Peter O. Chotjewitz (75)

Peter O. Chotjewitz

Der Autor Peter O. Chotjewitz wird heute 75 Jahre alt. BuchMarkt-Redakteur Ulrich Faure gratuliert ihm zum runden Geburtstag.

Lieber Pit,

eigentlich kennen wir uns noch gar nicht lange genug, als dass ich mich zu einer Eloge auf Dich (und Deinen) 75. Geburtstag aufschwingen dürfte, aber Du würdest es albern finden, wenn ich erst mal einen Zeitraum abdienen müsste, um dann irgendwann – sagen wir zum 85. – schreiben zu dürfen.

Über Dein umfangreiches Werk (eigene Bücher und zahlreiche Übersetzungen) will ich nur wenig sagen, das liegt vor und ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass Du so etwas wie ein indirekter Träger zweier Literaturnobelpreise bist. An dem von Elfriede Jelinek bist Du nur ein bisschen Schuld, ich zitiere die nunmehrige Nobelpreisträgerin aus der ZEIT vom 28. September 1984: „In Innsbruck habe ich Born und Chotjewitz kennengelernt, und vor allem die Begegnung mit Chotjewitz, der gerade Die Insel herausgebracht hatte, war für mich existentiell wichtig. Ich habe damals noch so einen pathetischen Ton in meinen Sachen gehabt, und der Chotjewitz hat mich mit seinem schnoddrigen Berlinerisch sehr beeindruckt. Ich habe ihm das später einmal gesagt, daß die Begegnung mit ihm eine der wichtigsten überhaupt war. Er glaubt es mir bis heute nicht.“

Dass Du das nicht glaubst, will ich nun wieder gern glauben. Denn großes Tam-Tam um Deine Person ist Dein Bier nicht. Immer geht’s Dir um die Sache. Wie z.B. – und wir kommen zum zweiten Nobelpreis – die Übersetzungen von Dario Fo. Denn Deine Übersetzungen – so hat man in Stockholm raunen hören – haben der Jury vorgelegen. Und den Ausschlag gegeben für die Auszeichnung. Soweit zur Literatur-Geschichte, die Du mitgeschrieben hast.

Politik-Geschichte hast Du auch geschrieben. Als Anwalt von Andreas Baader beispielsweise – man kann einiges davon in Deinem Buch Mein Freund Klaus nachlesen, das – wie alle neuen Werke – im Verbrecher Verlag erschienen ist. Der Dir, nur schnell sei es angemerkt hat, gerade eben zum Geburtstag den zweiten Band Deiner Fast letzten Erzählungen (drei Bände sollen es werden) auf den Tisch gelegt hat.

Weshalb Du aber hier in der BuchMarkt-Geburtstagsrubrik als eigentlich Nicht-Branchenmensch beglückwünscht werden darfst: Du hast natürlich auch Branchen-Geschichte geschrieben. „Nein“, höre ich Dich sagen, „geschrieben muss die noch werden, ich habe allenfalls und im wesentlichen unfreiwillig ein bisschen daran mitgewirkt.“ Stimmt, aber ein klein wenig ist gerade diese Geschichte damals zeitnah mitstenografiert worden: Von Deinem Lektor Fritzjott Raddatz zum Beispiel 1978 in der „Zeit“: „Ein Lehrstück von den Schwierigkeiten, Mitbestimmung im Verlagswesen zu praktizieren“ – für Interessenten hier in Gänze (und leider mit vielen unberichtigten Einscan-Fehlern) zu lesen. Die komplette Geschichte ist zu kompliziert, um sie hier auch nur annähernd referierend wiederzugeben – aber Branchenkenner wissen, was gemeint ist: Die Autoren-Edition unterm Bertelsmann-Dach, die über Deinen Roman (den ich für einen Deiner besten halte…) Die Herren des Morgengrauens zerbrach, bevor sie starten konnte (Dein Roman sei nichts weiter als Werbung für eine terroristische Vereinigung, hieß es damals…). Erschienen ist das Buch trotzdem. Wie Du es haben wolltest. Bei Rotbuch.

Lieber Pit, alles Gute zum 75., bleib wie Du bist, und denke dran: Viele Leser warten gespannt auf Neues von Dir!

Herzlichst, Dein

Ulli Faure

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