Patrick Sielemann über sein Kurzgeschichten Aboprojekt DAS GRAMM „Wenn es dann noch ein Magazin oder eine Zeitschrift ist, die mich begeistert, kann es doch kaum ein schöneres Geschenk geben!“

Patrick Sielemann, hauptberuflich Lektor für deutschsprachige Belletristik bei Kein & Aber, hat vor einem Jahr sein Magazin DAS GRAMM gestartet, das mit jeweils nur einen kurzen Geschichte auch Lesemuffel locken soll. Wie ist das erste Jahr verlaufen? Das war Anlass für Fragen: 

Patrick Sielemann mit den ersten sechs Heften dieses Jahres: „Ich finde, das ist ein tolles Weihnachtsgeschenk. Wer bis Ende des Jahres sein oder ihr Abo abschließt, startet es mit dieser Ausgabe, die dann Anfang Januar verschickt wird“

Ihre Idee hatte mich sofort überzeugt, jede Ausgabe sollte aus nichts weiter als einer einzigen Kurzgeschichte bestehen. Wie ist das erste Jahr verlaufen?

Patrick Sielemann: Ehrlich gesagt besser als erwartet, grundsätzlich gab es eine viel größere Offenheit gegenüber Kurzgeschichten als einem das oft suggeriert wird. Man hört ja ständig, für Kurzgeschichten gebe es keinen Markt. Ich mache eine andere Erfahrung. Eine Leserin schrieb mir: „Ich wusste gar nicht, wie sehr ich Kurzgeschichten eigentlich mag.“ Sie hatte anscheinend schlechte Erfahrungen in der Schule gemacht.

Liegt es daran, dass wir verlernt haben, Kurzgeschichten zu lesen?

Geschichten zu lesen kann man nicht verlernen. Und auch im Segment der Kurzgeschichten gibt es ja immer wieder Bände, die ein noch viel größeres Publikum erreichen als das von DAS GRAMM. Aber das Magazin kann eine wesentliche Stärke dieser Form besser ausspielen.

Sie meinen deren Kürze?

Ja. Anders als bei Anthologien oder Erzählbänden oder Zeitschriften besteht eine Ausgabe aus einer einzigen Kurzgeschichte. Dazu kommt, dass die Texte eine gewisse Zugänglichkeit haben und dass manautomatisch alle zwei Monate mit einer weiteren Geschichte versorgt wird. Das Magazin kann man ja ausschließlich als Jahres-Abo erwerben. Ich denke, dass sich die Begeisterung für das Konzept aus all diesen Aspekten speist.

Mich hat sofort auch Ihre Idee begeistert, mit einem preiswerten Verschenkabo Lesemuffel in meinem Freundeskreis zu ködern.

Das merke ich bei den Bestellungen auch, wie gern die Abos verschenkt werden. Gerade jetzt, wo sich viele bereits über Weihnachtsgeschenke Gedanken machen, ziehen diese Bestellungen wieder besonders an. Konnte der Lesemuffel denn etwas mit dem Magazin anfangen? Das würde mich mal interessieren.

Ja, deswegen habe ich gern das Abo verlängert, auch wenn der Weg wohl noch lang ist, aus meiner Empfängerin wirklich eine Leserin zu machen. Aber ich gebe nicht auf, und kostenmäßig bringt es mich nicht um. 

Ich merke es bei mir selbst: Wenn ich ein Zeitschriften-Abo geschenkt bekomme, dann freue ich mich nicht nur an Weihnachten darüber, sondern mehrmals über das ganze Jahr verteilt. Und immer wieder denke ich an die Person, die mir es geschenkt hat. Wenn es dann noch ein Magazin oder eine Zeitschrift ist, die mich begeistert, kann es doch kaum ein schöneres Geschenk geben!

Dann machen wir doch hier mal unverhohlen Werbung:  Das Jahresabo kostet 24 €, hier kann man abonnieren. Geht Ihr Konzept aber auch wirtschaftlich auf? 

Es geht insofern wirtschaftlich auf, als dass sich das Magazin mittlerweile selbst trägt. Das finde ich einen schönen Erfolg für das erste Jahr.

Und gab es Höhepunkte? 

Highlights wiederum gab es viele. Für mich war jede Ausgabe ein eigenes Highlight. Und die Tatsache, dass die GRAMM-Autor:innen weiter im Gespräch sind. Clemens J. Setz, der die Nr. 1 beigesteuert hat, die erste Ausgabe, wurde mit dem Büchner-Preis ausgezeichnet – das hat mich sehr gefreut. Lisa Krusche hat im Laufe des Jahres mit einem tollen Roman debütiert, der ebenfalls hohe Wellen geschlagen hat. Bei Mareike Fallwickls Geschichte wurde vor allem in den sozialen Medien heiß diskutiert, und von den anderen – Lennardt Loß, Margaux de Weck und Akın Emanuel Şipal –, werden wir vor allem in Zukunft noch einiges hören.

Was erwartet uns in der nächsten Ausgabe?

Die nächste Ausgabe ist eine unterhaltsame Geschichte über einen Mann, der aus dem Fenster schaut und bemerkt, dass im Haus gegenüber recht häufig Menschen sterben. Eine sehr sympathische, flotte und lustige Geschichte mit einem überraschenden Twist am Ende. Wer bis Ende des Jahres sein oder ihr Abo abschließt, startet es mit dieser Ausgabe, die dann Anfang Januar verschickt wird.

Also alles im grünen Bereich? 

Das Magazin wird weiterhin alle zwei Monate erscheinen und hoffentlich viele Leser:innen begeistern. Ich habe aber ein Fernziel: Ich möchte den GRAMM-Preis für Kurzgeschichten ins Leben rufen, der die besten Kurzgeschichte des Jahres auszeichnen soll. Ein Kurzgeschichten-Preis gibt es in der Form, die mir vorschwebt, nicht, das ist eine Riesenlücke bei den Literaturpreisen. Dabei sind Kurzgeschichten so eine wichtige und zeitgemäße Gattung. Dafür suche ich derzeit einen Sponsor.

Die Fragen stellte Christian von Zittwitz

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