Runde Geburtstage Thomas Zuhr (60)

Thomas Zuhr wird heute 60 Jahre alt. Dr. Rüdiger Salat gratuliert dem Hirmer-Verleger zum runden Geburtstag:

Thomas Zuhr

Innovativer Verleger alter Schule – das würde ich auf seinen Steckbrief schreiben. Er ist das ganze Gegenteil von verstaubt, deshalb zur Erklärung: An der alten Schule hält er fest, wenn es um Qualität und Verlässlichkeit geht. Das bremst ihn jedoch nicht, sein Geschäft mit Visionen in die Zukunft zu führen. Von Manuskripten, Mitarbeitern, Museumskooperationen, Druck und Produktion, Marketing versteht und erwartet er alles: Perfektion, die er mit bayerisch-mediterraner Lässigkeit tarnt. Seine Kompetenz, Leidenschaft und Neugierde lenken alle Schritte von der Autorenbetreuung bis zum Rechteverkauf.

Die Stationen, an denen er diese Kompetenz erworben hat, gehören zu den anspruchsvollsten unserer Branche, seine Mentoren ebenso. Nach einer Ausbildung in der graphischen Industrie und einem Studium der Wirtschaftswissenschaften  stieg er beim dtv ein. Der Wechsel zu Carl Hanser war lebensentscheidend, denn dort traf er Annette, die seine Frau wurde. An beiden Adressen hatte er es zudem mit Verlegerlegenden und Vertriebskoryphäen zu tun.

Seine Neugierde gab Anfang der 1990er Jahre den Ausschlag für den Wechsel zu einer Frankfurter Unternehmensberatung. Dort arbeitete er unter anderem an Optimierungskonzepten für die Druckindustrie. 1993 holte Jürgen Tesch den immer noch jungen Mann als kaufmännischen Leiter zu Prestel und vertraute ihm bald auch die Museumskooperationen und die Partnerschaften mit Galerien und Kunstsammlern in aller Welt an. Die vielseitigen verlegerischen Möglichkeiten in der internationalen Kunst- und Kulturszene auszuloten – das wurde die zweite Lebensliebe des Thomas Zuhr.

Vielseitigkeit zeigt Thomas Zuhr auch sonst: Der gebürtige Bad Reichenhaller  steht im eleganten Anzug in New York, London, Paris oder Florenz ebenso fest auf dem Boden wie in der Ledernen in den geliebten Bergen. Immer strahlt er authentische Präsenz aus. In den Vordergrund drängt er sich nicht, man hört ihm ohnehin zu. Lauter als gewohnt habe ich ihn nur einmal erlebt. In kleiner Runde der von Hans Freiwald organisierten Verleger- und Buchhändler-Gipfeltreffen konnte sich u.a. Günther Christiansen, damals Vorsteher des Börsenvereins, von Zuhrs Jodelkompetenz überzeugen. Ein unvergesslicher Abend, der auch Jahre später noch ein ungläubiges Lächeln auf Christiansens Gesicht zauberte, wenn er Thomas Zuhr beispielsweise auf der Buchmesse begegnete. Welche Rolle diese Kompetenz für seinen nächsten Karriereschritt spielte, ist nicht überliefert, sie belegt aber das Spektrum seiner Fähigkeiten.

Im Oktober 2009 trat er in die Geschäftsführung des Hirmer Verlages ein. Ein traditionsreiches Haus mit Qualitätsanspruch. Angesichts des Zuhrschen Vorstrafenregisters im Kunstverlagswesen ein Glücksfall für beide Seiten. Seit 2011 führt Thomas Zuhr die Geschäfte des Verlages alleine – und seine Gesellschafter haben allen Grund, ihm zu vertrauen und ihn „einfach machen“ zu lassen.

Seither gelang ihm eine enorme Weiterentwicklung und Verjüngung des Programms, eine optische Neupositionierung sowie eine Internationalisierung, die Branchenkenner so kaum für möglich gehalten hätten. Zuhrs Leidenschaft für zeitgenössische Kunst, Fotografie und Architektur ist dabei ebenso deutlich zu sehen wie seine Hand als Netzwerker und als Stratege. Der Verlag unterhält ein eigenes Büros in New York und kann auf zahlreiche internationale Partner setzen. Vertriebspartner sind die University of Chicago Press (für USA und Kanada) sowie Thames & Hudson, London (für den restlichen internationalen Buchmarkt). Inzwischen hat Zuhr auch ein eigenes englischsprachiges Programm ins Leben gerufen.

Bezeichnenderweise gelang Thomas Zuhr diese Entwicklung bei Hirmer mit einem feinen, kleinen Stamm von Mitarbeitern, mit denen er praktisch seit seinem Eintritt zusammenarbeitet. Es spricht  für Zuhrs Führungskompetenz und für sein Team, dass der Verlag wirtschaftlich stabil ist und sich den Optimismus auch in pandemischen Zeiten nicht nehmen lässt. Klare Ziele und ihre konsequente Umsetzung sind Thomas Zuhr wichtig. Ja, er kann streng sein – zu sich selbst und zu seinem Team. Aber er lässt ihm bei der Umsetzung die Freiheiten, die auch er bekommen hat, um das Beste aus sich herauszuholen.

2012 gründete Zuhr das Kunst- und Kulturmagazin Fresko und Anfang 2020 verantwortet er zusätzlich die Zeitschrift Kunstforum International. Zu den für ihn wichtigen Hirmer-Titeln gehören aktuell Fantastische Frauen und über die Jahre Hockney. A Bigger Picture, Oskar Schlemmer, Bestandsaufnahme Gurlitt und Gesichter der Renaissance.

An der Bandbreite seiner Fähigkeiten arbeitet er übrigens weiter: „Ich würde gern Chinesisch sprechen können“ gab er in einem Fragebogen zu Protokoll.

Im Frühjahr 2021 wird er die Festschrift für das 65.jährige Jubiläum des Hirmer Verlages inhaltlich ergänzt in englischer Sprache herausgegeben. Der Titel All the Beauty at Hand passt perfekt zu den Fähigkeiten und Leidenschaften von Thomas Zuhr und ist das richtige Motto für alle guten Wünsche zu seinem 60. Geburtstag am 17.November, einschließlich der Zeit für seine Lieblingsbeschäftigung: Zeitung lesen im Salzburger Kaffeehaus.

Herzliche Gratulation, lieber Thomas!

Konakt: geschaeftsfuehrung@hirmerverlag.de

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