Heinold fragt: Wer war’s?

Wir fragen heute nach einem „Unikat der Verlagslandschaft“, einem Verlagsunternehmen mit hoher wissenschaftlicher Reputation, das von der Gründung an als Verein und seit 1955 in der Form eines “wirtschaftlichen Vereins“ geführt wird und damit seinen Kunden gehört.

Versetzen wir uns die Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Deutschland lag in Trümmern. Auch die meisten Verlage, der Zwischenbuchhandel mit seiner ausgefeilten Logistik die und die grafische Industrie, alle weitgehend in Leipzig konzentriert, waren in einer einzigen Bombennacht des Jahres 1943 ausradiert worden. Aber nicht nur das: Ebenso betroffen war das gesamte deutsche Büchereiwesen. Allein schätzungsweise 25 Millionen wissenschaftliche Bücher waren in Flammen aufgegangen. Von den 31 Bibliotheken der Universitäten und Technischen Hochschulen waren zwölf völlig und elf teilweise ausgebrannt, ganz zu schweigen von den Privatbibliotheken der Wissenschaftler.

Die Gründungsidee war, wichtige geisteswissenschaftliche Veröffentlichungen in Form günstiger Nachdrucke wieder zugänglich zu machen. Da es nicht nur an der notwendigen Struktur, sondern auch an Kapital mangelte, bedienten sich die Gründer einer im 17. Jahrhundert aufgekommenen verlegerischen Methode, der Subskription. Gedruckt wurde erst dann, wenn die Grundauflage durch Vorbestellungen und Vorauszahlungen gesichert war.
Die Käufer konnten die Produktion nur beziehen, wenn sie Vereinsmitglieder wurden und sich zur Zahlung eines Mitgliedsbeitrages und zur Abnahme von wenigstens einem Band pro Jahr verpflichteten – ein Prinzip, das heute noch gilt ebenso wie ein Rabatt von mindestens 25 Prozent. Und das in den Gründerjahren nur im Direktbezug! Bei den angebotenen Titeln handelte es sich im Anfang um Lizenzausgaben nicht mehr lieferbarer Titel, dann zunehmend um Teilauflagen regulärer Verlagsausgaben, die sich zumeist nur durch einen Aufkleber vom Original unterschieden. Erst als das Unternehmen seine Geschäftspolitik mit den Interessen des klassischen Buchhandels in Einklang brachte, den Anteil der Eigenproduktion weiter steigerte, seine Titel verstärkt über den Buchhandel vertrieb und erstmals über das Barsortiment lieferte, wurde es im Jahre 1988 in den „Börsenverein des Deutschen Buchhandels“ aufgenommen.

Schon 1966 hatte ein Skandal das Unternehmen erschüttert und eine breite Öffentlichkeit beschäftigt: Der eigentliche Gründer des Unternehmens und langjährige Geschäftsführer hatte nicht nur eine „braune“ Vergangenheit, sondern trat mit neonazistischen Thesen in einer Veranstaltung der NPD auf und wurde deshalb abberufen. Ein Historiker hat zur 60-Jahr-Feier im Auftrag des Unternehmens eine Verlagsgeschichte vorgelegt, die offen mit diesem nicht sehr rühmlichen Thema umgeht.

Heute, 65 Jahre nach der Gründung, präsentiert sich die Buchgemeinschaft als eine längst auch im Sachbuchbereich tätige Verlagsgruppe mit weiteren sechs für den Buchhandel wichtigen Verlagen, die in den letzten Jahren dazugekauft worden sind und nun den Status eines „Imprints“ haben.

Heinold fragt: Wie heißt das Unternehmen in der Kurzform (drei Buchstaben) und wo ist sein Sitz? Antwort an heinold@buchmarkt.de

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