20 Jahre Magazin Buchkultur

Die Buchkultur-Herausgeber Nils Jensen, Michael Schnepf (r.)

„Bravo! Mit dem Motto ‚Man entscheide sich für das Richtige’ ist die Zeitschrift Buchkultur 1989 angetreten und hat die ausgetretenen Pfade zweifellos verdienstvoller Literaturzeitschriften verlassen.“ Das schrieb Johanna Rachinger vor exakt zehn Jahren, damals Geschäftsführerin des größten österreichischen Privatverlags, Carl Ueberreuter, heute die Direktorin der österreichischen Nationalbibliothek. Und weiter betonte sie: „Ein neu konzipiertes Magazin für jene ist entstanden, die sich für Literatur, für Bücher und für AutorInnen interessieren.“

Begonnen hatte alles 1988 bei einem ungarischen Wirten im 5. Wiener Gemeindebezirk. Dort wurden die ersten Themen sondiert, Aufmachung und Vertrieb diskutiert, Mitarbeiter eingeladen – nicht nur „auf ein Bier“. Der eigentliche Anfang wurde 1989 in einem außerordentlichen Jazz-Lokal gebührend gefeiert, das Karl „Charlie“ Ratzer, ein Gitarrist erster Güte, kurz zuvor gegründet hatte. „Camarillo“ hieß das Lokal, im Souterrain gelegen und mit dem Flair verrauchter Bohemiens.

Nach mittlerweile vier umfangreichen LeserInnen-Umfragen wissen die BlattmacherInnen ziemlich genau, was die Leserschaft von diesem Magazin erwartet: Mit viel Gespür wie auch Wissen ausgesuchte Buchempfehlungen, dazu Originalbeiträge in Form von Hintergrundgeschichten, Interviews, Kurzmeldungen und eben viele Rezensionen.

Das Jubiläumsheft

Keine Literaturzeitschrift, sondern ein Literaturmagazin ist somit herausgekommen. Ein Markenzeichen sind beispielsweise die hausgemachten Interviews, die Mitarbeiterinnen und Redakteure sind am „Tatort“, meist inklusive Fotografen. Und befragten Tschingis Aitmatow ebenso wie Ilse Aichinger, H.C. Artmann, Heimrad Bäcker, Inger Christensen, Doris Gercke, Norbert Gstrein, Peter Høeg, John Irving, Ernst Jandl, Elfriede Jelinek, Michael Köhlmeier, Pavel Kohout, Donna Leon, Jakov Lind, Robert Menasse, Sten Nadolny, Harry Mulisch, Sibylle Mulot, George Tabori, Peter Turrini, Leon de Winter, Gabriele Wohmann u.v.a.m.

Themen wie „Erotik&Literatur“ mit Beiträgen von Dorothea Zeemann und Hans-Heinz Hahnl waren Aufreger; Hermann Nitsch, Erwin Puls und Gertrud Fussenegger führten einen Disput über „Kunst&Kirche“; ein seltenes Kleinod das Interview mit der Witwe des großen Jorge Luis Borges. Der US-amerikanische Autor John Irving stellte während des Buchkultur-Gesprächs anläßlich der Buchmesse 1995 fest, daß seinem Freund Günter Grass schon längst der Literatur-Nobelpreis gebührte. Damals schüttelten manche den Kopf ob dieser Aussage. Vier Jahre drauf hatte Grass den Preis. Und Buchkultur mit Schmunzeln eine schöne Geschichte.

Schön auch jene Geschichte, die ihren Ausgang bereits im ersten Heft nahm, als ja noch Primärtexte abgedruckt wurden. Unter anderen auch ein Auszug des Romans „Cerreto“ von Walter Kappacher. Dessen Werk damals leider nur Literaturkennern und -liebhabern bekannt war. Im heurigen Jahr ein großes Buchkultur-Interview – als ob man’s gewusst hätte: Kurz darauf kam die Meldung, dass Kappacher den bedeutenden Büchner-Preis erhält.

Anlässlich seines 70. Geburtstages sagte Ernst Jandl ins Buchkultur-Mikrofon zum Thema „Trivial- und Hochliteratur“: „Man sollte das fallen lassen. Es gibt nur gute und schlechte Bücher!“ Punktum. Damit das weiter so gehalten wird, hat sich Buchkultur bereits für die Leseanfänger was überlegt. Sogar für die, die noch gar nicht lesen können: Vorlesen heißt das Zauberwort – Kinderbücher und Jugendliteratur haben daher einen Fixplatz im Magazin.

