Christiane Fritsch-Weith (60)

Christiane Fritsch-Weith

Christiane Fritsch-Weith wird heute 60 Jahre alt. Heinz Zirk gratuliert der Berliner Buchhändlerin zum Geburtstag:

90-jähriges Bestehen konnte am 11.03.2009 der Buchladen Bayerischer Platz in Berlin feiern. 1919 von Benedikt Lachmann in Schöneberg (das damals noch nicht zu Berlin gehörte, es wurde erst 1920 eingemeindet) gegründet und mit einer Kundschaft vom Feinsten – Albert Einstein, Gottfried Benn und Curt Riess gehörten dazu – wurde die Buchhandlung 1975 von Christiane Fritsch übernommen.

Zum Zeitpunkt der Übernahme gab es in (West)Berlin 77 Buchhandlungen mit einem noch älteren Gründungsdatum. Heute existieren davon noch sechs. Bedeutet das nun: „Leichen pflastern ihren Weg“ oder gehört Christiane zu den „Glorreichen Sieben“?

Wie bekannt, kehren neue Besen gut, aber da kam kein Handfeger, sondern eine Kehrmaschine. Was bewegte sie nicht alles in diesen Jahren: Umzug in größere Räume, Lesungen und Autoren-Lesungen fanden statt, nach dem Mauerfall begann in den Jahren 1992-1995 ein Kampf um den Mietvertrag, der in Berlin nicht nur ihre Kunden beschäftigte, sondern auch Presse, Rundfunk und Fernsehen. Sogar das Bundesverfassungsgericht, vertreten durch Jutta Limbach als Stammkundin, war damit befasst. Dieser Kampf endete erfolgreich und sicherte so den Fortbestand des Ladens. 1999 geht der Buchladen online und hat von allen mir bekannten Buchhandlungen dieser Größe die schönste und gepflegteste Internetseite.

60 Jahre wird heute die Frau, die Buchhändlerin aus Berufung ist – von Beruf gibt es viele. Kennen gelernt habe ich Christiane im Mai 1973 auf dem Parkplatz des Gebr. Mann Verlags, als sie ihren damaligen Mann Gerald (Vertriebsleiter des Verlages) endlich zum Abendessen nach Hause bringen wollte. Ich hatte ihn nach der Vertreterkonferenz – die in diesen Jahren noch sehr spät stattfanden – zu lange aufgehalten.

1974 gründete Gerald zusammen mit Till Mey – der bis heute die Internetseite des Buchladens betreut – die „edition der 2“. Ich wurde ab und zu als Berater gegen ein Abendessen hinzu gezogen. 1975 schied Mey aus dem Verlag aus, dafür kam Stefan Fritsch – ich will nicht behaupten, dass er damals vertrieblich schon so agiert hat wie heute bei Diogenes, aber er hatte sich Christianes Schwester geangelt. Im gleichen Jahr gingen Verlag und Christiane getrennte Wege, da sie ja jetzt mehr als genug zu tun hatte: Buchhandlung führen und zwei kleine Kinder erziehen. Beides ist ihr hervorragend gelungen.

Dass sie immer mindestens zwei Dinge gleichzeitig erledigen kann, beweist sie auch im Urlaub. Nicht nur, dass sie Frankreich in allen Regionen bereist hat, nein, immer mussten 50 Neuerscheinungen mit auf die Reise gehen, denn: „Ich will schließlich die richtigen Tipps geben. Der beste Roman, das beste Sachbuch, das schönste Kinderbuch und der ideale Reiseführer.“ Zum 80. Ladenjubiläum hatte sie sich eine „Galerie der Leser“ einfallen lassen. Kunden ließen sich mit ihren Lieblingsbüchern im Laden aufnehmen und wählten aus den Bänden die dazu passenden Zitate. Zum 85. Jahrestag hieß es dann: „Schreib was!“. Zu den Themen: Arbeit, Geld, Luxus und Buch verfassten die Leser Statements mit einer überwältigenden Beteiligung. Zum 90. gibt es jetzt „Bücher & Sätze“, aber auch: „Gehen Sie mit Ihrer Buchhändlerin ins Kino“. Die Dreharbeiten zu „Lila, Lila“ fanden am Bayerischen Platz statt und eben auch in der Buchhandlung. Damit nicht nur der Kopf angesprochen wird, findet für den Bauch im Spätsommer ein großes Fest statt. Bei 150 zu feiernden Jahren …

Jetzt kann ich nur aus den Memoiren von Curt Riess zitieren: „Benedict Lachmann, ein höchst bemerkenswerter Mann. Er hatte irgendwann während des Krieges den Buchladen am Bayerischen Platz aufgemacht. Der Laden war klein, aber voller Köstlichkeiten.“ Heute würde er schreiben: „Christiane Fritsch-Weith, eine höchst bemerkenswerte Frau …“

Liebe Jane, Dir und dem Laden nur das Beste

Kontakt: kontakt@buchladen-bayerischer-platz.de

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