Holger Ehling im Gespräch mit Juergen Boos über die "Special Edition" der diesjährigen Frankfurter Buchmesse „Wir vollziehen einen Brückenschlag zwischen der bekannten physischen Struktur und der jetzt neuen Abbildung im Netz“

Juergen Boos (c) Frankfurter Buchmesse Bernd Hartung

Mit einem umfangreichen virtuellem Fachprogramm und zahlreichen Literaturveranstaltungen will der Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr trotz Corona ein großes Fest für die internationale Buchbranche feiern.  Holger Ehling hat dazu mit Juergen Boos, Direktor der Messe, gesprochen:

Holger Ehling: Die Frankfurter Buchmesse 2020 wird stattfinden, aber ohne Hallenausstellung. Stattdessen haben Sie ein umfangreiches digitales Fachprogramm angekündigt – 70 Stunden, die ARD-Buchmessenbühne macht in der Festhalle Programm, und ein international besetztes BOOKFEST findet am Messe-Samstag von 10.00 – 22.00 Uhr auf zwei Kanälen statt. Was ist für Sie die Klammer zwischen diesen Angeboten?

Juergen Boos: Die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr ist eine „Special Edition“, und das Konzept, das wir mit den Gremien des Börsenvereins, dem Vorstand und den Fachausschüssen, abgestimmt haben, beruhte auf drei Säulen: Eine europäische Messe in den Hallen mit einer großen Veranstaltungsbühne in der Festhalle, dezentrale Veranstaltungen in der ganzen Stadt und einem virtuellen Angebot für alle unsere Besucher*innen, die in diesem Jahr nicht reisen können, aber das „Frankfurt feeling“ nicht missen möchten. Dass nun die physische Messe aufgrund der aktuell sich verschärfenden Reisebeschränkungen nicht stattfinden kann, ist sehr enttäuschend. Gleichwohl hat Corona auch bei der Buchmesse dafür gesorgt, dass digitalen Projekte, die wir schon vor einiger Zeit begonnen hatten, beschleunigt umgesetzt wurden. Wir vollziehen dieses Jahr einen Brückenschlag zwischen der bekannten physischen Struktur und der jetzt neuen Abbildung im Netz: Es gibt die Fachtage und das Besucherwochenende, die Netzwerktreffen der Fachleute und die zahlreichen (literarischen) Veranstaltungen fürs Lesepublikum. So sind wir in der Lage, in diesem Jahr ein umfangreiches und vielfältiges Programm auf die Bühne zu bringen: Im Fachprogramm treten James Daunt, CEO von Barnes & Noble und Managing Director von Waterstones, Jenny Fry, Commercial Director bei Canongate (UK), Magnus Nytell, Head of International Expansion bei Nextory und viele andere Experten auf. Mit den Market Insights bieten wir Einblicke in internationale Buchmärkte – von Lateinamerika bis Finnland. Mit Frankfurt Rights haben wir unsere digitale Rechtplattform weiterentwickelt, die stark nachgefragt wird. In der Stadt sind rund 70 Veranstaltungen geplant und die ARD macht mit vielen Medienpartnern ein hervorragendes Programm mit vielen internationalen Stars. Sogar auf den Frankfurter Hof muss niemand verzichten – er bekommt in der digitalen Networkingreihe „The Hof“ einen virtuellen Auftritt.

Wie werden Buchhändler*innen eingebunden?

Wir wünschen uns sehr, dass Buchhändler*innen auch diese Messe zu ihrer Messe machen: Wir laden sie ein, die Frankfurter Buchmesse zu sich in den Laden zu holen und die Veranstaltungen live zu streamen – z.B. im Schaufenster, aber auch – wenn es die räumlichen Verhältnisse und die Hygienebestimmungen zulassen – als Public-Viewing-Veranstaltungen mit Kund*innen bei einem Glas Wein.

Buchhändler*innen haben auch die Möglichkeit, sich auf unserer Website buchmesse.de als digitale Aussteller zu registrieren und ihre Veranstaltungen in den Veranstaltungskalender einzutragen. Auf der Frankfurter Buchmesse haben wir spezielle Themenseiten eingerichtet, die wie Schaufenster funktionieren – hier können sich Interessierte Leser*innen über Neuerscheinungen informieren, und sie anschließend bei ihrem Buchhändler, ihrer Buchhändlerin bestellen.

Noch bis zum 28. September können sich Buchhändler*innen aus aller Welt für das neue digitale Förderprogramm Frankfurt International Booksellers der Frankfurter Buchmesse (14.-18. Oktober 2020) bewerben. Das von der Frankfurter Buchmesse organisierte und vom Auswärtigen Amt finanziell geförderte Programm richtet sich ausdrücklich an Buchhändler*innen, die unter anderem Titel deutschsprachiger Autor*innen (im Original oder in Übersetzung) in ihrem Sortiment führen, oder dies für die Zukunft planen, und sich über den deutschen Buchmarkt und die deutsche Verlagsproduktion informieren möchten. In verschiedenen Online-Formaten werden die Teilnehmer*innen sich untereinander vernetzen sowie wichtige Akteur*innen aus der deutschen Buchbranche treffen. Ein weiterer Schwerpunkt der mehrwöchigen Seminarreihe liegt auf der Präsentation von Best-Practice-Beispielen aus deutschen Buchhandlungen und auf dem Austausch von Informationen, die auf die konkreten Bedürfnisse der Teilnehmer*innen in ihrer aktuellen Situation abgestimmt sind. Zudem können die Frankfurt International Booksellers am umfangreichen digitalen Fachprogramm und am BOOKFEST digital der Frankfurter Buchmesse 2020 teilnehmen, um die deutsche und internationale Verlagslandschaft noch besser kennenzulernen.

Die Standmieten fallen weg, das digitale Angebot ist dank der Förderung der BKM kostenlos. Wie steht die FBM wirtschaftlich da?

Es ist für uns ein schwieriges Jahr mit einigen finanziellen Verlusten, aber das gilt für alle anderen Branchenteilnehmer auch. Wir sind der Kulturstaatsministerin Monika Grütters sehr dankbar, mit ihrer großzügigen Unterstützung konnten wir das digitale Programm entwickeln und können in diesem Jahr alle Angebote und Events kostenlos anbieten.

 Wie soll die FBM 2021 aussehen?

Es ist jetzt noch zu früh, um über 2021 zu sprechen. Fest steht, dass wir – wenn es die Corona-Situation zulässt – zurückkehren zum Messekonzept mit internationalen Aussteller*innen und Besucher*innen in den Hallen. Gleichzeitig ist bereits jetzt klar, dass unsere digitalen Angebote auch in Zukunft eng verzahnt mit den Angeboten der physischen Messe einhergehen und eine feste Komponente der Frankfurter Buchmesse werden. Wir werden über das ganze Jahr hinweg Anlässe schaffen, um uns mit und vor allem die Kunden untereinander zu vernetzen und dazu beitragen, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Es wird spannend sein zu sehen, wie unsere digitalen Angebote angenommen werden, und welche digitalen Bereiche wir sinnvoll mit einem physischen Messeauftritt verknüpfen können, um allen Kund*innen eine wirklich gute Erfahrung zu bieten.

 

 

 

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