Als man begann, 1989, stand noch kein Computer zur Verfügung, erfolgte der Seitenumbruch händisch mittels Klebemontage, war die Adressendatei in Karteikästchen untergebracht, kommunizierte man per Fax und Telefon. Heute sind alltägliche Medien kein Thema mehr, was die Zukunft bringen wird, das schon! Buchpreisbindung und E-book, Urheberrecht und www.2, Lesevergnügen und Online-Buchhandel.

Nach wie vor, bei allen Veränderungen technischer wie themenbezogener Art und Weise, präsentiert sich das Magazin Buchkultur als Lese-Mittel, von Buchliebhabern und Neugierigen gemacht, die sowohl Sinn für das Ausgefallene und Seltene haben als auch für den Page-Turner, den Bildband, das Sachbuch mit Pfiff. Ein Buchmagazin, einzigartig im deutschsprachigen Raum.

Das Unternehmen
Gegründet: 1989
Geschäftsführender Gesellschafter: Michael Schnepf
2001: Übernahme der Firma Buchmarketing

Neben dem Magazin Buchkultur wurden im Laufe der Jahre zusätzliche Initiativen und Aktivitäten gestartet, die Tätigkeiten gliedern sich in 3 Segmente:

1. Branchenprojekte:
Schon frühzeitig wurden Informations-Netzwerke entwickelt und dazu unterschiedliche Arbeitsgemeinschaften gegründet. Zusammenarbeit mit mehreren Ministerien, NGOs sowie Wirtschaftsunternehmen wie der Frankfurter Buchmesse. Im Rahmen dieser Netzwerke werden Initiativen ins Leben gerufen und Projekte durchgeführt, die sich mit den Themen Buch und Lesen im engeren, aber auch der Medien- und Contentbranche insgesamt beschäftigen.
1996: Gründung der Arbeitsgemeinschaft Multimedia im Buchhandel
1999: Mitinitiative zur österreichischen Arbeitsgemeinschaft „Welttag des Buches“
Konzeption und Durchführung von jährlichen Aktivitäten
2000: Start eines Digitalisierungsprojektes zur österr. Kinder- und Jugendliteratur (ALIDA) 2000: Technologietransferprojekt „Digitaldruck“
2001: Initiative zum Exportcluster foreign-rights.at
Österreichische Plattform für den Rechte- und Lizenzverkauf
2003: Start der 1. Büchersendung im Internet: BuchTV
2008: Initiative zur Aktion „Woche des Wissens und Forschens“
Konzept und Durchführung der Aktionswoche sowie des Wissenschaftsbuch-Awards

2. Herausgabe von Medien:
Seit 1989 erscheint das Magazin Buchkultur sowie diverse Sonderhefte (thematisch und regional) in Auflagen bis zu 120.000 Exemplaren. Darüber hinaus Publikationen zum Buch- und Medienmarkt, z.B. „Massenmedien in Österreich – Medienbericht“ (Forschungsbericht Wissenschaftsministerium), „österreichs content industry“ (Studie im Auftrag des BMWA), „Buchverlage in Österreich“ (Studie im Auftrag BMVIT), „Gutenbergs Zukunft“ (Publikation zur Zukunft des Buches und des Lesens), „Verlagsführer Österreich“ (5. Auflage 03/2008).

3. Dienstleistung:
Mit der Basis des spezialisierten redaktionellen Know-Hows und der entsprechenden Infrastruktur werden Dienstleistungen im redaktionellen Bereich durchgeführt. Dies reicht von Empfehlungslisten, der Erstellung von kompletten Buchmagazinen, Artikel für Branchenblätter bis hin zur Betreuung der österreichischen Auslandsbibliotheken im Auftrag des Außenministeriums oder inhaltlichen Konzepten für Veranstaltungen.

Schwesterfirma Buchmarketing:
1991 gegründet, Spezialisierung auf wissenschaftliche und konzeptionelle Aufgaben für die Buchbranche (öffentlicher und institutioneller Bereich, Firmen) sowie die Durchführung von Projekten, z.B.:
– Mitarbeit beim Österreich-Schwerpunkt bei der Frankfurter Buchmesse 1995
– Entwicklung von „National Vocational Qualifications“ (EU-Projekt New Book Economy)
– Mitarbeit bei der Entstehung des Literaturhauses München
– Konzeptionierung und Umsetzung von Literaturprojekten bei der EXPO2000 in Hannover
– Beratung der Frankfurter Buchmesse
– Beratung des österreichischen Wirtschaftsministeriums im Bereich der Neuen Medien
– Studie im Auftrag des Wissenschaftsministeriums „Wissensvermittlung & Buchmarkt“
– Mediennutzungserhebung bei Jugendlichen im Auftrag des Unterrichtsministeriums

www.buchkultur.net

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