Klostermann

Vittorio E. Klostermann wird heute 60 Jahre alt. Stroemfeld-Verleger K.D. Wolff gratuliert ihm zum runden Geburtstag:

Als Vittorio Klostermann mit Prof. Roland Reuß den „Heidelberger Appell“ initiierte und die Verteidigung des Urheberrechts zum Thema im Bundestagswahlkampf machte, konnten wir im letzten Jahr nur staunen! Im Vorfeld der Auseinandersetzungen um die Raubzüge von Google und dem Zwang zu Open Access publizierte Vittorio wegweisende Artikel, jetzt ist der Diskussionsband vom Frankfurter Symposium „Autorschaft als Werkherrschaft in digitaler Zeit“ bei ihm erschienen. Wohl kaum würde einem unbefangenen Beobachter einfallen, dass der souveräne Verleger Klostermann sein Engagement in den 70er Jahren bei den Jusos begann – und damals beinahe eine SPD-Veranstaltung mit Willy Brandt und Mario Soares sprengte. Mit Transparenten zogen Vittorio Klostermann und seine Juso-Genossen vor die Tribüne und forderten „Freiheit für die politischen Gefangenen“ – in Portugal.

Als damals Zeitungen in Frankfurt berichteten, bot Vittorio seinem Vater an, aus dem Verlag auszuscheiden. Er fürchtete, sein Vater könnte seinetwegen mit Verlagsautoren, etwa mit Martin Heidegger, Probleme bekommen. Der Vater und Verlagsgründer lachte und wies das Angebot zurück. So waren die Weichen gestellt, den Verlag Vittorio Klostermann, den Verlag der Heidegger-Werkausgabe, den renommierten philosophischen Wissenschaftsverlag, in der Familie weiterzuführen.

Das schien damals ganz selbstverständlich, arbeitete doch auch Vittorios mehrere Jahre älterer Bruder Michael schon im Verlag. Weniger selbstverständlich war, dass die beiden Brüder ab 1977 nach dem Tod von Vittorio Sr. das Unternehmen gemeinsam weiterführten. Einige Autoren betreute der eine, einige der andere Bruder. Vittorio war verantwortlich für die EDV und programmierte für die Auslieferung, Grundsatzfragen wurden gemeinsam entschieden.

Seit 1992, nach Michael Klostermanns frühem Tod, führte Vittorio den Verlag alleine, im Hintergrund unterstützt von seiner Mutter Helena, von der er seine schönen Augen hat.

Ich habe Vittorio Anfang der 80er Jahre im „Taunus-Kreis“ kennen gelernt und wir befreundeten uns rasch. Im „Taunus-Kreis“, einem informellen Treffen von kleineren selbständigen Verlegern, werden einmal im Jahr an einem Wochenende gemeinsame Probleme verhandelt. Damals ging es noch darum „Wie kann ich den Verlag übernehmen?“. Jetzt wird eher gefragt „Ob eigene Kinder wohl den Familienverlag weiterführen könnten?“
Zusammen haben wir das Frankfurter Literaturhaus initiiert und waren im Gründungsvorstand, Vittorio noch länger als ich. Sein Vater hatte nach dem Krieg die Frankfurter Buchmesse mitbegründet, und er war auch Vorsteher des Börsenvereins gewesen. Natürlich musste Vittorio annehmen, als er in den Börsenvereinsvorstand gewählt wurde. Aber er konnte auch zurücktreten, als der Apparat dort zu meinen schien, den Vorstand nur zum Abnicken zu brauchen.

Vittorio hat – nach einer kurzen gescheiterten Ehe als junger Mann – erst relativ spät geheiratet, aber die selbstbewusste und fröhliche Karin Kraus, seine promovierte Frau, die eine Beratungs-Firma in Frankfurt betreibt, bekam gleich die schöne und kluge Tochter Maja, die jetzt auch schon bald elf ist. Vittorio ist sportlich, elegant, großzügig und „gut-bürgerlich“, wie es das fast nicht mehr gibt – so macht er alles.

Ich wundere mich jetzt, dass er mich bald zu einer seiner großen Wander-Touren in die „Weißen Berge“ nach Kreta mitnahm – er leichtfüßig, ich immer leicht erschöpft. Aber würden wir uns sonst wirklich kennen gelernt haben? Am Anfang ist er manchmal mit mir geschwommen, jetzt segelt er lieber und spielt Tennis. Vor ein paar Jahren hat er sich ein Ferien-Domizil am Bodensee eingerichtet. Vittorio liebt moderne Kunst: Wenn ihm ein Wunder-Drache von Niki de Saint Phalle gefällt, geht er so lange ins Museum, fotografiert und zeichnet, bis er ihn sich nachbauen kann, inkl. elektrischer Leuchten auf dem Schwanz!

Vittorio ist mir gleichzeitig jüngerer und älterer Bruder, er kann unbeschwert albern sein, er kann viel besser rechnen als ich und ist oft viel vernünftiger – nie würde ich ihn auf 60 schätzen! Herzliche Glückwünsche!

Kontakt: verlag@klostermann.de

Möchten auch Sie jemandem aus Ihrer Buchhandlung/Ihrem Verlag zum „Runden Geburtstag“ gratulieren? Dann mailen Sie uns einen kleinen Text und ein Foto des Jubilars/der Jubilarin: redaktion@buchmarkt.de, Stichwort: Runde Geburtstage

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