Das Sonntagsgespräch „Wir waren neugierig“ – Die Leipziger „Buchhandlung Grümmer“ verkauft E-Books direkt im Laden

Christian Baumert, Heike Grümmer

Alle reden von E-Books – doch die buchhändlerische Scheu vor den elektronischen Büchern scheint noch recht groß zu sein: Verkauft werden sie bisher fast ausschließlich im Internet. Die Leipziger Buchhandlung Grümmer ist eine der ersten Buchhandlungen in Deutschland, die E-Books nicht nur über ihre Homepage vertreibt, sondern direkt im Laden anbietet – Beratung inklusive. buchmarkt.de hat mit Heike Grümmer und Christian Baumert von der „Buchhandlung Grümmer“ über Chancen und Probleme des E-Books gesprochen.

buchmarkt.de: Warum haben Sie sich dazu entschlossen, E-Books in Ihr Sortiment aufzunehmen?
Baumert: Da kamen zwei Dinge zusammen: zum einen unser persönliches Interesse, zum anderen ein Zufall. Der Zufall ergab sich auf der Frankfurter Buchmesse. Nachdem wir immer wieder von E-Books gehört haben, sind wir dort auf einen Libri-Mitarbeiter gestoßen, der uns in die Materie eingewiesen hat und alle unsere Fragen beantworten konnte: wie das funktioniert, wie die Vertriebswege laufen. Zum ersten Mal konnte uns jemand wirklich kompetent Auskunft geben.
Grümmer: Natürlich spielte auch die Messebuchhandlung eine Rolle, deren Mitbetreiber wir sind: Die war ein guter Ort, um das einmal auszuprobieren.
Baumert: Und natürlich waren wir neugierig, was letzten Endes für uns als Händler herauskommen kann.

buchmarkt.de: Was kommt denn dabei heraus?
Baumert: Zuerst natürlich jede Menge Arbeit. Im Grunde ist das aber vergleichbar mit jedem anderen Produkt: Man muss sich zunächst in die Materie einarbeiten, dann das Produkt bewerben und so weiter. Das hat vielleicht einen Monat gedauert, natürlich nicht jeden Tag vierundzwanzig Stunden, aber es war doch einen Monat lang kontinuierliche Arbeit.
Grümmer: Wenn man das jedoch einmal hinter sich hat, ist der Aufwand relativ gering. Im Grunde sogar geringer als bei einem herkömmlichen Buch, weil man ein E-Book weder auspacken noch lagern muss. Und solange das E-Book noch in der Preisbindung ist, sind die Handelsspannen ja auch berechenbar.

buchmarkt.de: In welcher Form bieten Sie die E-Books in Ihrer Buchhandlung an?
Grümmer: Die E-Books liegen auf dem Rechner unseres Grossisten, also bei Libri, und über unsere Suchmaske können wir dem Kunden zeigen, welche E-Books überhaupt existieren.
Baumert: Sobald der Kunde sich für ein E-Book entschieden hat, kassieren wir ihn hier im Laden ab, und er bekommt eine Mail zugeschickt, mit der er das E-Book öffnen kann. Das E-Book kommt also nicht aus unserer Buchhandlung, sondern direkt vom Großhändler.
Grümmer: Der Unterschied zu anderen Buchhandlungen ist, dass der Kunde das Buch direkt bei uns bezahlt und nicht per Kreditkarte bei Libri. Dafür muss man sich als Buchhandlung freischalten lassen, sonst fällt der Anteil für die Buchhandlung weg. Und ein großer Unterschied ist eben, dass wir die E-Books direkt im Laden anbieten. Viele Buchhandlungen verkaufen E-Books bereits über ihre Homepages, das machen wir auch. Doch nur sehr wenige bieten E-Books im Laden an. Doch gerade das fanden wir interessant: dass wir den Kunden auch beim Kauf eines elektronischen Buchs beraten können.

buchmarkt.de: Was denken Sie, in welchen Bereichen Sie vorrangig E-Books verkaufen werden?
Baumert: Die allgemeine Aussage geht dahin, dass eher wissenschaftliche Literatur als elektronisches Buch verkauft wird. In der Messebuchhandlung haben wir jedoch genau gegenteilige Erfahrungen gemacht: Dort haben wir nur belletristische Titel verkauft. Aber das liegt sicher daran, dass unter den Messebesuchern nicht gerade viele Wissenschaftler sind, die sich dort mit neuer Forschungsliteratur eindecken.

buchmarkt.de: Sind E-Book-Kunden aber nicht so technikaffin, dass sie alle ihre Waren übers Internet bestellen?
Baumert: Ich denke, das liegt auch ein bisschen bei uns. Wenn unser Hinweis, dass wir hier auch elektronische Bücher anbieten, bei den Kunden ankommt, kaufen sie ihre E-Books vielleicht hier.
Grümmer: Uns geht es ja auch um die Kunden, die sowohl herkömmliche Bücher kaufen als auch E-Books, für eine Reise beispielsweise. Für die lohnt sich der Weg in die Buchhandlung auf jeden Fall. Mit unserem Angebot an E-Books wollen wir den Kunden deutlich machen, dass wir das E-Book nicht als Ersatz für das Buch betrachten, aber schon als Alternative.

buchmarkt.de: Denken Sie, dass in nächster Zeit noch mehr Buchhandlungen E-Books anbieten werden?
Baumert: Das E-Book ist so ein junges Medium, es ist schwer, eine Prognose über seine Entwicklung abzugeben. Ein bisschen wird es davon abhängen, ob die jetzigen E-Book-Reader multifunktionaler werden. Ein erster Schritt ist schon getan, denn mittlerweile kann man mit den Readern Musik abspielen, man kann sie als Notizblock oder Kalender verwenden. Wir können versuchen, mit E-Books zu handeln. Aber als kleine Buchhandlung können wir da nur einen geringen Beitrag leisten. Die Entwicklung hängt vor allem davon ab, was um das E-Book herum passiert: wie die Verlage sich verhalten, was die Großhändler machen, wie die Presse auf die Entwicklungen reagiert. Am allerwichtigsten aber ist das Verhalten der Kunden.

Die Fragen stellte Katharina Bendixen.

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