Heinold fragt: Wer war’s?

Heute geht es um einen traditionsreichen Buch- und Zeitschriftenverlag, der seit seiner Gründung im Jahre 1884 in Familienbesitz ist. Der Gründer – ein gelernter Buchhändler – kam aus Preußen und machte sich nach elfjähriger Berufstätigkeit in der Hauptstadt eines süddeutschen Königreichs mit einem Verlag unter seinem Namen selbstständig. Kapital stand dem Sohn vermögender Eltern zur Verfügung, und er begann Belletristik zu verlegen.

Schon im dritten Jahr seiner Tätigkeit stellte er seinen Verlag auf zwei Beine und kaufte eine Fachzeitschrift, der weitere, später wieder abgestoßene folgten. Diese seine erste Fachzeitschrift erscheint nach wie vor in dem von ihm vor 129 Jahren gegründeten Verlag. Auch eine im 20. Verlagsjahr erworbene Fachzeitschrift ist bis heute ein Flaggschiff des Hauses.

Eine im zehnten Verlagsjahr erworbene Zeitschrift wurde zum prägenden Medium. Sie und ihr Gründer und Herausgeber standen der Lebensreformbewegung nahe, beeinflussten und gestalteten die „bürgerliche Volksbildung“ in den 20er und 30er Jahren und sind aus der Kulturgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht wegzudenken. Die Zeitschrift ging 1937 in einem drei Jahre zuvor gegründeten Blatt auf, das zwar dem Geist des Dritten Reiches nahestand, aber auch schon einmal vom Reichspropagandaminister Goebbels verboten wurde und 1944 zu bestehen aufhörte.

Der Firmengründer verstarb 1930. An seine Stelle trat sein Schwiegersohn, der – von Hause aus Architekt – eine verlegerische Ausbildung als Volontär im legendären Jakob Hegner Verlag in Hellerau bei Dresden erhalten hatte.
Eine Tragik liegt über seinem Schicksal. Er war Altmitglied der NSDAP und wurde im Dritten Reich Vorsteher des Deutschen Verlegervereins. 1941 wurde er wegen kulturpolitischer Differenzen seines Amtes enthoben, dem Verlag wurden die Papierzuteilungen entzogen. Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels im Dritten Reich trug den gleichen Familiennamen wie der gesuchte Verlagsgründer und galt als fanatischer Nationalsozialist. Die beiden Männer wurden immer wieder miteinander verwechselt. Der Inhaber des gesuchten Verlages hat sich in einem Erinnerungsband mit seiner Vergangenheit auseinandergesetzt, dessen Taschenbuchausgabe der dtv-Verleger Heinz Friedrich ein nobles Vorwort vorangestellt hat.

1950 erhielt der Verlag die Lizenz der Besatzungsmacht und konnte seine Arbeit in Anknüpfung an die alten Traditionen wieder aufnehmen. Das Buchprogramm gruppierte sich wiederum um die Zeitschriften herum und umfasste qualifizierte Fachliteratur ebenso wie wichtige kulturgeschichtliche, volkskundliche und historische Titel. Der Enkel des Gründers trat 1965 in den Verlag ein und prägte ihn zusammen mit seiner Frau, einer Verlegertochter- und -schwester. Innerhalb der Berufsorganisation machte er sich einen Namen als Förderer der Berufsbildung und Mitgestalter der neuen Berufsbilder. Im seinem Fachbereich gilt der Verlag mit seinen Zeitschriften und Büchern als Marktführer; eng verbunden damit ist ein anspruchsvolles
Special-Interest-Programm. Sohn und Tochter des Verlegerpaares führen den Verlag nunmehr im vierten Jahr. Die Klammer, die unter ihrer Regie die beiden Programmbereiche zusammenfasst, heißt „Stilvolles Planen & Gestalten rund ums Haus.“

Heinold fragt: Wie heißt der Verlag? (Familienname des Verlagsgründers, Verlagssitz)
Antworten an: redaktion@buchmarkt.de

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