Runde Geburtstage Thomas Ganske (75)

Thomas Ganske, Inhaber der Ganske Verlagsgruppe (Hoffmann und Campe, Gräfe und Unzer, Jahreszeiten, Travel House, Frölich & Kaufmann, u.v.a.), wird heute 75 Jahre alt. Ihm gratuliert Christian von Zittwitz:

Thomas Ganske hat eine spannende Buchverlagsgruppe aus Edel-Marken auf den Gebieten Literatur, Kunst, Reise, Gourmet, Lifestyle und Architektur geformt (Foto privat)

Als Du, gerade erst 31 Jahre alt, nach dem Tode Deines Vaters plötzlich die Leitung Deines Unternehmens übernehmen musstest, haben wir uns schon kennen gelernt: Mein engster Freund Uli Meier, damals bei Dir in der Verlagsleitung von Hoffmann und Campe, hatte mir vorgeschlagen, Dich der Branche vorzustellen. Das war der Beginn unserer jetzt fast 45-jährigen Freundschaft, die wir beide vom ersten Moment an gespürt und gelebt, aber uns beide erst richtig vor wenigen Jahren eingestanden haben.

Aber so war ich als Beobachter von Anfang an immer relativ nahe dran, wie Du aus dem väterlichen Unternehmen (Kern waren der Lesezirkel Daheim, der Jahreszeiten Verlag, Merian und Hoffmann und Campe) eine spannende Buchverlagsgruppe aus Edel-Marken geformt hast, die in ihrer Struktur recht zukunftssicher erscheint. Da bin ich Deincr Meinung, „gelesen wird immer“.

Ach ja, und da Du Dich ja auch nicht gerade dauernd in die Öffentlichkeit drängst, hat vielleicht auch nicht jeder auf dem Schirm, wie breit Dein Portofolio heute eigentlich gefächert ist – etwa, dass dazu neben dem in diesem Herbst 300 Jahre alten Traditionsverlag Gräfe und Unzer mit Frölich und Kaufmann auch ein marktbeherrschender MA-Versender und eine ansehnliche Beteiligung am dtv gehört, dem derzeit „heißesten“ deutschen Publikumsverlag.

Deine Bedingung für unser erstes Gespräch damals war übrigens: „Dann möchte ich diesen Herrn von Zittwitz aber gern vorher kennenlernen“. Am Vorabend haben wir uns also in Hamburg zum Essen getroffen; um zehn würde Dich Deine Frau abholen. Gegen zwei oder drei Uhr nachts, so meine etwas durch gemeinsamen Alkoholmissbrauch getrübte Erinnerung, hockten wir nach einem Lokalwechsel aber immer noch irgendwo fröhlich zusammen, nur Uli wirkte etwas verbittert: Angesichts der von Dir für den frühen Morgen um acht Uhr angesetzten Geschäftsleitungssitzung war er im Gegensatz zu uns längst auf Mineralwasser umgestiegen. Und wie unser Interview um zehn Uhr dann lief, daran habe ich schon gar keine Erinnerung mehr.

Das führte schon sehr früh für mich zu der dramatischen, aber letztlich für meinen Berufsweg hilfreichen Erkenntnis, an der ich seither mit wechselndem Trainingserfolg auch arbeite – schließlich sind wir als Journalisten immer ganz nahe dran, da scheint mir diese Fähigkeit überlebenswichtig: Die Schönen und Mächtigen vertragen mehr Alkohol als wir Normalsterbliche. Kann natürlich auch sein, dass Ihr diese Fähigkeit angesichts der Verantwortung für viele Mitarbeiter – laut Wikipedia sind das bei Dir rd. 1500 – auch braucht, denn Du sagst mir ja auch: „Am intensivsten muss man sich in der Inhaberfunktion ja immer mit den Baustellen im Unternehmen befassen, weniger mit den Erfolgen.“ Heute glaube ich, dass das für Dich sogar das Salz in der Suppe Deiner Arbeit ist. Denn Du sagst ja auch: „Tatsächlich hat mir das Lösen von Problemen immer Spaß gemacht, das habe ich auch nie als Arbeit oder Bürde empfunden“.

Weitere Erkenntnisse hatte ich dann erst später: Freunde wie Du müssen sichtlich immer große Entfernungen überwinden. Du besitzt für diesen Zweck zum Glück eine Sammlung antiker Kutschen (dort in der Nähe von Herleshausen, wo Dein Hotel Hohenhaus steht und wohin Du Dich an den Wochenenden oft auf Deinen historischen Vierkanthof nebenan zurückziehst – was aber auch heißt, dass Du dann in Deinem eigenen Wald gefühlt eine viertel Stunde mit dem Geländewagen unterwegs bist – nur, um nach nebenan zu kommen).

Thomas, das musste ich jetzt einmal knallhart enthüllen, unsere Leser wollen schließlich auch mal was erfahren. Den Rest wie üblich nur für uns bei einem unserer Telefonate oder wenn wir bei Dir in der Küche sitzen.

Ach ja, das muss ich dann doch auch noch erzählen: Wenn sich Unternehmer und Journalisten wie wir beide so nahekommen, müssen wir wohl immer aber auch mal mit Tücken wie dieser rechnen: Nachdem wir bei am Abend zuvor lange beim Empfang von Rolf Heyne über Gott und die Welt  gefachsimpelt hatten, las ich verkatert am Morgen danach im Buchreport die unglaubliche Exklusivmeldung, D u habest seinen Heyne Verlag gekauft. Dass Du mir aber diese Toppmeldung (ich wusste von Dir ja, der Kauf wäre Dir strategisch wichtig gewesen) trotz unseres vorsichtigen Umgangs miteinander nicht doch irgendwie anvertraut hattest, hat mich damals ziemlich getroffen.  

Warum Du mir das ja auch nicht erzählen konntest, wissen wir alle natürlich inzwischen, Deine Rechtfertigung war ja auch glaubwürdig: „Ging doch nicht, ich habe ja nicht gekauft, das war doch eine Falschmeldung“. Aber dass mein Rivale Buchreport für einen Tag diese unglaubliche Toppinfo exklusiv für sich hatte und ich ausgerechnet bei diesem damals heißesten Messethema erstmals so ahnungslos war, das habe ich trotzdem bis heute nicht verwunden.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Ich bin dankbar und stolz auf unsere Freundschaft.

Dein Christian 

Kontakt: info@ganske.de

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