Christian Ulrich über die Absage der Spielwarenmesse in Nürnberg, über die digitale Alternative und darüber, wie der Buchhandel profitiert „Wir haben bereits in den vergangenen Monaten mit Spielwarenmesse Digital eine mulitfunktionale Business-Plattform entwickelt“

Christian Ulrich: „Wir sind überzeugt davon, dass Bücher und Spielwaren jede Menge positive Synergien bereithalten. Diese Segmente sind eng miteinander verbunden und ergänzen sich perfekt. Buch- und Spieleverlage gehören seit Jahren auch zum festen Bestandteil der Spielwarenmesse“

Unerwartet erreichte uns alle an diesem Freitag die Nachricht von der Nürnberger Spielwarenmesse, dass diese in diesem Jahr erneut – coronabedingt – abgesagt werden muss. Sie hätte eigentlich vom 2. bis zum 6. Februar 2022 stattfinden sollen. „Für eine Durchführung der Präsenzveranstaltung haben wir intensiv gekämpft und dafür zunächst auch starke Unterstützung aus den weltweiten Spielwarenmärkten erhalten“, sagt Christian Ulrich, Sprecher des Vorstands der Spielwarenmesse eG. Gerade die Vielzahl an Anbietern ohne internationales Vertriebsnetz hatte noch im Dezember an die Organisatoren appelliert, die für ihr Auslandsgeschäft wichtige Messe aufrecht zu erhalten. Wir haben mit Christian Ulrich gesprochen, darüber was die Branche  jetzt von der Spielwarenmesse Digital erwarten kann, wie der Buchhandel davon profitiert und vor welchen Herausforderungen das Team der Spielwarenmesse Nürnberg jetzt steht:

BuchMarkt: Lange hat man noch gehofft: Nun hat uns Ende der Woche die Nachricht erreicht, dass die Spielwarenmesse 2022 in Nürnberg erneut nicht stattfinden kann. Eine schwierige Entscheidung?

Christian Ulrich: Wir haben uns die Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht und gehofft, die Messe durchführen zu können. Aber der starke Anstieg der Omikron-Variante in den letzten Tagen und die damit verbundene Zunahme an Stand-Absagen der Aussteller haben uns keine Wahl mehr gelassen.

Die Option, alles digital laufen zu lassen, ist ja gegeben, oder?

Christian Ulrich: Wir haben bereits in den vergangenen Monaten mit Spielwarenmesse Digital eine mulitfunktionale Business-Plattform entwickelt, die ab Mittwoch, den 19. Januar, unsere Aussteller sowie Besucherinnen und Besucher einlädt, sich aktiv daran zu beteiligen.

Was genau erwartet die Branche denn auf dieser Plattform?

Christian Ulrich: Die Aussteller sind hier mit einem eigenen Unternehmensprofil vertreten. Es umfasst neben Produktpräsentationen auch eine Übersicht zu Ansprechpartnern der Firma, mit denen Händlerinnen und Händler über verschiedene Kommunikationstools wie Chats oder Audio Calls in Kontakt treten und virtuelle Meetings abhalten können.

Dann benötigt der Fachhandel auch ein Profil?

Christian Ulrich: Ja, Einkäuferinnen und Einkäufer haben die Möglichkeit, sich ebenfalls ihr persönliches Profil auf der Plattform anzulegen. Basierend auf den darin genannten Interessen schlägt Spielwarenmesse Digital ihnen sogar neue Business-Kontakte vor.

Sie bieten auf der Spielwarenmesse immer ein breites Rahmenprogramm an. Wird dies auch über Spielwarenmesse Digital abgebildet?

Christian Ulrich: Die beliebten Expertenvorträge aus dem Toy Business Forum, die LicenseTalks sowie Präsentationen und Workshops unserer Aussteller werden wir über die Plattform live streamen. Schon heute können sich alle Teilnehmer auf die digitale Eröffnung am Mittwoch, den 2. Februar, freuen. Als Keynote Speaker erwartet sie Philippe Glorieux, Head of Marketing, IMPS The Smurfs. Außerdem werden in diesem Rahmen die Gewinner der ToyAwards bekanntgeben.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie nun?

Christian Ulrich: Nach der plötzlichen Absage der Präsenzmesse müssen wir alle wieder unsere Kräfte mobilisieren, um die Spielwarenmesse 2023 planen zu können. Bis dahin, finden im Herbst aber noch unsere PBS-Veranstaltung, die Insights-X in Nürnberg, und die SPIEL in Essen statt.

Die Spiel ist Ihr jüngster Coup?

Christian Ulrich: Ja, wir freuen uns sehr über unseren jüngsten Neuzugang, die SPIEL. Wir haben die weltweit größte Endverbrauchermesse im Spielebereich Anfang Januar übernommen, wobei der typische Charakter und auch der Standort erhalten bleiben sollen.

Für den Buchhandel können Spiele ein wichtiges Zusatzsortiment im Laden sein. Wieso sind Buchhändler aus Ihrer Sicht dafür prädestiniert, auch Spiele und Spielwaren zu verkaufen?

Christian Ulrich: Wir sind überzeugt davon, dass Bücher und Spielwaren jede Menge positive Synergien bereithalten. Diese Segmente sind eng miteinander verbunden und ergänzen sich perfekt. Buch- und Spieleverlage gehören seit Jahren auch zum festen Bestandteil der Spielwarenmesse. „Spiele, Bücher, Lernen und Experimentieren“ präsentieren bei uns sogar eine eigene Produktgruppe.

Worauf sollte der Buchhändler besonders achten?

Christian Ulrich: Die Auswahl der jeweiligen Angebote ist enorm. Buchhändlerinnen und Buchhändler finden auf der Spielwarenmesse eine Fülle an Neuheiten vor – normalerweise stehen vor Ort zwölf Produktgruppen in 18 Hallen zur Verfügung. Um beste Orientierung für buchhandelsrelevante Non-Book-Artikel zu bieten, die ihnen den Weg zu geeigneten Sortimenten aus der Spielwarenmesse ebnen, haben wir in den letzten Jahren mit Toys meet Books eine eigene Sonderfläche ins Leben gerufen und auch Fachvorträge angeboten.

Kommen denn – erfahrungsgemäß – viele Buchhändler nach Nürnberg?

Christian Ulrich: Die Besucherstatistik hat ergeben, dass sich unter den Fachhändlern tatsächlich eine überdurchschnittlich hohe Anzahl an Buchhändlerinnen und Buchhändlern befinden. Aus diesem Grund haben wir damals unsere Sonderfläche überhaupt erst initiiert.

Ihr Wunsch für die Spielwarenmesse 2023?

Christian Ulrich: Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass die Spielwarenmesse 2023 endlich wieder als Präsenzveranstaltung stattfinden kann.

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