„Ich kann nur Bücher“ Thomas Grundmann

Thomas Grundmann war ein mutiger Mann, dem das Glück weniger hold war

Thomas Grundmann, der Verleger des traditionsreichen Bonner Bouvier Verlages, ist am 9. April (wenige Wochen  vor seinem 75. Geburtstag)  in Bonn  gestorben – in der Stadt (1980 feierte Bouvier noch das 150 jährige Jubiläum), deren kulturelles Leben sein Vater und er mit ihrer Buchhandlung über viele Jahre geprägt hatten.

„Ich kann nur Bücher!“ sei sein Kernsatz gewesen  berichtet sein Bonner Freund Claus Recktenwald auf seiner Webseite über den am 26. Mai 1947 geborenen Verleger philosophischer (z. B. Max Scheler) und  politischer und regionaler Literatur (z. B. Lützeler Philosophie des Kölner Humors).  Thomas Grundmann hatte aber weit mehr Interessen – das zeigte er etwa als Mitglied der Vollversammlung der IHK, Vorstand im Literaturhaus Köln, als Aufsichtsrat der Bonner City-Parkraum-GmbH und des Margarete-Grundmann-Hauses. Er ist Begründer des Ernst-Robert-Curtius-Preises für Essayistik (Preisträger u. a. Golo Mann, Friedrich Dürrenmatt, Peter Sloterdijk). Und er begründete mit einigen Freunden die „Initiative Kultur in Bonn“. 

Der frühere Aufbau Verleger Bernd F. Lunkewitz erzählt mir im Umfeld unseres heutigen Sonntagsgespräches, wie sehr ihm Thomas damals in seiner ersten Zeit beim Aufbau-Verlag geholfen habe, aber mit der Expansion seiner Buchhandlungen nach Berlin habe „dann der Abstieg begonnen. Das hat er wohl nie verwunden. Er selbst half jedem, der an Büchern und Kultur interessiert war, aber kaum jemand hat ihm gedankt“.

Auch der Verleger Herbert Ullmann (Ullmann Medien) erinnert sich an seine Zeit als Werbeassistent bei Bouvier in Bonn – Thomas Grundmann hatte ihn 1978 als Werbeassistent für die diversen Buchhandlungen eingestellt:

„Thomas wollte Ende 68 Pädagogik studieren, hat’s auch gemacht,  aber dann hat ihn sein Vater als Patriarch einfach kurz vor Abschluss von der Uni  runter zitiert. Der Alte hatte immer den Hut auf und Thommy lief sein Leben dem Alten auf Anerkennung hoffend hinterher.  Zu Thomas sollte man schreiben,  dass er damals nach der Wende mutig war – nur dass ihm leider das Glück weniger hold war. Aber er hat’s versucht. Hatte ja auch zuvor Röhrscheid weitsichtig erworben. Der Kauf von Gonski danach war ebenfalls mutig, aber Köln hatte im Vergleich zu Bonn nicht die so geballte intelektuelle Substanz. Die Großen wie Walser, und auch Grass kamen ausnahmslos alle zu Bouvier nach Bonn – Leute wie Rudi Carell fühlten sich eher  in Aachen wohl“.

Herbert Ullmann erinnert mich gerade auch noch daran, was auch mir von meinen Gesprächen mit Thomas unvergessen geblieben ist: An Thomas´ Slogan „Bouviers Bücherstraße: 10 Buchhandlungen in einer“. Was hieß: „Vorn am Hof 32 reingehen und in der Fürstenstraße raus kommen, bzw. umgekehrt. Das war einmalig in Deutschland“.

Thomas, ich trauere mit deiner Familie. Dein Christan

Kommentare (1)
  1. Die Nachricht vom Tode meines ehemaligen Chefs und langjährigen (fast 25 Jahre) Arbeitgebers hat mich tief erschüttert. Ganz sicher trifft es zu, dass ihm das Glück, das vielen anderen Unternehmern der Branche hold war, versagt geblieben ist. Der Ehrgeiz , zu den ganz großen des Buchhandels zu zählen, hat in einer Zeit als nichts mehr selbstverständlich war, das Schicksal seines Unternehmens und der Mitarbeiter/innen besiegelt. Trotz alledem habe ich ihm viel zu verdanken. Ich werde ihn niemals vergessen.

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