Er hat die Branche geprägt Ulrich Staudinger

Ulrich Staudinger

Der Verleger Ulrich Staudinger ist gestern im Alter von 85 Jahren in München gestorben. Sein Leben und seine Arbeit waren für ihn nicht zu trennen. Bis fast zuletzt hat er die Bandbreite seiner Arbeit ausgekostet, sein verlegerisches Spektrum reichte damals als Verleger von Schneekluth von Utta Danella bis heute zu Hans Burkhard in seinem Philosophia Verlag

Mit ihm verlieren wir nicht nur einen Freund, sondern auch einen Mann, der auch in vielen ehrenamtlichen Funktionen für die Branche gearbeitet und sie geprägt hat. Im Börsenverein etwa war er damals als Vorsitzender des Verlegerausschusses maßgeblich auch an der Gründung der VG Wort und danach an ihrem Erfolg auch als deren Vorsitzender beteiligt.

Ulrich Staudinger war durch seine Familie mit dem Verlagswesen verwurzelt. Die Mutter Elfriede Tesch war als Vertreterin für den Econ Verlag tätig, sein Schwiegervater der Gründer des Franz Ehrenwirth Verlages und sein Bruder Jürgen Tesch hat mit dem Prestel Verlag das moderne Kunstbuch erfunden.

Seine älteste Tochter arbeitete lange Zeit für den Oldenburg Verlag, seine andere Tochter ist noch immer in Buchhandel, bei Hugendubel.  Und der Sohn Florian, der bei Callwey eine Verlagslehre gemacht, lange Zeit bei Franz Schneider war und jetzt in Wien ganz andere Dinge macht, erinnert sich:

„Für mich war der Beruf des Verlegers eine unfassbar tolle Herausforderung. In den Zeiten, in denen mein Vater erfolgreich wirken konnte, waren der Fantasie noch keine Grenzen gesetzt und man konnte Autoren entdecken, Bücher machen, sie vermarkten und auch an die Spitze der Bestsellerliste bringen. Mit dem internationalen Wettbewerb der amerikanischen Autoren und der neuen Konzerne war das alles nicht mehr möglich und er hat sein Zepter übergeben müssen. Wahrscheinlich hat sich unser Vater deshalb im Alter auf die Fachliteratur konzentriert und mit dem Philosophia Verlag ein neues Zeichen gesetzt.“

Der Verleger und Bruder Jürgen B. Tesch sagt liebevoll über ihn: „Seine Leidenschaft war die Belletristik, seine Liebe gehörte der Philosophie. Im Herzen war Uli ein Bayer, im Geiste aber ein geborener Weltbürger. Sein Lebensweg aber wurde schon wenige Jahre nach seiner Geburt am 30. Mai 1935 in Berlin über lange Zeit mehr als steinig. Nach der Scheidung seiner Eltern 1941 machten ihm schont die nachgeborenen  Geschwister (ich und meine Schwester Barbara) den Platz als Alleinherrscher im Kinderreich streitig, auch danach fehlte die Geborgenheit einer Familie, die fand er erst in seinem Beruf.

Ich habe meinen großen Bruder nicht selten bewundert, dass er mit großer Gelassenheit und scheinbarer Leichtigkeit auch schwierigste Situationen bewältigen konnte und mit welcher Stärke und Willenskraft er lachend ertragen hat, was andere Menschen hätte verzweifeln lassen. Und Uli war ein großartiger Unterhalter und Mittelpunkt jeder Tafelrunde. Ja, so war er.“

Ja, so war er. Und so fehlt er uns. Ich habe ihm das  noch zu seinem 85. Geburtstag im Vorjahr schreiben können, und auch Hans-Peter Übleis sagte mir gestern traurig: „Wieder ist ein der guten Alten von uns gegangen, auf gut bayerisch: A Hund war er scho, der Uli. Jetzt bleibt vom Überlebenskünstler der Künstler übrig.“

Christian von Zittwitz 

Kommentare (2)
  1. Der Uli Staudinger war wirklich einzigartig. Eine ansteckend kreative und optimistische Verlegerpersönlichkeit, „larger than life“. Auch wenn er nicht mehr live/life unter uns ist, wahre Größe, das „larger“ bleibt. Im Bücherhimmel dürfen sich alle auf diesen Neuzugang freuen.
    Hans-Peter Übleis

    • In wenigen Worten haargenau getroffen. So was tut richtig gut, wenn man auch schon über 80 und dem Verlagsalltag „entwachsen“ ist. Remember? Ehrtenwirth … und dann bei Heinz Bundschuh…?
      Herzlich, Frank Auerbach

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