Wolfgang Balk (60)

Wolfgang Balk

Der dtv-Verleger Wolfgang Balk wird heute 60 Jahre alt [mehr…]. Uwe Timm gratuliert ihm zu diesem runden Jubiläum:

Er ist in meinem Bekanntenkreis der letzte, der sich die Zigaretten selbst dreht. Für mich, den Nichtraucher, hatte das Drehen von Zigaretten immer etwas von einem ästhetischen Tun, wie die Papierblättchen entfaltet, der Tabak hineingelegt, die Blattkante angeleckt und überstehende Tabakfasern abgezupft wurden, eine manuelle Fertigkeit, die sich als Protest gegen mechanische Massenherstellung richtete. In den frühen sechziger Jahren noch weit verbreitet, eine Haltung, die sich mit dem Hören von Jazz und Stockhausen, mit der Lektüre von René Char und Camus, mit der intensiven Diskussion über ästhetische Konzepte, Richtungen und Werke verband.

Und tatsächlich verkörpert Wolfgang Balk, obwohl oder gerade weil er damals noch zur Schule ging, etwas von dieser Zeit, dieser leidenschaftlichen Hingabe, dieser Freude an dem Neuen, dem Experiment, bei gleichzeitiger Liebe zur Klassik. So geht es zusammen, dass jemand Heraklit auf Griechisch liest und sich gleichzeitig intensiv mit zeitgenössischer Literatur beschäftigt. Die dann – unter seinem Augenmerk – als schönes Taschenbuch erscheint. Das ist das Auffällige, sein Interesse richtet sich auf den Inhalt und gleichermaßen auf die Erscheinungsform des Buchs, sucht das jeweils Besondere im Umschlag hervorzuheben.

Man muss ihn erleben, wenn er ein Buch seines Programms empfiehlt, was heißt empfiehlt, wenn er davon schwärmt, von der Handlung, den Figuren, der sprachlichen Form erzählt, den Umschlag zeigt, das Papier, dann denke ich, das ist wie das Selbstdrehen der Zigaretten, ein Genuss, den man sich selbst bereitet, nicht der mechanische Griff zur nächsten Zigarette. Ein Genuss, den er teilen möchte: Gern verschenkt er die Selbstgedrehten an die Gelegenheitsraucher.

Besuche ich ihn im Verlag, bekomme ich Bücher geschenkt. Neuerscheinungen, die ich unbedingt lesen muss. Seiner Begeisterung kann man sich nur schwer entziehen. Ich nehme die Bücher mit, aber ich, ein langsamer Leser, der ja auch noch schreiben will, kann das gar nicht alles lesen. So liegen die Bücher vorwurfsvoll neben meinem Schreibtisch. Strahlen immer noch seine eloquenten Empfehlungen ab. Wobei ich staune, was und wie genau er alles liest. Denn schließlich ist da ja die intensive Verlagsarbeit, Konferenzen, Sitzungen, Kalkulationen. Auch das ist ungewöhnlich, ich höre ihn nie klagen über ein Zuviel an Arbeit, klagen höre ich ihn nur über Tendenzen zur Konzentration im Verlagswesen, im Buchhandel. Seine Befürchtung, das Besondere, Eigenwillige, Ausgefallene könne verdrängt werden von dem Gängigen, Flachen.

Wolfgang Balk ist anspruchsvoll, aber nicht elitär, das spiegelt dieses reiche Programm des Deutschen Taschenbuch Verlags wider. Deutsche und ausländische Schriftsteller deren Gesellschaft man schätzt, ein Verlag, in dem man gut aufgehoben ist, der die Bücher betreut und pflegt, und ein Verleger, der zum Freund geworden ist.

So wie er sich begeistert, wie er mit Emphase seinem Beruf nachkommt, will man nicht glauben, dass er sechzig wird. Doch das Datum stimmt. Also herzliche Glückwünsche, lieber Wolfgang, und weiterhin viel Arbeit, Dir und uns zur Freude.

Uwe Timm

Kontakt: Balk@dtv.de

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