Heinold fragt: Wer war’s?

Wen oder was suchen wir? Heute zur Abwechslung keinen Verlag, sondern einen Autor, der im Doppelberuf lange Jahre Verleger war. Der gesuchte Autor wurde im Juli 1938 in Ostafrika geboren. Sein Vater war Missionar, starb aber bald nach seiner Geburt, ein Schicksal, dass auch sein literarisches Schaffen prägte.

Die Mutter war mit der Erziehung ihrer vier Kinder offensichtlich überfordert, so wurde auch die Suche nach Vater und Mutter zu einem Element seines Schreibens. Er wuchs im Wendland und am Niederrhein auf; seine Kinderjahre lieferten ihm ebenfalls Erzählstoff. Die Mittlere Reife schaffte er nach seinen eigenen Worten „mit Ach und Krach“. Schließlich nahm ihn, den Missionarssohn, eine christliche Buchhandlung als Lehrling auf, die nicht nach dem Zeugnis fragte.

Nach der Lehre schlug sich der Gesuchte mit den verschiedensten Arbeiten im Vorderen Orient durch. Da er inzwischen auch Türkisch und Englisch sprach, wurde ihm eine Stelle als Empfangschef in einem türkischen Hotel angeboten. Die Mutter erkrankte und rief ihn in die Heimat zurück. Wovon nun leben? Da lief ihm jemand über den Weg, den er aus seiner Lehrbuchhandlung kannte. Der schickte ihn zu einem Landtagsabgeordneten, der einen kleinen Verlag leitete und dort Unterstützung brauchte.

Hier nahm sein Schicksal einen neuen Verlauf. Bald lag die Verlagsarbeit ganz in seiner Hand, denn aus dem Landtagsabgeordneten wurde ein Fraktionssprecher, aus dem ein Minister, aus dem ein Ministerpräsident und aus dem schließlich ein Bundespräsident.
In diesem Verlag blieb er 40 Jahre, aber er krempelte ihn zusammen mit seinem Mentor gründlich um. 1967 übernahm er die Verlagsleitung des Unternehmens, das sich in den 1968er Jahren zunehmend politisierte und mit den Büchern eines Revolutionärs, Dichters und Priesters aus Nicaragua neu profilierte. Der Verlag wurde zum Pionier für lateinamerikanische und afrikanische Literatur in Deutschland. Auch gaben sein Mentor und er dem Verlag einen neuen Namen, der zugleich Programm war: Unter dieser Tarnfirmierung – die im 17. Jahrhundert teils in deutscher, teils in französischer Fassung aufgetaucht war – verlegten kritische Autoren ihre für für ihre jeweilige Obrigkeit anrüchigen Schriften.
Der Durchbruch beim allgemeinen Buchhandel für den Verlag kam mit dem Kinderbuch eines bis dahin unbekannten Illustrators, das auf Anhieb zum Riesenerfolg, in 25 Sprachen übersetzt und in Deutschland in weit über einer Millionen Exemplaren verkauft wurde.

Im Jahre 1998 brachte der Verleger – in einem anderen Verlag – sein erstes eigenes Buch heraus, eine an ein tragisches Erlebnis seines Vaters in Afrika anknüpfende Geschichte. Inzwischen sind mehr als 20 Bücher aus seiner Feder erschienen, einige davon Kinderbücher, die anderen als All-Age-Lektüre. Zur Problematik dieser Literaturgattung hat sich der gesuchte Autor so geäußert: „Ich kann mich nicht hinsetzen, um ein Jugendbuch zu schreiben. Ich entscheide mich auch nicht, ein Erwachsenenbuch zu schreiben. Das Thema, die Handelnden diktieren dem Autor, wie er die Geschichte erzählt.“

Heinold fragt: Wie heißt der Autor und ehemalige Verleger mit Vor- und Nachnamen?

Bitte mailen Sie Ihre Lösung und Ihre Anschrift an: heinold@buchmarkt.de. Unter den Einsendungen verlosen wir ein Exemplar {Bücher und Buchhändler von Wolfgang E. Heinold}

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